Donnerstag, 5. Mai 2011

Sex zwischen Professoren und Studentinnen in der Fiktion

Es gibt nicht so viel Material über das Thema

In einem Strafverfahren sind die Wartezeiten lang, die Schritte für die Laien unbekannt, die Verzweiflung sowie das Bedürfnis, darüber zu reden, groß. Dennoch werden unsere Familienangehörigen und unser Freundeskreis bald müde von unserer ständigen Auseinandersetzung mit demselben Thema. In den Romanen und Filmen finden wir Antworten und Aspekte, die uns zur Reflektion bewegen; Partner, die uns stundenlang im Leiden begleiten und Vergleiche zu den Situationen, die wir erlebt haben.

Die Romane und Filme über Sex zwischen Professoren und Studentinnen beschäftigen sich mit verschiedenen Arten von Problemen. Nicht nur sexuelle Belästigung oder Gewalt durch Professoren werden behandelt, sondern auch Fälle von Verführungen, Missverständnissen, falschen Anschuldigungen seitens der Studentinnen sowie einvernehmliche Beziehungen. Wir Opfer sexueller Gewalt an Hochschulen interessieren uns natürlich für die Fiktion über das Thema, in dem wir uns wiedererkennen können oder uns aufgrund des Unterschieds mit unserer eigenen Situation empören.

Zwei Leserinnen des Blogs haben das Thema eingeleitet und ich bedanke mich für ihre Film- und Literaturtipps. Ich präsentiere hier eine Liste von Titeln, die sie erwähnt haben und andere, die ich schon vorher kannte:

Romane:

        Brandung (1985) von Martin Walser

        Der Campus (1995) von Dietrich Schwanitz



        Das sterbende Tier (2001) von Philip Roth

        Der Augenblick der Liebe (2004) von Martin Walser

Filme:

Hier sollte man zwischen Verfilmungen der o.g. Romane und Filmen, die das Thema als Nebenhandlung oder kleinen Teil des gesamten Konflikts betrachten, unterscheiden. Ich kenne keinen Film mit Originaldrehbuch, der sich mit dem Sex zwischen Professoren und Studentinnen als Hauptthema befasst. Wenn jemand einen solchen Film kennt, kann er/sie mir gerne Bescheid geben.

Verfilmungen von Romanen:

        Der Campus (1998). Regie: Sönke Wortmann. Besetzung: Heiner Lauterbach, Sandra Speichert.

        Schande (2008). Regie: Steve Jacobs. Besetzung: John Malkovich, Jessica Haines, Antoinette Engel.

        Elegy oder die Kunst zu lieben (2008) (Verfilmung von Das sterbende Tier von Philip Roth). Regie: Isabel Coixet. Besetzung: Penélope Cruz, Ben Kingsley.

Andere Filme:

        A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn (2001). Regie: Ron Howard. Besetzung: Russell Crowe, Jennifer Connelly.

        Natürlich blond (2001). Regie: Robert Luketic. Besetzung: Reese Witherspoon, Luke Wilson, Selma Blair, Victor Garber.

        Das Leben des David Gale (2002). Regie: Alan Parker. Besetzung: Kevin Spacey, Kate Winslet.

        Mona Lisas Lächeln (2003). Regie: Mike Newell. Besetzung: Julia Roberts, Kirsten Dunst, Julia Stiles, Maggie Gyllenhaal.

        So ist Paris (2008). Regie: Cédric Klapisch. Besetzung: Juliette Binoche, Romain Duris, Fabrice Luchini, Mélanie Laurent.

Ich freue mich auf weitere Tipps, um diese Liste zu erweitern. Außerdem habe ich vor, die von mir gelesenen Bücher und gesehenen Filme zu kommentieren. Mit meinem Kommentar beabsichtige ich keine literarische Kritik, Filmkritik oder Empfehlung zu machen, sondern eine Opferperspektive gegenüber diesen Fiktionen anzubieten.

Kommentare:

  1. Ok, ich mal wieder habe noch ein paar Ergänzungen zur Literaturliste:
    http://www.dieterwunderlich.de/Roth_begierde.htm#cont

    "Professor der Begierde", wobei ich schon jetzt darauf hinweise, dass es hier NICHT um Vergewaltigung geht.

    Dann natürlich noch "Magistra", der Autor fällt mir gerade nicht ein, muss ich später zuhause nachschauen!

    Aber was ich auch noch empfehle, ist:
    Ortswechsel von David Lodge, "Das Ernie-Prinzip" (sehr lustig, wie ich finde).

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  2. - Black Swan

    - Die Klavierlehrerin

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  3. Und wie wäre auch eine separate Liste mit Non-Fiction und Studien?

    Ich weiß noch, dass ich zu meiner Studienzeit immer wieder anonyme Befragungen von Psychologie-Studentinnen für ihre Diplom-Arbeit usw. erhalten hatte, wo man nach Beläsitungungserfahrungen gefragt wurde.

    Während der Studienzeit sagt man da natürlich nichts. Entweder ignoriert man die Anfrage, oder man macht ganz vage Angaben.... Man weiß auch nicht, was man unter sexueller Belästigung verstehen soll. (In meinem Bereich gibt es Studien, wonach mindestens 10% der Studentinnen sich sexuell belästigt fühlen würden. Es gibt auch andere Texte zum Thema - diese sind alles veröffentlicht, also ist es nichts, was man geheim halten müsste).

    Jetzt gab es ja auch eine EU-weite Studie zum Thema sexuelle Gewalt an Hochschulen. Da dürfen aber natürlich auch wieder nur aktuelle Studenten teilnehmen.

    Wenn man den ganzen Ausmaß erforschen will, muss man also die Ehemaligen und auch die Dozenten nach ihren Erfahrungen während ihrer Studienzeit befragen.

