Samstag, 23. April 2011

Zurück zum Tatort

Blick aus dem Fenster des Tatorts

In Krimis hört man oft: Der Täter kehrt immer zum Tatort zurück. Ich dachte nicht, dies könnte wahr sein, bis ich Folgendes erfahren habe: Bald findet eine Tagung über Täter und Opfer statt. Mein ehemaliger Doktorvater wird da einen Vortrag halten. Der Veranstaltungsort befindet sich in demjenigen Gebäude, wo es im Juli 2008 zum Vorfall kam.

Ich habe das zwei Tage vor der Ablehnung meiner Dissertation erfahren und es war ein Schlag ins Gesicht für mich. Mit der Vertuschung der Tat, der Straflosigkeit, der schlechten Behandlung bei den Strafverfolgungsbehörden, der Diskriminierung, weil ich Opfer sexueller Gewalt bin, ist es so, als ob mir die Welt sagen würde, dass mir nicht geglaubt wird, dass dieses Erlebnis nicht wichtig war, meine Gefühle allen egal sind und die Tat nicht so schlimm war.

In einer Tagung deren Thema mit Tätern und Opfern zu tun hat, geht man davon aus, dass die Vortragenden gegenüber Opfern sensibilisiert sind und ihre Forschungsarbeiten dazu beitragen, Kenntnisse und Perspektiven zur Sache zu entwickeln und die Geschichte zu analysieren, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Zumindest verstehe ich es so, wenn ich das ganze Programm der Veranstaltung lese. Dass mein ehemaliger Doktorvater auf der Seite der Opfer steht und – im Tatort! – einen Vortrag hält, ist der Gipfel der Heuchelei und die größte Demütigung, die ich erlitten habe, seitdem die Verfahren gegen ihn angefangen haben.

An dem Tag, als ich das erfahren habe, rief ich meine Erstgutachterin, die auch geschäftsführende Direktorin des Instituts ist, an und habe ihr zum Ausdruck gebracht, wie geschmacklos ich die Teilnahme meines ehemaligen Doktorvaters genau an diesem Ort mit diesem Thema finde, eines Professors gegen den ein Disziplinar- und ein Strafverfahren gelaufen sind, der nicht alle Vorwürfe bestritten hat und von dem ich beweisen kann, dass seine Stellungnahme zahlreiche falsche Angaben enthält.

Mit allen Konsequenzen, die diese Verfahren für mich haben, fühle ich mich wirklich, als ob ich die Beschuldigte wäre. Ich habe nicht das Recht auf eine Betreuung meiner Dissertation und auch nicht auf eine Besprechung mit der Erstgutachterin über die fachlichen Probleme. Ich werde nicht wie eine normale Doktorandin behandelt und mein ehemaliger Doktorvater arbeitet weiter und betreut weitere Studentinnen, als ob nichts passiert sei. Er geht „auf Tournee“ zu Universitäten im Ausland und hält Vorträge über Täter und Opfer – im Tatort!

Ich gebe zu, die Teilnahme meines ehemaligen Doktorvaters an dieser Tagung ist irgendwie berechtigt – nicht nur wegen seines Forschungsthemas, in dem er Erfahrung in Theorie und Praxis hat. Statt seines geplanten Vortrags könnte er ganz genau über das Erlebnis als Täter sprechen, vor allem wie Täterschutz über Opferschutz wiegt und wie die sogennante Unschuldsvermutung des Beschuldigten die Schuldvermutung und die Zerstörung des Lebens für ein Opfer bedeutet.

In diesem Telefonat hat meine Erstgutachterin mir gesagt, mein ehemaliger Doktorvater muss sich auch schlecht fühlen und dieselben Zweifel und Ängste wie ich in Bezug auf sein berufliches Fortkommen und sein Leben haben. Sie ist nicht die Einzige, die andeutet, dass wir beide gleich – oder er sogar mehr – leiden. Eine Kommilitonin hat mir erzählt: „Er ist nicht mehr derselbe Mann. Er hat nicht mehr ein Lächeln im Gesicht wie vorher und macht keine Scherze mehr mit Professoren und Studenten“. Natürlich kann ich nicht wissen, wie es meinem Doktorvater im emotionellen Sinne geht, ob für ihn die Verfahren auch zu einem Damoklesschwert wurden und etwas was sein ganzes Leben verbittert, wie bei mir. Darauf bin ich neugierig und vor Monaten habe ich oft davon fantasiert, dass wir einen Waffenstillstand machen und darüber sprechen könnten. Wenn ich wüsste, dass er etwas Positives aus dieser Erfahrung gelernt hat, dass er bereut hat, was er mir angetan hat und jetzt zu einem besseren Professor wird, der diese zweite Chance des Lebens benutzen wird, um keine Studenten mehr zu missbrauchen und auch nicht zu beleidigen und schlecht zu behandeln, wäre es für mich einfacher, ihm zu verzeihen und über diese schlechte Erfahrung hinwegzukommen. 

Als ich vor zwei Wochen in Hamburg war, habe ich die für die Tagung verantwortliche Person getroffen und ihr gegenüber meine Meinung geäußert. Natürlich wird sich nichts ändern: Die Tagung wird nicht abgesagt, mein ehemaliger Doktorvater wird nicht ausgeladen und der Veranstaltungsort wird nicht gewechselt. Aber wenn man so viel verloren hat wie ich um der Wahrheit willen, lernt man, die Gefühle nicht zu verstecken. Jetzt ist mir egal, ob ich mich lächerlich mache und offenbare, wie schlecht es mir geht, auch gegenüber Leuten, die auf der Seite meines Doktorvaters stehen. Wenn man das Schweigen bricht, kann man sich erlauben, ehrlich zu sein.