    Und das ist natürlich schwierig, zumal die Austauschstudenten aus dem Ausland, welche ja besonders gefährdet sind, nicht wirklich erfasst werden - und viele Opfer aufgrund dieser Erfahrung ihren Beruf gewechselt haben.

    Mir wurde damals vom Prof. nach der Tat auch nahegelegt, ins Ausland zu gehen, weil ich in Deutschland nichts finden können werde. Auch um mich zu beweisen, bin ich hier geblieben.

    Im Nachhinein war es wahrscheinlich ein Fehler, ich hätte einen Abstrich und Neuanfang machen sollen. Aber das hätte damals wie eine Niederlage gefühlt.

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  4. Sorry, Klavierspielerin musste es heißen, von Elfiede Jelinek. Gleichnamiger Film.

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  5. Ich weiß nicht, ob „Black Swan“ in diese Liste gehört. Es handelt sich dort mehr um eine Arbeitsbeziehung als um eine Beziehung zwischen einem Professor und einer Studentin. Der Direktor eines Ballets ist eher ein Chef der Ballerinas, oder? Natürlich nutzt er seine Machtposition aus und „spielt“ mit der Ballerina im sexuellen Sinne. Andere Elemente lassen sich mit der Hochschulsituation vergleichen, wie etwa der Konkurrenzkampf, der Leistungsdruck und die Tatsache, dass das Schicksal einer ganzen Karriere in den Händen einer Person liegt, die die wichtigen Entscheidungen trifft. Solche Elemente tauchen jedoch auch in anderen Bereichen wie bspw. im Management auf.

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  6. Naja, dann wäre eine Doktorandin mit einer Mitarbeiterstelle auch eine Arbeitsbeziehung.

    Für mich gehört Black Swan dazu, weil es drum geht, dass weil eine Ballerina (oder Studentin, Doktorandin usw.), sich um ihren Traum zu erfüllen, sich vom Urteil des Chefs (Prof.) abhängig macht.

    Dies ist im künstlerischen Bereich brisant, weil es kein Arbeitsverhältnis im klassischen Sinne gibt (es sind alles Freiberufler, ohne arbeitsrechtlichen Schutz).

    Und es ist normalerweise in der Realität auch tatsächlich so, dass die Chefs nebenberuflich Professorenstellen haben. Und der Nachwuchs (Tänzer/Schauspieler/Musiker/Künstler) wird an der Hochschule ausgebildet. Das Abhängigheitsverhältnis in dem Bereich fängt also schon bei Jugendwettbewerben an (wo die Hochschulprofessoren in Jury sitzen), und geht übers Hochschulstudium bis ins Berufsleben hinein.

    An manchen Hochschulen ist es auch so, dass die Studenten für Teilnahme an öffentlichen Vorstellungen eine Genehmigung der Hochschule brauchen, oft braucht man zum Teilnahme an Wettbewerben auch ein Empfehlungsschreiben des Professors.

    Bei manchen Theatern weiß man schon, dass man an bestimmten Instituten ausgebildet sein muss, um dort engagiert zu werden.

    Ohne diesen Hintergrund gäbe es eine Situation wie in Black Swan gar nicht.

    Und es ist in dem Bereich ein weit verbreitetes Missbrauchsinstrument, dass der Chef/Prof/Dozent sagt, dass die Studentin/Tänzerin/Künstlerin mehr Sexualität lernen muss, und erotischer werden muss, um fachlich gut zu sein, und dass er einem nur fachlich helfen will. Deswegen kann sich die Studentin/Tänzerin/Künstlerin schwer wehren - weil wenn sie sich wehrt, dann hat sie indirekt gesagt, dass sie nicht besser werden will und die Rolle nicht will.

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  7. Es gibt auch systematischen Missbrauch im sportlichen Bereichen, z.B. mussten in den UdSSR-Zeiten Olympia-Teilnehmerinnen in manchen Disziplinen Sex mit ihren Trainern haben, weil es zum Trainingskonzept gehörte. Frauen seien hormonell bedingt besonders leistungsfähig in gewissen Phasen der Schwangerschaft. Abtreiben gehörte demnach auch dazu.

    Und das Perfide ist, dass diese Praktiken toleriert wurden, weil gute Leistungen wichtiger waren. Und wer in diesem Metier aufwuchs, war nicht mehr selber in der Lage zu erkennen, was sie überhaupt wollte. Ob diese Frauen wirklich Sex wollten, wenn sie in der Lage gewesen wäre, es selber gefühlsmäßig zu entscheiden?

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13691309.html

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  8. ...ich finde auch, dass Natürlich Blond da nicht hingehört, oder? Ich meine, das ist ja auch nicht grade ein Film mit Niveau.

    Der Campus ist - was das Buch angeht - gut geschrieben, die Bücher von Philipp Roth auch, ebenso Schade. Doch ich favorisiere den Karpfenteich, der ist genial, vor allem, weil man so ein Buch tatsächlich nur schreiben kann, wenn man die Interna kennt: diese ganzen Verwirklungen, Verheimlichungen, diese ganzen Versuche, zu vertuschen. Das Eingreifen der Gleichstellungskommission etc.

    Im Übrigen gibt es noch einen anderen, wie ich finde, guten Campus-Roman: "Nur die Stärksten überleben":

    "Kurzbeschreibung

    Ein scharfsinniger und treffender Roman aus dem Unimilieu. Die glänzende Erzählerin Helene Uri schreibt über die großen Ideale der Wissenschaft, über Lügen und Intrigen, über Sex, Eifersucht und grenzenlosen Ehrgeiz.

    Beschreibung
    Pal Bentzen ist ein glücklicher Mann: Er hat sich eine Forschungsstelle am renommierten Institut für Sprachwissenschaft erkämpft und mit seiner ehrgeizigen Kollegin Nanna eine verheißungsvolle Affäre begonnen. Nanna arbeitet an einem vielversprechenden Projekt, und Pal unterstützt sie nach Kräften. Dass sie in der Öffentlichkeit über ihre Beziehung Stillschweigen bewahrt, stört ihn kaum. Eines Tages stößt Pal im Kopierraum auf einen Text der angesehenen Professorin Edith Rinkel. Vieles darin kommt ihm irgendwie bekannt vor. Hat die Professorin ihre Thesen womöglich aus Nannas Arbeit gestohlen? Helene Uris Campus-Roman entlarvt die dunklen Seiten der nicht immer ganz so hehren Welt der Wissenschaft und erzählt dabei vom Kampf zweier ungewöhnlichen Rivalinnen."

    Mir hat das ganz gut gefallen, weil es dort um "Futuristische Linguistik", um Zukunftsmorphologie, geht.

    Aber unabhängig davon, habe ich darüber nachgedacht, warum die Uniromane alle immer in geisteswissenschaftlichen Fakultäten spielen? Weil die Geisteswissenschaflter viel mehr mit Intrigen und menschlichen Dingen zu tun haben als z.B. die Informatiker? Weil die Literatur schöngeistig ist und man einiges Zweideutige in die Vorlesungen einbauen kann, um sich dann rauszureden?

    Der Karpfenteich spielt in der Jura-Fakultät, der Name des Profs ist Prof. Hecht, ziemlich genial, weil man die Fischmetaphorik immer wieder aufgreift, so heißt es z.B. an einer Stelle:
    "So Hechte, die fressen kein Aas, es sind ja schließlich keine Aale. Die wollen nur lebendige Fische, solche, die noch ordentlich zappeln. Ja, ja, so muss es gewesen sein. Sie hat geglaubt, das ist Karpfen, der da um sie herumschwimmt, und dann ist das ein Hecht! Und jetzt hat er zugebissen."

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  9. "Aber unabhängig davon, habe ich darüber nachgedacht, warum die Uniromane alle immer in geisteswissenschaftlichen Fakultäten spielen? Weil die Geisteswissenschaflter viel mehr mit Intrigen und menschlichen Dingen zu tun haben als z.B. die Informatiker? Weil die Literatur schöngeistig ist und man einiges Zweideutige in die Vorlesungen einbauen kann, um sich dann rauszureden?"

    Weil es auf anderen Gebieten publikumsfreundlichere Kulissen gibt. Sex und Vergewaltigung sind ja eigentlich Lieblingsthemen bei Romanen. Intrigen zwischen Medizin-Professoren, Oberärzten und Studenten kann man aber als Klinikgeschichten besser platzieren (kombiniert mit Sex bei Nachtdienst, Leichenschau, Rechtsmedizin). Bei Tiermedizin würde man Sex wahrscheinlich beim Praktikum auf irgendeinem Bauernhof stattfinden lassen (beim verzweifelten Versuch, einen Pferd zu retten) als direkt an der Uni. Bei Informatikern würde man das mit Cyber-Kriegen kombinieren, und bei Künstlern macht man eben lieber einen Psycho-Film über labile Aspirantinnen im Theater oder so. Richterromane und Polizeireviergeschichten gibt es ohnehin zu Hauf im Fernsehen.

    Ein Vergwaltigungsroman über einen Maschinenbauprofessor, der bei Univorlesungen über Dieselmotoren mit Studentinnen Sex hat, erreicht kein Leserpublikum (wer kauft sich denn so ein Buch?).

    Auch muss man dran denken, dass Enthüllungsromane ja oft von Autoren geschrieben werden, welche nebenberuflich oder nach Ausscheiden/Pensionierung unter Psuedonym schreiben. (Hauptamtliche Schriftsteller arbeiten subtiler und mehr mit mehrdeutigen Symbolen). Es gibt wohl mehr Geisteswissenschaftler, welche gerne schreiben, als dass Aerodynamiker oder Schiffsbauingenieure zu solchen Verarbeitungsmethoden greifen würden.

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  10. „Natürlich blond“ passt ziemlich gut zum Thema, obwohl die sexuelle Belästigung durch den Professor als Konflikt nicht sehr umfassend dargestellt wird. Die Protagonistin studiert Jura, passt aber nicht zur Harvard-Umgebung. Sie gibt sich Mühe, gute Leistungen zu erbringen. Als ihr erlaubt wird, an der Verteidung einer wegen Mordes angeschuldigten Frau teilzunehmen, ist sie stolz auf sich. Dann bemerkt sie, dass der Professor nur eins von ihr will und sie aus diesem Grund als studentische Aushilfe ausgewählt hat. Deswegen denkt sie an einem bestimmten Moment, das Studium abzubrechen. Sie lässt sich aber nicht einschüchtern und die Geschichte endet gut.

    Ich finde hier Ähnlichkeiten zur Situation mit meinem Doktorvater. Am Anfang hatte ich gedacht, er wolle mich aufgrund meiner akademischen Leistungen und meines Talents betreuen. Am Tag des Vorfalls hat er mir klar gesagt, ich hätte ihm auf den ersten Blick gefallen. Für mich war dies so enttäuschend. Er hat mich nie als Akademikerin und Doktorandin ernst genommen.

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  11. http://www.literaturkritiken.de/buch/seiten/001/vergewaltigungslekt.php

    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-4-207.pdf

    Kennst Du sie?