Kommentare:

  1. Da machst Du gerade Schweres durch. Meine Gedanken dazu:

    1. Ich kann Dein Bedürfnis, alles zu sagen, sehr gut nachvollziehen. An Deiner Stelle würde ich aber trotzdem etwas drauf achten, die beteiligten Personen besser zu anonymisieren. Sonst kann es teuer werden. Insbesondere würde ich "sexuelle Nötigung" mit einem Begriff ersetzen, was nicht im StGB enthalten ist. (man muss ja nur wissen, worum es geht).

    2. Dass gerade Fachleute Täter werden, ist nicht selten (z.B. Pädagogen, Therapeuten, Jugendhilfemitarbeiter). Um Fachmann zu werden, muss ja das Interesse am Thema vorhanden sein. Womit ich natürlich nicht sagen will, dass alle Fachleute Täter sind!

    3. Deine Gefühle sind nicht allen egal, aber dafür braucht man auch passende Leute. Staatsanwälte sind nicht die richtigen Ansprechspartner für Gefühle (und aus meiner Erfahrungen sind Psychiater auch nicht die richtigen Ansprechspartner). Auch ist die Tat nicht schlimm, sondern erfüllt nur nicht die Kriterien des StGB - da hast Du nicht versagt, sondern das Gesetz (deswegen kämpfe ich, um die Verantwortlichen auf diese Gesetzeslücke aufmerksam zu machen). Gefühle sind nicht vom Recht oder Urteilen abhängig.

    3. Natürlich hat der Prof. auch Angst. Jetzt ist er ja "polizeibekannt". Eine weitere Anzeige - berechtigt oder unberechtigt - könnte sein Leben zerstören. Und außerdem ist es so, dass kein Mensch als Täter geboren wird - ein glücklicher Mensch wird nicht zum Täter. Vielleicht hatte er sein eigenes unglückliches Leben mit Karriere und theoretischer Beschäftigung mit diesem Thema kompensiert. Er muss sich also nun so oder so mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, und das ist schwere Arbeit.

    4. Ein Mensch ist nie nur böse oder nur gut. Problematisch wird es, wenn die beiden Seiten abgespaltet werden. (vgl. Offiziere in der NS-Zeit - sie konnten tagsüber Kinder morden, und abends zu Hause der liebste Familienvater sein). Von daher ist es auch kein Paradox, dass ein Täter über Opferschutz referiert.

    Und natürlich steht dann so ein Mann aus seiner Sicht auf der Opferseite. Das ist kein Widerspruch, denn Du warst ja aus seiner Sicht ja kein Opfer.

    Ich habe solche Gedankengänge schon so oft erlebt: "ich bin natürlich gegen die Täter, aber der/die ist doch kein Täter/in..." Oder im Strafverfahren auch: "natürlich brauchen Opfer Opferschutz, aber wir wissen ja noch nicht, ob diese Frau wirklich ein Opfer ist".

    5. "auf der Seite des Täters stehen".... Nach meiner Erfahrung ist es nicht unbedingt der Wille, den Täter zu schützen, sondern es geht mehr drum, die eigene Haut retten. Sie haben Angst um ihre Stelle, ihren Ruf. Weil man ja an der Hochschule wie eine große Familie ist. Für Dich fühlt es sich so - da diese Leute gegen Dich handeln - als ob sie für den Täter ist. So warmherzig sind sie nicht. (mir fällt gerade was ein, aber das schreibe ich später, wenn ich meine Gedanken sortiert habe).

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  2. Danke für die Empfehlung, die Personen besser zu anonymisieren. Es war nicht meine Absicht, „alles“ zu erzählen oder Spuren zu hinterlassen, die zu meinem Doktorvater bzw. der Tagung und deren Details führen. Dies ist nicht das erste Mal, dass dieser Professor seit Beginn der Verfahren an einer Tagung teilnimmt. Was mich aufregt, ist seine Teilnahme an einer Tagung mit diesem Thema in diesem Ort. Wenn ich diese Angaben nicht erwähne, versteht man nicht, weshalb ich mich so gedemütigt fühle.

    Weder Staatsanwälte noch Polizisten sind die richtigen Ansprechpartner für Gefühle, auch nicht Professoren und Kommilitonen, weil sie wegen der Nähe zum Täter in einer schwierigen Situation sind. Gegenüber Therapeuten bin ich ziemlich skeptisch. Erfahrungsgemäß zeigen sie nur Mitgefühl, sind aber keine wahre praktische Hilfe. Was bleibt übrig? Andere Opfer! Deswegen sind wir hier. Wenn wir Opfer nicht kämpfen, werden andere es für uns machen?

    Ich kann wirklich nicht verstehen, warum mein Doktorvater mir so viel Schlimmes angetan hat. Ich brauche nicht zu wissen, welche unglücklichen Ereignisse ihn zum Delikt geführt haben. Ansonsten würde ich ihn rechtfertigen und ihn von der Verantwortung für seine Taten befreien. Aber ich bin in drei Verfahren verwickelt, ich trage viele Konsequenzen in vielen verschiedenen Lebensbereichen, ich habe mein eigenes Leben zu retten. Diese ganze Katastrophe verdanke ich ihm. Meine Erstgutachterin hat vieles dazu beigetragen, meine Situation zu verschlechtern und mein Leiden zu steigern – nicht wegen der Ablehnung der Dissertation selbst, sondern wegen ihrer Ungleichbehandlung und Diskriminierung.