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  12. http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/606806/nur-wilder-sex-erneut-freispruch-coburger-psychiater.html

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  13. Ja, das war bei mir auch so. Erst wurde ich mit E-Mails und mündlchen Komplimenten überhäuft, wie klug ich doch sei, dass er mich fördern möchte, dass ich ja sehr engagiert wäre. Daraus machte er auch keinen Hehl, da er offenkundig von mir schwärmte unter den Kollegen, das verärgerte besonders eine Hilfskraft, die dann hier wegwollte, weil sie die Schwärmereien von mir nicht ertrug. Und ich muss zugeben, ich kann sie da ein wenig verstehen. Aber: sie hat dann, weil sie ein wenig Terror gemacht hat, unter anderem auch erzählt, dass er wollte, sie solle zu ihm nach Hause kommen, das hatte sie dann abgelehnt, ein Empfehlungsschreiben bekommen und sie konnte an eine andere Uni gehen. So läuft es eben.

    Ich glaube, dass man mit Mitte 20 wirklich noch ein wenig naiv ist und glaubt, Professoren seien Götter und man ihnen abnimmt, dass sie eine wissenschaftliche Förderung im Sinn haben. Ich kann mich zum Beispiel noch an mein Bewerbungsgespräch erinnern, da hatte ich das Gefühl, dass ER total abwesend war, die beiden Mitarbeiter waren normal.

    Und später hat mir der Kollege erzählt, er habe meinem Doktorvater abgeraten, mich einzustellen, weil er den Blick von ihm gesehen hat. Das Fiese dabei: mein Ex-Doktorvater hat mir gleich zu Beginn gesagt: X hat gesagt, ich soll Dich nicht einstellen. Damit hat er gleich für eine angespannte Stimmung an seinem Lehrstuhl gesorgt und ich habe mich nicht an den Kollegen herangetraut, weil ich dachte, er möge mich nicht. Dabei hatte er nur Angst um mich.

    Dieser Kollege hat schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt gemerkt, dass mein Ex-Chef etwas von mir wollte und hat ihm sogar noch ins Gewissen geredet: X, sie heiratet bald, denk dran...

    Irgendwann haben der Kollege und ich uns ausgesprochen und danach haben wir täglich lange miteinander gesprochen und ich glaube, erst durch die Gespräche wurde mir bewusst, was für ein mieser Typ der Prof ist. Und außerdem war der Kollege sehr moralisch und ich habe gedacht, dass ich mich offenbaren muss, auch wenn es sonst was kostet. Und dann habe ich das auch gemacht.

    Der Kollege war später Zeuge im Strafverfahren und hat viele Sachen gesagt, die ich total toll fand, obwohl er noch von dem Prof abhängig war.

    Nachdem mein Ex-Prof wiederkommen sollte, habe ich das Rektorat gebeten, dass dieser Kollege da wegkommt, dass man ihn nicht mehr zu X zuordnen kann, der Kollege tat mir so Leid, er weiß gar nicht, dass ich da mehrere Gespräche führte, um ihn vor dem rachsüchtigen Prof zu schützen. Aber das Rektorat hat das wohl auch so eingesehen, da der Kollege jetzt woanders zugeordnet ist und seine Stelle wurde entfristet, das ist super. Ich freue mich für ihn, wenn ich irgendwann mal von der Uni gehe, werde ich ihm einen langen Brief schreiben und ihm sagen, dass er sehr viel dazu beigetragen hat, dass ich mich letztlich offenbart habe. Das werde ich ihm auch nicht vergessen, denn jetzt geht es mir besser als unter der Fuchtel von diesem Menschen. Jetzt bin ich frei.

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  14. Ich war am Mittwoch auf einem Vortrag vom Weißen Ring und da war ich ziemlich erschreckt darüber, dass die meisten Sexualstraftäter eine lange Liste an Delikten auf ihrem Lebenslauf hatten. Bei vielen kam es erst zur Anklage, als das Fass zum Überschwappen voll war.

    Es ist ziemlich schlimm, dass diese Leute erst zu Wiederholungstätern werden müssen, bis etwas passiert im Sinne des Rechts, oder?
    Ich meine, damit ist dann ja schon vorprogrammiert, dass es weitere Opfer geben wird.

    Man sollte es wie in Amerika machen: man sollte Fotos der Täter hochladen, damit das öffentlich ist.

    Man sollte auch in Deutschland ein öffentliches Portal haben zum Thema "Disziplinarstrafen" mit Delikt, Urteil, Bestrafung. Damit könnte man sie bloßstellen und jede Studentin oder jeder Student kann sich selbst darüber informieren, welche Professoren in ihrer Uni schon mal disziplinarrechtlich verurteilt worden sind. Danach könnten sie dann selbst entscheiden, ob sie Seminare von den bestraften Lehrkräften besuchen wollen, oder nicht.

    Ich kann nicht ausschließen, dass es auch Frauen geben wird, die sich denken, hm, da ist jemand, der unterhält sexuelle Beziehungen zu Abhängigen und man kommt so an Stellen, das ist ja toll, da gehe ich doch mal hin, wird es auch geben, aber die meisten würden doch denken, hm, da wird Chancengleichheit unterbunden, da gehe ich lieber nicht hin.

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  15. http://www.musiktherapie.de/fileadmin/user_upload/medien/pdf/mu_downloads/MU_02-07_Notizen.pdf
    (Seite 2)

    http://www.musiktherapie.de/fileadmin/user_upload/medien/pdf/mu_downloads/MU_02-07_Notizen.pdf
    (Seiten 4/5)

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  16. http://diestandard.at/1254310631679/Sexuelle-Uebergriffe-an-Uni-Salzburg

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  17. Diejenigen, die Links zu anderen Webseiten posten, bitte ich darum, dass ihr schreibt, weshalb ihr diese Links postet, damit man weiß, um was es sich dabei handelt.

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  18. Sorry, ich dachte das war klar, warum ich die Links gepostet habe.

    Weitere Fälle von Professoren und an Hochschulen.

    Arbeiten zur Definition von Vergewaltigung (von einer Lehrbeauftragten an Uni Hamburg, und von einer Professorin an einer Hamburger Hochschule).

    Wollte das eher unauffällig machen, um Täterzugriffe über Suchmaschine zu minimieren.

    Und Copy-Paste kann ja Urheberrechtsverletzung sein.

    @Bielefelderin

    Das ist bei Sexualdelikten i.d.R. so, dass sie Wierholungstäter so ist. Besonders schlimm ist es mit Mördern, im Zusammenhang mit Sexualdelikten.

    (Siehe die aktuelle Diskussion um die Sicherheitsverwahrung. Wiederholungstäter bedeutet auch nicht, dass sie erst jetzt verurteilt worden sind - sondern da sind auch Täter dabei, welche schon einschlägig bestraft worden und in Gefängnissen waren).

    Man hat sich in Deutschland bisher gegen das Internet-Bloßstellen entschieden. Und das finde ich OK so.

    Vor allem ist das keine Sicherheitsgarantie, zumal viele Fälle ja erstmal eingestellt werden und diese Fälle gar nicht in die Datenbank kommen (und ich würde ja auch nicht Wollte das eher unauffällig machen, um Täterzugriffe über Suchmaschine zu minimieren.wollen, dass ich in de Datenbank stehe, nur weil irgendjemand mich falsch verdächtigt hatte). Und Disziplinarverfahren gibt es nicht bei jedem Beruf.

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  19. So, ich habe mal nachgeschaut, das Buch, das mir ein Kollege unserer Fakultät geschenkt hat, heißt "Magistra" von Monika Bohn, Klappentext: "Campusroman. Eine kleine norddeutsche Universitätsstadt: Die junge Magistra Kathrin fühlt sich zu ihrem doppelt so alten Doktorvater Prof. Förster hingezogen. Die romantische Liaison wendet sich zum Unromantischen, als er seine akademische Machtstellung mit sexuellen Forderungen verknüpft. Während die Heldin ratlos zwischen Lachen und Weinen taumelt, weiß der alte Platzhirsch seinen Ruf als ehrbarer Professor geschickt zu wahren."

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  20. Und, ein weiterer Buchtipp ist "Uniklinik" von Jörg Uwe Sauer.

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  21. Ich weiß nicht, wie das bei Euch ist, aber habt ihr auch ein Lied, was Euch durch die schwere Zeit begleitet hat?

    Bei mir war es "A puro dolor": "Vida, devuelveme mis fantasias
    Mis ganas de vivir la vida
    Devuelveme el aire..."

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  22. Bei künstlerischen Produtionen bin ich oft hin- und hergeriessen, was ich dazu denken soll. Es gehört zum Beruf dazu, dass man sich mit Themen wie Sex und Gewalt auseinandersetzt, aber jeder hat da auch seine Grenze. Das Dilemma - gerade die Produktionen, die bis zur Grenze gehen (und drüber hinaus) haben dann letztendlich genügend Aussagekraft, um das Publikum zu berühren, wachzurütteln und zum Nachdenken zu bringen. Wieviel Opfer seitens der Aufführenden ist da angemessen?
    http://www.bild.de/regional/koeln/oper/bariton-vergewaltigt-sopranistin-im-takt-8025780.bild.html

    http://www.fr-online.de/kultur/theater/auch-liebe-ist-nur-eine-waffe/-/1473346/2879796/-/index.html

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  23. Hat zwar mit Uni und Prof nichts zu tun, aber der Doku-Film "Auf Teufel komm raus" ist sehr sehenswert. Es geht um die Reaktion in einem Dorf, als ein Bürger seinen Bruder, einen aus der Haft entlasenen Sexstrafttäter, bei sich aufnahm.

    http://www.zeit.de/kultur/film/2010-11/doku-auf-teufel-komm-raus

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  24. Vielen Dank für die Erweiterung der Liste. Nachdem man einige von diesen Texten liest und einige Filme schaut, sollte man sich fragen, inwiefern die Fiktion auch eine Täterperspektive vertritt und wie die Opfer dargestellt werden. Vor kurzem habe ich „Mona Lisas Lächeln“ wieder gesehen. Da wird keine Täter-Opfer-Beziehung zwischen dem Professor und den Studentinnen geschildert, sondern einvernehmliche flüchtige Verhältnisse, die ein „offenes Geheimnis“ im Campus sind und von den Studentinnen initiiert werden. Hat die Gesellschaft vielleicht zu viele solche Bilder von Studentinnen? Man braucht mehr Opferperspektive in der Fiktion!

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  25. Das ist richtig, in der Regel geht es um freiwillige Liebschaften, um Affären zwischen alten Männern und jungen klugen Frauen.

    Im Fokus steht dann das Ungleichgewicht, dass "Schönheit" bei der Frau nicht im Vordergrund steht, wenn sie einen Mann liebt, während er natürlich durch eine junge Frau an seiner Seite "vergisst", dass er alt ist.

    Im Prinzip ja auch richtig, denn als Doktorandin ist es durchaus so, dass es eine Art Verehrung geben kann, dass man heraufschaut und den Prof auf eine bestimmte Art sehr gern hat, doch das Problem kommt dann auf, wenn er Druckmittel anwendet, um die Grenze zu überschreiten.

    Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht, auch freiwillig, doch als bei mir die Grenze überschritten worden ist, war ich in der Opferperspektive und konnte nichts machen, ich war machtlos, voller Angst, unter Druck und habe nie eine faire Chance bekommen.

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  26. Die Romane greifen ja Themen an, wo die Justiz keine Antwort mehr weiß.