    Natürlich kann ich sehr gut nachvollziehen, dass ich aus der Sicht des Professors kein Opfer bin. Für die Täter gibt es viele Phasen der Verleugnung. Zuerst sagen sie: „Ich habe nichts gemacht“, dann „ich habe doch etwas gemacht, aber sie hat es ja gewollt“. Später „ich habe es gemacht, sie hat es nicht gewollt, aber es war nicht so schlimm und es hat ihr nicht geschadet“. Diese Kapitulation mit sich selbst und diese Akzeptierung der eigenen Schuld kommt nicht so einfach. Ich glaube nicht, dass mein Doktorvater diese letzte Phase erreicht hat, vor allem wenn sein Leben immer noch gleich läuft und er keine einzige Konsequenz aus seinem Handeln gespürt hat. Ich denke eher, jetzt wurde er ermutigt, sich andere Opfer zu suchen. Wenn die anderen Studentinnen erfahren würden, wie es mir ergangen ist, nachdem ich die Tat meldete und welche geringe Unterstützung ich von der Uni Hamburg erhalten habe, würden sie gar nicht wagen, sich zu offenbaren, falls sie Opfer sind oder von anderen Opfern wissen.

    Mehrere Personen mit denen ich über das Verhalten meiner Erstgutachterin gesprochen habe, haben mir auch gesagt, sie wolle sich selbst schützen und nicht meinem Doktorvater helfen. Aber alles was sie gemacht hat, ist gegen mich gerichtet. Warum würde die Betreuung meiner Dissertation ihrem Ruf schaden? Warum weigert sie sich ständig, mit mir über meine Arbeit zu sprechen? Warum hat sie nicht vorher gesagt, dass sie sie mangelhaft findet, wenn sie seit drei Jahren die Arbeit kennt und bevor sie vom Problem mit meinem Doktorvater wusste, fast die ganze Dissertation gelesen hatte? Die einzige Antwort, die irgenwelchen Sinn macht, ist diese, dass sie meinen Doktorvater in seinen Absichten die ganze Zeit unterstützt hat.

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  3. Ja, aber das ist doch klar, denn die Universität ist die derzeit hierarchischte Institution der Gesellschaft. Selbst Professoren müssen kuschen, schleimen, anderen höher angesiedelten Professoren (z.B. Dekanen etc) in den Hintern kriechen, um an Gelder und Drittmittel-Beteiligungen zu gelangen.

    Das wird sich doch niemand auf die Seite der Frau stellen, da die Frau doch sowieso hätte ganz anders reagieren müssen: Dem Professor sonstwo hintreten, ihn schlagen, sofort mit dem noch lebenden Sperma zu Polizei, wo dann vielleicht festgestellt wird, dass der prozentualle Anteil der noch lebenden Spermien zu gering ist. Jetzt werde ich ironisch.

    Es ist egal, was man als Opfer macht, macht hätte einfach was Anderes machen müssen. Doch was genau, ist auch unklar.

    Kleidung wechseln? Ich habe zum Beispiel aus Angst vor einem Übergriff meine Kleidung gewechselt, weil ich dachte, ein Rock wäre vielleicht unpassend am Abend zur Dienstbesprechung (ich hatte tagsüber einen Rock an) und habe mir legere Kleidung angezogen. Doch das war der Fehler, da war die Kleidung zu legere. Hätte ich den Rock angelassen, wäre bestimmt der Rock falsch.

    Es ist absurd, ich sage ja, wir sollten alle Aussagen sammeln und vielleicht direkt zu allen möglichen Ministerien schicken, irgendjemand sollte doch endlich wach werden.

    Ich frage mich immer: was passiert, wenn die jeweiligen Täter weitere Frauen vergewaltigen? Einen weiteren Fall kann man jeweils noch deckeln, aber wann wir die Grenze erreicht sein? Und was passiert dann, wenn die neuen Opfer darauf aufmerksam werden, dass es sich nicht um einen Ersttäter handelt? Den Bielefelder Fall von mir kann man ja nachlesen!

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  4. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Vergewaltigung einer Studentin oder Doktorandin in der Gesellschaft absurd erscheint, weil zu wenige der Fälle öffentlich werden.

    Das trägt zur Tabuisierung bei, denn über das, über was nicht gesprochen wird, das existiert gar nicht, Konsequenz: Professoren vergewaltigen nicht.
    Dabei sind das zum Teil sehr merkwürdige Persönlichkeiten: ich könnte eine Handvoll aufzählen, die sicherlich nicht "normal" sind und Eigenarten aufweisen, die ich für bedenklich einschätze.

    Vergewaltigen tuen doch eh nur angetrunkene in der Gesellschaft nicht angesehene Männer nachts im Park.

    Und dann sind sie nicht zurechnungsfähig.
    Ein Professor vergewaltigt doch nicht, weil er doch aufgrund seiner intelligenten Diffrenziertheit weiß, dass man das nicht macht.

    Und wenn er dann doch erwischt wird, zahlt er vielleicht eine Geldstrafe, weil "die unangemessene Vermischung von Dienstlichem und Privaten" nicht so toll ist und man macht ein wenig "Du, du, du, lass das in Zukunft". Damit hat man zumindest gezeigt, dass das nicht gut ist, was er macht!

    Es ist doch überall dasselbe oder glaubt noch jemand an die Verurteilung von Kachelmann oder Berlusconi?

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  5. Meine Sache habe ich schon an Ministerien geschickt. Zur Zeit sind sie ja relativ zugänglich, weil es den Runden Tisch Kindesmissbrauch gibt. Aber sie sagen auch, dass sie in einzelnen Fällen nicht eingreifen können und wollen und keine individuelle Rechtsberatungen machen dürfen.

    Es muss also alles anonym laufen. (Also nicht als einige Erfahrung hinschreiben, sondern als "Beispielfall"). Die Leute in Ministerien müssen sich ja auch schützen. Und man muss ziemlich viel Geduld haben, und einiges einstecken können.