    Und die Leser entscheiden dort selbst, wie sie die geschilderten Situationen einschätzen, und das ist wiedermal gefärbt von den persönlichen Lebenserfahrungen der Leser.

    Hinzukommt, dass die Täter oft auch selbst Opfer waren und selbst leidende Menschen sind. (Sonst wäre der Roman billig). Bücher wie "Schweigen der Lämmer" oder "Shot in the Heart" sind ja sehr aufschlussreich und bewegend.

    Aus Opferperspetive fand ich die Schilderung der Lehrerin in "Im norwegischen Wald" von Haruki treffend (wobei bei der deutsche Übersetzung die Feinheiten verloren gehen).

    Auch gibt es ein amerikanisches Buch (Titel habe ich vergessen), wo eine junge Frau von einem Bekannten (gut aussehender, erfolgreicher Student auf Elite-College) nach einer Feier im Park vergewaltigt wird, ihr von der Justiz nicht geglaubt wird, sie von ihrer Familie und Freund verlassen wird, und sie viele viele Jahre später Rache ausübt, in dem sie - als sie diesen Mann im Fernsehen als Präsidentkadidat sieht - sich einen Job in seinem Wahlbüro als ehrenamtliche Mitarbeiterin verschafft, und eine Vergewaltigung vortäuscht. Und wegen dieser Fake-Anzeige wird der Mann verurteilt. Ich fand es in dem Roman bezeichnend, dass der Mann nicht verurteilt wurde, als die Frau die Wahrheit sagte, und dass er verurteilt wurde, als die Frau lügte. Und die Frage dort war, ob man das als eine Gerechtigkeit sehen kann, wenn ein Vergewaltiger wegen einer anderen erfundenen Vergewaltigung verurteilt wird.

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  27. Heißt der Roman nicht "Lautlose Schreie"?

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  28. Früher war es ja so, dass Frauen zum Studium nicht zugelassen wurden, weil die Anwesenheit von Frauen die Männer von ihren wissenschaften Hingaben abgelenkt hätten. Die Männer verhalten sich anders, wenn sie unter sich sind als wenn sie in einer geschlechtsgemischten Gruppe sind (das ist allerdings auch bei Frauen so - deshalb gibt es auch Frauen-AGs, Frauenuniversitäten, Mädchenschulen usw.).

    Also waren historisch gesehen die Frauen schuld, wenn die Männer wegen ihrer bloßen Anwesenheit einen sexuellen Drang verspürten. Weil "Männer nun mal so sind".

    Diese Gedanke ist auch in Europa doch immer noch latent vorhanden. (Und in anderen Teilen der Erde gehört das noch zur Kultur, z.B. dass die Frauen sich in der Öffentlichkeit mit Kopftückern oder Burkas verschleiern müssen, um die Männer nicht zu reizen). Vielleicht ist es für die Männer physiologisch tatsächlich schwer, enthaltsam zu bleiben, wenn Frauen in der Nähe sind.

    Mich würde auch interessieren, wie man "Affäre" und "Sex" definiert. Ich merke zum Beispiel, dass Bielefelderin eine andere persönliche Grenze hatte als ich. Und wenn die individuelle Grenze bei Frauen unterschiedlich eng ist, kann ein Mann das überhaupt wissen?

    Irgendwie wirft das Thema bei mir gerade viele Fragen auf.

    Bei mir ist es so, dass der Prof. auf jeden Fall als sexistisch galt und auch für seine Affären und Seitensprünge bekannt war, aber bei mir gab es bis zu der Vergewaltigungssituation keine sexuellen Übergriffe, also war ich nicht drauf vorbereitet, dass er Sex wollte - zumal die anderen Frauen ja die Affären auch selber wollten, was bei mir nicht der Fall war (wobei sie das vielleicht im Nachhinein auch anders sehen).

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  29. Wieso war die Grenze anders als bei mir?

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  30. Weil Du schriebst (in dem Beitrag, was jetzt wegen des Serverabsturzes weg ist), dass das eine Affäre war, aber dass bei Dir die Grenze bei Sex war. Da ist es mir nicht klar, was Du genau mit "Affäre" und "Sex" meinst.

    Für mich gehört zu einer Affäre Sex.

    Wobei, Sex auch ein weiter Begriff ist - Sex kann alles sein zwischen "Streicheln" und "Geschlechtsverkehr".

    Ich meine das nicht moralisch, sondern ich betrachte immer noch das strafrechtliche.

    Die sexuelle Handlung im Sinne von §177 StGB beinhaltet z.B. nicht "Busen streicheln" oder "Zungenkuss". Für mich wäre es aber schon Sex - wenn mein Prof. sowas bei mir schon probiert hätte, dann wäre ich nicht mehr in sein Büro gegangen. Der Abend kam für mich also überraschend.

    In der Institution, wo er jetzt ist, hatte er viel mehr Macht als an der Hochschule. Und da hatte ich von mehreren Studentinnen gehört, dass er die schönen Vamps bevorzugen würde, und dass er sich auch fachlich viel mehr um sie kümmern würde. Diese Vamps kamen - um ihm zu gefallen - mit entsprechender Kleidung und Schminke zu ihm. Und die Studentinnen, die schüchtern oder nicht sexy waren, sie fühlten sich benachteiligt. Es war auch bekannt, dass mindestens eine von dieser Studentinnen eine Beziehung mit ihm führte, und diese bekam von ihm auch Jobs vermittelt, obwohl sie fachlich ziemlich schlecht war.

    Moralisch bin ich mir relativ sicher, dass das alles auch missbräuchlich war, also, dass diese Vamp-Studentinnen in dem Moment dachten, dass das alles freiwillig und schön ist, weil sie so abhängig von ihm waren, und weil das ihnen auch Vorteile brachten. Gesund sind solche Verhältnisse ja nicht. Und vielleicht waren sie auch nicht mit allem einverstanden (kann ja sein, dass man Sex mal schön findet aber mal nicht), aber sich einredeten, dass sie es wollten, weil sie ihn nicht verlieren wollten, oder vielleicht waren sie auch nur ambivalent.

    Aber das Verhältnis oder Affäre oder Beziehung oder wie man das nennen will, das ging über einen längeren Zeitraum.

    Aber dann frage ich mich, warum er es nötig hatte, mich zu vergewaltigen. Ich glaube nicht mal, dass er an dem Abend Spaß hatte bei mir. Ich hatte eher den Eindruck, dass er mich vernichten wollte.

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  31. ...und täglich grüßt das Murmeltier: siehe Strauss-Kahn.

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  32. Zwischen dem 12. und 13. Mai gab es Probleme bei Blogger und leider sind die veröffentlichten Kommentare von diesen Tagen jetzt weg. Da ich noch eine Kopie habe, werde ich sie noch mal veröffentlichen.

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  33. ...nein, also für mich war das keine Affäre, das habe ich nicht geschrieben. Den Beitrag kenne ich auch gar nicht? Also von mir stammt er sicher nicht.

    Also ich finde, dass es eine Grenze zwischen Freundschaft und Affäre gibt, weil man mit einer Affäre Sex hat, in einer Freundschaft jedoch nicht, was nicht bedeutet, dass es da keine Nähe geben darf.

    Und Sex ist für mich nur Sex, wenn es zwei Leute freiwillig wollen. Und sonst ist es Nötigung. Bei mir war es das.

    Es ist natürlich sowieso ein sehr heikles Thema, denn es gibt Frauen, die werden vergewaltigt und machen dabei mit, weil sie hoffen, dass es dann weniger weh tut, es gibt Frauen, die holen vorher ein Kondom, weil sie wissen, dass er sie sowieso nötigen wird und sie haben Angst vor einer Schwangerschaft.

    Wenn Du sagst, Du wärest nicht mehr in sein Büro gegangen, wenn er Dir vorab an den Busen gefasst hätte, dann hättest Du ja nur die Möglichkeit der Kündigung gehabt und damit wäre Deine Existenz vernichtet worden.
    Ich finde es gut, wenn Frauen das sofort tun, ich hatte zuviel Angst zu kündigen, weil ich einfach nicht wusste, was ich dann machen soll, da ich nicht auf Lehramt studiert habe.

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  34. @Bielefelderin, ich glaube, die anonyme Leserin bezieht sich auf diesen Kommentar:

    Von Bielefelderin am 12. Mai 2011 08:51 unter "Die Stimme des Opfers" eingestellt.

    Das ist richtig, in der Regel geht es um freiwillige Liebschaften, um Affären zwischen alten Männern und jungen klugen Frauen.

    Im Fokus steht dann das Ungleichgewicht, dass "Schönheit" bei der Frau nicht im Vordergrund steht, wenn sie einen Mann liebt, während er natürlich durch eine junge Frau an seiner Seite "vergisst", dass er alt ist.

    Im Prinzip ja auch richtig, denn als Doktorandin ist es durchaus so, dass es eine Art Verehrung geben kann, dass man heraufschaut und den Prof auf eine bestimmte Art sehr gern hat, doch das Problem kommt dann auf, wenn er Druckmittel anwendet, um die Grenze zu überschreiten.

    Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht, auch freiwillig, doch als bei mir die Grenze überschritten worden ist, war ich in der Opferperspektive und konnte nichts machen, ich war machtlos, voller Angst, unter Druck und habe nie eine faire Chance bekommen.

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  35. Von Anonym am 12. Mai 2011 14:10 unter "Die Stimme des Opfers" eingestellt.

    Die Romane greifen ja Themen an, wo die Justiz keine Antwort mehr weiß.

    Und die Leser entscheiden dort selbst, wie sie die geschilderten Situationen einschätzen, und das ist wiedermal gefärbt von den persönlichen Lebenserfahrungen der Leser.

    Hinzukommt, dass die Täter oft auch selbst Opfer waren und selbst leidende Menschen sind. (Sonst wäre der Roman billig). Bücher wie "Schweigen der Lämmer" oder "Shot in the Heart" sind ja sehr aufschlussreich und bewegend.

    Aus Opferperspetive fand ich die Schilderung der Lehrerin in "Im norwegischen Wald" von Haruki treffend (wobei bei der deutsche Übersetzung die Feinheiten verloren gehen).

    Auch gibt es ein amerikanisches Buch (Titel habe ich vergessen), wo eine junge Frau von einem Bekannten (gut aussehender, erfolgreicher Student auf Elite-College) nach einer Feier im Park vergewaltigt wird, ihr von der Justiz nicht geglaubt wird, sie von ihrer Familie und Freund verlassen wird, und sie viele viele Jahre später Rache ausübt, in dem sie - als sie diesen Mann im Fernsehen als Präsidentkadidat sieht - sich einen Job in seinem Wahlbüro als ehrenamtliche Mitarbeiterin verschafft, und eine Vergewaltigung vortäuscht. Und wegen dieser Fake-Anzeige wird der Mann verurteilt. Ich fand es in dem Roman bezeichnend, dass der Mann nicht verurteilt wurde, als die Frau die Wahrheit sagte, und dass er verurteilt wurde, als die Frau lügte. Und die Frage dort war, ob man das als eine Gerechtigkeit sehen kann, wenn ein Vergewaltiger wegen einer anderen erfundenen Vergewaltigung verurteilt wird.

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  36. @Lucrezia: Meinst Du?