    Aber gerade bei Lucrezias Fall fände ich das Bundesbildungsministerium schon passend, gerade weil die Hamburger Uni dran beteiligt ist, Präventionskonzepte gegen Kindesmissbrauch zu entwickeln (MIKADO-Projekt bei der forensischen Psychiatrie). Deshalb: näheres bitte per Mail.

    Wenn das Strafverfahren vorbei ist, dann könnten wir uns ja vielleicht zu einer Initiative zusammen schließen.... Momentan ist es für politische Arbeit taktisch wohl noch zu früh.

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  6. Ich trenne zwischen Verstehen und Entschuldigen/Verzeihen. Mir hat es geholfen, zu verstehen, warum er so geworden ist, wie er ist. Und mittlerweile denke ich, dass gerade Professoren zu Täterschaft neigen können, weil sie von klein an auf Konkurrenzkampf und Karriere getrimmt wurden, und sie vieles Menschliches nicht gelernt haben. Sie beurteilen Mitmenschen nur danach, ob sie brauchbar sind oder zu ihrem Vorteil nutzen lassen (das ist bei Managern auch die Gefahr).

    Ich denke, dass ich dadurch das Geschehene nicht mehr so persönlich nehmen. Und kann mich auch leichter verzeihen, dass ich so naiv war.

    Bei Kachelmann war ich eher erstaunt, dass die Staatsanwaltschaft zuerst so eifrig gearbeitet hat, obwohl es schon damals klar war, dass die Frau in einigen Punkten gelogen hatte. Bei jeder anderen Frau wäre das Verfahren schon da zu Ende gewesen. Ich hatte mich da gefragt, ob es damit zusammenhängt, dass das Opfer deutsch war und der Beschuldigte Schweizer.... (Ich wurde damals gefragt, ob mein Täter Ausländer war, und man war sehr enttäuscht, als ich sagte, dass er Deutscher ist und Professor).

    Ich verstehe schon, dass es Dir nicht drum ging, alles preis zu geben. Ich wollte Dich nur warnen, weil eine Unterlassungsklage (auch seitens der Hochschule) teuer sein kann, und das braucht man nicht unbedingt. (Verleumdungsanzeige hingegen wird meistens eingestellt, davor braucht man nicht zuviel Angst haben). Also, das mit dem Gästezimmer und Foto, und Geschäftsführerin des Instituts finde ich etwas bedenklich (das Foto kann ich ja erkennen!).

    Dass Dein Fall für 177 nicht reichte, kann ich nach meiner Erfahrung einsehen. Dass das Verhalten der Gutachterinnen in einem Strafverfahren gegen den Prof. nichts zu tun hat, das sehe ich auch ein (man kann ja nicht nachweisen, dass diese explizit dazu von ihrem Vorgesezten dienstlich angewiesen wurden). Das mit der Nötigung ist strafrechtlich auch ein weites Feld, wo man als Laie oft nur den Kopf schüttlt, aber das finde ich schon ziemlich verletztend, dass auch hier nichts gesehen wurde (wobei, wenn es dann zu einer Hauptverhandlung kommt, dann wird es hier auch mit Beweisen schwierig, von daher wäre es wohl so oder so fallen gelassen worden).

    Aber alles auf einmal...... das ist hart.

    Ich hatte auch den Eindruck, dass die Justiz sich nicht sonderlich viel Mühe gibt. Auch wenn ich verstehe, dass sie überlastet sind und nach Fließbandprinzip arbeiten müssen, geht es ja beim Opfer um sehr viel. Ich hätte mit einer Einstellung auch viel besser leben können, wenn ich wenigstens das Gefühl gehabt hätte, dass sie gearbeitet hatten. Ich verstehe, dass Strafrecht von der Natur der Sache her täterorientiert ist, und dass es im Strafverfahren um Tätersicht geht. Aber ich dachte auch, dass die Aufgabe einer Staatsanwaltschaft oder des Gerichtes drin bestand, zumindest neutral zu ermitteln.

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  7. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Vergewaltigung einer Studentin oder Doktorandin in der Gesellschaft absurd erscheint, weil zu wenige der Fälle öffentlich werden."

    Dazu habe ich eine anderen These, und zwar denke ich, dass es hier nicht unbedingt die Gesellschaft ist, die das Ganze tabuisiert, sondern dass die Staatsanwälte und Richter allesamt auch an Unis studiert haben. Und zum Teil auch promoviert haben. Irgendwie kennen sie diese Hirarchien selber, weil sie - um ihrerseits Karriere zu machen - auch mitschwimmen müssen.

    Bei meinem Fall hatte ich schon den Eindruck, dass die einzelnen Staatsanwälte nicht einfach so nach ihrem Gewissen urteilen konnten, sondern dass sie auch Kriterien von oben hatten, was sie erfüllen mussten.

    Und von Menschen ohne Hochschulstudium werden die Professoren ohnehin als Elfenbeimturm-Verrückte gesehen, mit denen man als Otto-Normal-Bürger eh nichts zu tun hat.

    Ich kenne es aus Erfahrung auch eher so, dass eher gute Studentinnen Opfer an Hochschulen werden, weil sie sich von ihren Profs abhängig fühlen. Die jenigen Studentinnen, welche eher studieren, einfach um Abschlüsse für normale Jobs zu bekommen und sonst paar nette Jahre zu genießen, gehen viel frecher und selbstbewußter mit Profs um, und sie werden dann auch nicht von den Profs als potenzielle Opfer "ausgewählt".

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  8. ...ja, da kann ich nur zustimmen:

    a) auch in meinem Fall in Bielefeld hatte ich das Gefühl, dass die StA mir geglaubt hat, die Vernehmung dort war auch sehr menschlich und danach wurde sogar ermittelt.

    b) mir wurde zum Verhängnis, dass ich ein Studium mit 1,0 habe, da hätte ich einfach gehen sollen.
    Aber ich will ja nicht weg, weil hier meine Familie und meine Freunde sind.

    Ich wollte einfach nur arbeiten, eine Diss und ich wäre auch bereit gewesen, mehr zu arbeiten als notwendig, ich war ja immer den Prof da, auch wenn er von mir wollte, dass ich ihm Folien für SEINE Vorlesung mache. Wir waren ja auch befreundet, zunächst, und ich habe menschlich versucht, ihn zu unterstützen, weil er in einer Lebenskrise steckte. Das war alles freiwillig, doch später, als er wieder sexuelle Verlangen hatte (hatte er zunächst nicht, da er Medikamente einnahm, die das verhinderten), wollte er Sex von mir. Ich aber nicht.

    Ich finde, es ist besonders schlimm, wenn man von einem Menschen vergewaltigt wird, den man ja eigentlich mag. Das ist auch ein Vertrauensbruch, der mich schwer getroffen hat.

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  9. ...naja, mein Fall liegt ja auch im Ministerium.
    Aber eigentlich muss man da noch differenzieren, denn es geht dabei nicht um den Einzelfall von mir, sondern um die kollektiven Verstöße des guten Mannes aufgrund seines sexistischen Verhaltens.

    Ich finde es gut vom FemRef, dass sie da nun mithilfe von Postern darauf hinweisen, dass solche Ausrufe wie "Ich bin C4, ich kann schwängern, wen ich will", Sexismus sind, wogegen man sich wehren soll.

    Das zeigt ja, wie die charakterlichen Züge sind.

    Aber ich muss schon sagen, dass ich sehr froh bin, dass im Urteil des Disziplinargerichtes auch einiges steht, was ich gut finde (,auch wenn sie ihn nicht für Nötigung verurteilen):
    Die zulässige Klage ist begründet. Gegen den Beklagten war wegen Dienstvergehens eine Geldbuße auszusprechen.


    Die Würdigung der zugrunde zu legenden Feststellungen ergibt, dass sich der Beklagte eines Dienstvergehens schuldig gemacht hat. Nach § 83 Abs. 1 Satz 1 LBG NRW a. F. bzw. § 47 Abs. 1 Satz 1 Beamtenstatusgesetz begeht ein Beamter ein Dienstvergehen, wenn er die ihm obliegenden Pflichten schuldhaft verletzt.
    Durch das Eingehen einer Beziehung mit Frau T. über einen Zeitraum von nahezu zwei Jahren, obwohl diese ihm dienstlich untergeordnet und er zudem ihr Doktorvater war, hat er gegen seine innerdienstlichen Pflichten verstoßen und ist nicht dem Vertrauen gerecht geworden, die sein Beruf erfordert.

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  10. Der Beklagte hat offenbar zumindest bei Teilen der Studentenschaft den Ruf, ein Verhältnis zu ihm gefallenden Studentinnen zu suchen bzw. diese zu bevorteilen, so dass sich die Gleichstellungskommission genötigt sah, dies im Rektorat zu thematisieren.

    Eine solche, zudem auch öffentlich gelebte Beziehung führt daher zwangsläufig zu einem massiven Ansehens- und Vertrauensverlust des Beklagten.

    Je höher die dienstliche Stellung des Beamten und je gewichtiger sein dienstliches Aufgabengebiet ist, um so mehr wird er als Repräsentant seines Dienstherrn und als eine die Amtsführung einer Verwaltung prägenden Person betrachtet und um so größer ist auch das Ausmaß einer Ansehensschädigung durch ein Fehlverhalten, das Rückschlüsse auf die dienstliche Tätigkeit erlaubt. Als Dekan leitete der Beklagte den Fachbereich und vertrat ihn innerhalb der Hochschule, so dass seinem Fehlverhalten auch deswegen besonderes Gewicht zuzumessen ist.
    Zudem hat der Beklagte noch in der mündlichen Verhandlung nicht ansatzweise Problem- oder gar Unrechtsbewusstsein gezeigt, er sah sich vielmehr ausschließlich als Opfer einer Intrige von Frau T.

    Das ist doch total typisch, er zeigt noch immer kein Unrechtsbewusstsein, während ich überall gesagt habe: ich habe eine Mitschuld, ich hätte mich früher offenbaren müssen etc.

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  11. ...und wisst ihr was: ich glaub noch an Gerechtigkeit, nicht nur auf disziplinarrechtlicher Ebene, sondern auch strafrechtlich.

    Ich konzentriere mich voll und ganz auf die Verfassungsbeschwerde, denn dann liegt der Fall vor dem höchsten Gericht.

    Und da sie unbefangen sind, werden sie bewerten müssen, was logisch ist:
    a) eine Doktorandin, die sagt, sie habe Vertrauen zu ihrem Prof aufgebaut, ihn sehr gemocht, doch er hat ihre Grenze nicht respektiert und ist übergriffig geworden oder
    b) ein Prof, der sagt, er wurde zwei Jahre lang verfolgt, konnte sich nicht erwehren, hatte keinen Interesse an der Doktorandin, doch es kam trotzdem "zum erotischen Kontakt". Es war eine Affäre, er habe sich gar nicht als Doktorvater gefühlt (glaub ich ihm sogar, das stimmt ja mit meiner Aussage überein), aber ohne richtigen Sex. Es gab nur andere Praktiken und auf Nachfrage, wohin das Sperma denn gekommen sei, antwortet er "auf mich". Außerdem sollte man angemerkt werden, dass ich ihm auch noch Oralsex angeboten hatte, also so richtig, so ganz bis zum Schluss, er das aber als seine Grenze sah und dankend ablehnte.

    Welcher Mann auf dieser Welt hat denn eine Affäre mit einer Frau, aber keinen Sex, Oralsex sei dann die Grenze beim Mann? Ich kenne keinen, der das ablehnen würde, ihr?