    Also daraus geht nicht hervor, dass ich eine Affäre mit meinem Ex-Prof hatte.

    "Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht, auch freiwillig, doch als bei mir die Grenze überschritten worden ist, war ich in der Opferperspektive und konnte nichts machen, ich war machtlos, voller Angst, unter Druck und habe nie eine faire Chance bekommen."

    Zur Erklärung: ich habe viel Zeit mit ihm verbracht, weil er sich umbringen wollte. Er war ein psychisches Wrack und ich war eine gute Freundin, die ihm zur Seite stand. Das ist etwas anderes als eine Affäre. Und darauf lege ich Wert, denn genau das ist ja der Streitpunkt in der Justiz in meinem Fall.

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  37. Von Bielefelderin am 12. Mai 2011 20:50 unter "Die Stimme des Opfers" eingestellt.

    Heißt der Roman nicht "Lautlose Schreie"?

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  38. Hallo Bielefelderin,

    natürlich hast Du nie gesagt, dass Du eine Affäre mit Deinem ehemaligen Doktorvater/Chef hättest, sondern eine Freundschaft, wo Sex keine Rolle spielte. Ich glaube, es gab eine Verwechselung, weil in Deinem Kommentar vom 12. Mai um 08:51 die Worte "Affäre" und "Grenze" zusammen erschienen. Mit "Affären" meintest Du diese in der Fiktion.

    In Deinem Fall sieht man ganz klar, wie schwarz/weiß die Situation von Opfern betrachtet wird. Eine Freundschaft mit jemandem zu haben bedeutet nicht, dass man Sex mit dieser Person haben möchte. Deswegen ist ein Opfer sexueller Gewalt praktisch nur glaubwürdig, wenn der Täter ein Unbekannter ist, der es überfallen hat. Alle anderen Fälle erwecken sofort Vorurteile.

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  39. Die Staatsanwaltschaft warf mir ja vor, dass ich in sein Büro gegangen war, und dass er das dann seinerseits als Einverständnis zum Sex verstanden hatte. Er hatte mich aber nur zur Besprechung bestellt, es war auch nicht das erste Mal, dass ich in seinem Büro war, und bis dahin hatte es auch nichts in die Sex-Richtung gegeben. Ich konnte also nicht wissen, dass er Sex wollte. Es war ja nicht so, dass îch wußte, dass er Sex wollte und trotzdem hingegangen wäre.

    Wenn ich nach diesem Vorfall nochmal Mal hingegangen wäre, oder wenn vorher schon mal was in die Richtung gewesen wäre und ich trotz Vorahnung hingegangen wäre, dann würde ich die Argumentation der Staatsanwaltschaft verstehen.

    Dann würde ich auch sagen, ich war jung, dumm und naiv, selber schuld. Dann würde ich auch verstehen, dass selbst ein Nein da unglaubwürdig wirkt - wenn Frau Nein sagt aber trotzdem noch hingeht, obwohl man weiß, dass er Sex will und es zu Sex kommt, dann könnte der Mann zu recht sagen, dass wenn "Frauen Nein sagen, meinen sie ja".

    Wenn Freundschaft aufhört, wo Sex anfängt, was waren dann die 2 Jahre mit Sex? Unabhängig von der moralischen Seite, wenn es um das Strafrechtliche geht, dann wäre es für mich auf jeden Fall die Konstellationen glaubwürdiger gewesen, wo man geltend macht: entweder ´1. 2 Jahre Beziehung mit einvernehmlichem Sex (mit Motiv, den Arbeitsplatz zu behalten) aber dass es beim das letzte Mal doch zu weit ging, oder 2. wo das erste Mal ungewollt war, aber die 2 Jahre Beziehung danach einvernehmlich war (mit Motiv, den Arbeitsplatz zu behalten). Die Konstellation, dass alle Male während der 2 Jahre Vergewaltigungen gewesen sollen, aber dass Frau immer wieder hinging, weil sie von einer Freundschaft ausging, da würde man eher eine Therapie empfehlen als ein Strafverfahren.

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  40. Anmerkung: "einvernehmlich" oder "freiwillig" heißt nicht unbedingt "gerne gemacht", sondern kann auch "wider Willen mitgemacht" bedeuten.

    Das ist auch das, was ich schmerzhaft lernen musste, und nicht nur im Zusammenhang mit Vergewaltigung. Wenn ich einen Vertrag schließe obwohl ich ihn nicht wirklich haben will - oder wenn ich mich in irgendwas einwillige, was ich eigentlich gar nicht will - weil die Alternativen noch schlechter sind, mache ich es immer noch freiwillig. Auch wenn man es moralisch u.U. anders sehen kann, oder wenn man sich unter Druck fühlt.

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  41. Ich denke, dass der letzte Kommentar absolut nicht in Ordnung war, denn über andere zu urteilen, ohne die Geschichte im Einzelnen zu kennen, ist wirklich anmaßend.

    Aber in diesem Fall werde ich hier auch keine Beiträge mehr veröffentlichen.

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  42. @GM: Du meinst den Film von Stanley Kubrick über das Buch von Vladimir Nabokov (1955). Die Geschichte gehört zur Fiktion über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Zweimal habe ich versucht, den Roman „Lolita“ zu lesen, konnte ihn aber nicht beenden. Für mich, die als 13-Jährige sexuell missbraucht wurde, ist das Buch einfach unerträglich. Es enthält zu viel Täterperspektive für meinen Geschmack, vor allem finde ich widerlich, dass das Mädchen als kokett und mitschuldig porträtiert wird. Leider kann ich nicht vieles über das Buch kommentieren, da ich es nie vollständig gelesen habe. Den Film von Stanley Kubrick und die Verfilmung mit Jeremy Irons habe ich je nur einmal gesehen.

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