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  12. "Sie beurteilen Mitmenschen nur danach, ob sie brauchbar sind oder zu ihrem Vorteil nutzen lassen (das ist bei Managern auch die Gefahr)."

    Ja, absolut, ich (Bielefeld) habe, nachdem das Buch in den Medien war, "Der Soziopath von nebenan" gelesen und ich habe dann gedacht: Ja, ja, ja!!!!

    Ich zitiere mal daraus:

    "Soziopathie ist somit die einzige Störung, die den Betroffenen nicht stört, sie verursacht keine subjektiven Beschwerden. Soziopathen sind oft ganz zufrieden mit sich und ihrem Leben, und vielleicht gibt es gerade deswegen keine wirksame Therapie. In der Regel begeben sich Soziopathen nur dann in eine Therapie, wenn das von einem Gericht angeordnet wurde oder wenn anderweitige Vorteile durch cen Status als Patien erlangt werden können."

    "X erwähnte manchmal die unheimlichen Augen".

    "Nach der Sekretärin gab es weitere Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe, aber Y war so wertvoll für das Unternehmen, dass Z jedes Mal, wenn ein Problem entstand, einfach einen weiteren Scheck ausstellte, um es aus der Welt zu schaffen."

    "Er hat keinerlei emotionale Bindungen zu anderen Menschen - überhaupt keine. Er ist kalt wie Eis."

    "Er benutzt Sexualität dazu, um zu manipulieren und versteckt seine Gefühle hinter diversen respektablen Rollen - Ehemann, Vater, Chef, die ihm fast undurchschaubare Tarnungen bieten."

    "Menschen ohne Gewissen liefern endlose Beispiele solcher Behauptungen: Ich wars nicht."

    "Soziopathen wollen ihr Spiel mit Menschen treiben. Unbelebte Herausforderungen interessieren sie kaum."

    "...wird eines Tages zu Grabe getragen werden, ohne verstanden zu haben, dass sein Leben mit Sinn und Herzenswärme hätte erfüllt sein können."

    "er drohte an, dass er alle verklagen würde, sofern sie über ihn reden würden."

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  13. Nachtrag zum Soziopathen:

    "Wenn ein Soziopath jemanden als leichtes Opfer ausmachet, studiert er diese Person. Er versucht herauszufinden, wie diese Person manipuliert und ausgenutzt werden kann und wie er dazu sein auserkorendes Spielobjekt umschmeicheln und betören kann. Außerdem weiß er, wie er ein Gefühl der Vertrautheit oder Intimität herstellen kann."

    "Da das Gerüst eines Lebens ohne Gewissen aus Täuschung und Illusion besteht, werden Soziopathen zu guten Schauspielern."

    "Wir reagieren auf einen akademischen Titel wie Dr. , der eine eindeutige positive Wirkung auf uns hat, und den Inhaber eines solchen Titels sellten wir kaum in Frage."

    "Gewiss wird sie zögern, die Geschichte zu offenbaren, da der Versuch, den Soziopathen bloßzustellen, Zweifel an ihrer eigenen Glaubhaftigkeit oder Verstand weckt."

    "Wenn wir Mitleid empfinden, sind wir, zumindest für den Moment, wehrlos."

    "Gelegentlich zeigen Soziopathen eine kurze, intensive Begegnung - für Hobbys, Projekte, Kontakte zu anderen Menschen - die jedoch unverbindlich und kurzlebig ist."

    "Durch das mathematische Verfahren wurde festgestellt, dass folgende Symptome bzw. ihr Fehlen signifikant sind: hält sich nicht an gesellschaftliche Normen, aggressiv, niemals monogam, fehlendes Reuegefühl."

    "Für solche Gemüter sind andere Menschen nur disponible Spielfiguren."

    "... und Liebe können sie überhaupt nicht fühlen - oder eine beliebige andere positive Bindung zu ihren Mitmenschen. Dieses Defizit, das nur schwer zu verstehen ist, reduziert das Leben auf ein endloses Spiel versuchter Dominanz über andere Menschen."

    "Soziopathen bringen Kummer über ihre Familien und ihre Gemeinden, aber am Ende haben sie einen Hang zur Selbstzerstörung."

    "Wenn man genug Menschen unterdrückt, beraubt, vergewaltigt, werden schließlich einige von ihnen sich zusammentun und Rache üben."

    "Selbst wenn Soziopathen in hochrangigen Jobs angetroffen werden, sind das in der Regel Positionen, in denen sich das tatsächlich vollbrachte Pensum an harter Arbeit leicht verschleiern lässt oder in denen sich andere manipulieren lassen und die Arbeit verrichten."

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  14. ...und wisst ihr was: ich glaub noch an Gerechtigkeit, nicht nur auf disziplinarrechtlicher Ebene, sondern auch strafrechtlich."

    Ich denke da anders, und zwar glaube ich mittlerweile, dass es DIE Gerechtigkeit nicht gibt. Jeder definiert Gerechtigkeit anders.

    Mein Fall liegt ja z.B. etwas länger zurück, da galt noch ein anderes Strafrecht. Was damals erlaubt war, ist heute verboten. Weil man im Laufe der Zeit gemerkt hatte, dass das für Betroffene schlimme Folgen hat. Für mich ist das ja auch ungerecht.

    Auch ist das, was in Deutschland erlaubt ist, in anderen Ländern verboten. Ich will damit sagen, dass diese Gesetze nur Regeln sind, welche von Menschen geschaffen wurden, und nicht der Wahrheit gerecht werden können.

    Ich habe in meinem entfernteren Bekanntenkreis OLG-Richter, Juraprofessoren, Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht. Sie sind grundsätzlich tolle Menschen. Aber sie denken einfach anders über die Funktion der Justiz - je älter sie werden, und je länger ich meinen Schicksal verarbeite, desto weniger verstehen wir uns, moralisch. Für sie bedeutet Professionalität, dass man Moral und Gefühle bei der Beurteilung abschaltet. Und wer das nicht einsieht, der wird eher so gesehen, dass man das Rechtssystem nicht verstanden hätte.

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  15. Und deshalb setze ich persönlich momentan eher auf Aufklärung.

    Deshalb hatte ich auch an Bundesministerien geschrieben und dort auch angerufen - nicht um Hilfe für meinen Fall zu erhalten, das tun sie eh nicht - aber damit sie das generelle Problem erkennen. Und habe da auch oft zu hören bekommen, dass ich wohl nur ein Einzelfall wäre, und das vielleicht meine Anwälte Verfahrensfehler gemacht hätten. (In Vergleich zu der Gesamtbevölkerungszahl sind ja die wenig tausende Vergewaltigungsanzeigen im Jahr tatsächlich "Einzelfälle", aber das sind aus Opfersicht eben Lebensschicksäle.

    http://www.fr-online.de/panorama/es-ist-eine-tortur/-/1472782/5826762/-/index.html)

    Zu Deinem persönlichen Fall kann ich keine eigene Meinung bilden, da ich noch nie in meinem Leben normales Sex hatte. Bis zu der Sache mit dem Prof. hatte ich nie Sex, danach war es mir unmöglich, mit Männern Körperkontakt zu haben (es gab später nochmal eine Vergewaltigung durch Fremdtäter - Strafverfahren eingestellt, weil der Täter flüchten konnte). Und ich habe tatsächlich auf sehr vieles verzichtet, damit ich von ihm wegkomme. Und diese Tatsache würdigt ja auch keiner - ich wäre ja freiwillig gegangen, ich hätte ja bleiben können.

    Ich denke, dass das eh das größte Problem bei Sexualdelikten ist, dass es auf subjektive Sicht des Täters ankommt, und dass die böse Absicht zu 100% nachgewiesen werden soll.

    Aber alle Männer haben mir gesagt, dass sie auch keinen Spaß hätten, wenn sie merken würde, dass die Frau keine Lust hätten.

    Bei mir hat der Täter während des Sex z.B. mir immer wieder gesagt, dass das nicht schlimm wäre, und dass bei ihm nichts passieren würde, und ich keine Angst zu haben bräuchte. Das war Beweise für die Staatsanwaltschaft (und dem Richter), dass er geglaubt haben muss, dass es für mich nicht schlimm war.

    Das nächste Mal gehe ich also in den Spuermarkt, und nehme paar Sachen mit, und sage dabei laut, dass diese Geschenke ja so toll aussehen. Da kann man mir auch keinen Diebstahl nachweisen, oder?

    Ich habe in einem von meinen Briefen an die Unabhängige Beauftragte z.B. auch eine Frage aufgeworfen, wie es denn dazu kommt, dass ein Täter, der nicht verurteilt wird, weil ihm nicht bewiesen werden kann, dass er die Tat bewußt eingangen ist, dann komplett ohne Konsequenz davon kommt. Ein Mensch, der nicht mal merkt, dass der Gegenüber kein Sex will und leidet, ist doch viel gefährlicher als einer, der bewußt missbraucht oder vergewaltigt. Wenn solche Menschen nicht bestraft werden können, müsste die Bevölkerung doch gerade vor solchen "Tätern" geschützt werden?

    Da scheint aber das Problem zu sein, dass in Deutschland keiner gegen seinen Willen behandelt/therapiert werden darf. Und Einsperren ist Freiheitsberaubung und dafür braucht es eine gesetzliche Grundlage. Ein Psychopath reicht für eine psychiatrische Zwangsunterbringung nicht aus (bei einem Opfer kann das aber schnell gehen, wenn irgendein Psychiater Suidizgefahr o.a. sieht!).

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  16. "Ich konzentriere mich voll und ganz auf die Verfassungsbeschwerde, denn dann liegt der Fall vor dem höchsten Gericht."

    Das finde ich mutig. Allerdings, wenn Du Dich auf eine Verfassungsbeschwere konzentrieren willst, ist es überhaupt zwecksmäßig, zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig Politik zu machen und ans Ministerium zu wenden? (Das gleiche Problem wie Lucrezia). Letztendlich ist es ja dann PR für die eigene Sache.

    Bei mir liegt der Schwerpunkt gerade im Rechtsbeistand im Strafverfahren (früher wurden die Kosten vom Staat übernommen, seit paar Jahren nicht mehr, seit dem es ein Hamburger OLG-Urteil gibt, zu Ungunsten des Opfers). Ich warte diesbezüglich auf eine politische Entscheidung, was hoffentlich in den nächsten Wochen gefällt wird. Wenn das Ergebnis nicht befriedigend ist, dann müßte ich auch wieder über juristische Schritte nachdenken. (Ich hatte schon mal bei dem WR wegen Finanzierung einer Musterklage gefragt, weil man da bis zur höchsten Instanz gehen müsste, aber das wollten sie nicht, wahrscheinlich, weil sie dann ihrerseits Macht verloren hätte).

    Lucrezia kann Dir meine Mailadresse geben.

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  17. Die letzte Einstellungsbegründung der Generalstaatsanwaltschaft bei mir hatte auch was Gutes: es wurde geschrieben, dass es verständlich ist, dass der Vorfall mich sehr belastet. Und dass das Verhalten des Prof. sehr unangemessen ist und moralisch nicht in Ordnung. Und dass eine Verurteilung des Mannes für mich wohl auch eine Genugtuung für das erlittene Leid bedeuten würde.

    ABER: eine Anklage kommt dennoch nicht in Frage, weil ein Gericht ihn nicht verurteilen würde.

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  18. ...ja, wie bei mir auch.

    Politik werde ich so oder so machen, aber wann genau ich dies intensiv betreiben werden, weiß ich noch nicht. Denn jetzt muss ich eben erst die Verfassungsbeschwerde einreichen.

    Ja, ich gebe Dir voll Recht, bei mir war das auch so, dass in der ersten Einstellung gesagt wurde, dass er vielleicht nicht erkennen konnte, dass ich es nicht will.
    Aber welche Frau möchte denn, dass auf sie onaniert wird? Das müsste doch schon aus logischer Sicht ziemlich verständlich sein, dass da kein Einverständnis vorliegt.

    Das Problem ist tatsächlich, dass man Spermaspuren oder Kratzspuren haben sollte, um Beweise vorzulegen.

    Ich habe da immer gedacht, dass wenn man ins Gehirn blicken könnte, die dort verankerten Geschehnisse sichtbar machen würde, dass dann wahrscheinlich nahezu alle Täter bestraft werden würden.

    Wir können auch telefonieren, wenn Du möchtest?

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  19. An die anonyme Bielefelderin,

    „Es ist egal, was man als Opfer macht, macht hätte einfach was Anderes machen müssen. Doch was genau, ist auch unklar.“

    Du hast Recht. Ich habe mich oft gefragt, was ich anders hätte machen sollen, um diese Katastrophe zu vermeiden oder zumindest um nicht so geschädigt zu werden. Das Problem ist, dass man nach einem sexuellen Übergriff zu wenig Kontrolle über die weiteren Ereignisse hat. Man ist den anderen ausgeliefert und wir können nur hoffen, dass wir Glück haben und an die richtigen Leute geraten. Ich selbst kann seit langem nicht bestimmen, was passieren wird und das ist Teil meiner Verzweiflung.

    Die Gesellschaft mag die „entfernten“ Opfer, die man unterstützen kann, ohne sich wirklich zu beteiligen, weil diese Unterstützung „risikofrei“ ist. Diese, die man kennt und denen man aktiv helfen kann, ignoriert man lieber und man versucht zu denken: „sie ist ja kein Opfer“, weil dieser Gedanke einfacher für das eigene Gewissen ist. Deswegen haben wir eine Tagung mit dem Thema, wo alle Vortragenden als Opferschützer und Spezialisten erscheinen, aber man ignoriert das Opfer, dem man aktuell helfen könnte.

    Die Version Deines Professors ist absolut unlogisch wie auch die Stellungnahme meines Doktorvaters. Man kann fast ein Muster erkennen: Der Beschuldigte gibt den sexuellen Kontakt zu, behauptet aber, dass er es nicht von sich aus wollte, dass es keinen Einfluss auf unser akademisches oder berufliches Leben haben wird und wir ihn aus verwerflichen Motiven falsch angeschuldigt haben. Hingegen offenbaren wir unsere Gefühle, unsere Widersprüche, Intimität, Sorgen und Fehler. Wir geben dem Rechtssystem – und auch unseren Tätern – ein offenes Buch unserer Leben, das gegen uns benutzt wird, während der Beschuldigte durch mehrere Rechte und Gesetze ganz geschützt wird. Das ist wirklich ungerecht!

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  20. Zum Post von 12:23 Uhr.

    Das ist eine gute Beschreibung eines Soziopathen. Wobei man da sehr betonen muss, dass das nur bei gesellschaftlich gut situierten Tätern in guten Positionen so sagen kann, welche in der Gesellschaft sonst als Authoritätspersonen "akzeptiert" sind.

    Ich habe ähnliche Beschreibungen oft gesehen in Verbindung mit Missbrauchsopfern. Betroffene mit Borderline-Störungen oder Posttraumatischer Belastungsstörung werden von der Gesellschaft auch als "von Norm abweichend, aggressiv, manipulierend" usw. gesehen. Und deshalb auch benachteiligt und diskriminiert. Manche Betroffene sind tatsächlich aggressiv und manipulierend, manche werde sogar auch selbst zu Täter (vom seelischen, körperlichen oder sexuellen Missbrauch). Aber andere werden von der Gesellschaft nur so empfunden, eben weil sie reden und nicht mehr an gesellschatlichen Norm halten (Norm ist schweigen, und etwas schleimen muss man im Berufsleben auch können). Wenn Opfer sich schonungslos ehrlich zeigen, dann werden sie auch wie Soziopathen gesehen.

    Genauso wie Täter.

    Und deshalb will die Gesellschaft zwar die Täter nicht haben, aber sie will die Opfer auch nicht haben. Weil beide Gruppen suspekt sind.

    Und für Opfer ist es unfair, weil sie für diese Situation nichts können - anders als die Täter.

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  21. Es ist natürlich auch klar, dass Papier geduldig ist und zum Beispiel als Gleichstellungsbeauftragte einer Universität muss man sich engagieren und neue Papiere, Richtlinien, entwickeln.
    Doch was ich mich immer gefragt habe: als ich in der Uni vernommen worden bin, warum die GB nicht mit dabei war.

    Nicht dass der zuständige Dezernent mir gegenüber nicht fair gewesen wäre, nein, das war er schon, und ich habe auch überhaupt kein Problem mit Männern, denn viele haben mich immer gefragt, warum nimmst du dir nicht eine Anwältin? Ich konnte sowohl während der esten Ermittlungen gut erzählen wie auch heute noch fühle ich gut bei einem Mann als Anwalt aufgehoben, doch ich finde, das Verhalten der GB zeigt, dass sie eigentlich nur für die abstrakten Fälle zuständig ist und für die Hochschulpolitik auf Bundesebene.

    Was ich für äußerst kritisch halte, ist, dass gerade eine Uni, die sich so mit hohen Standards und Richtlinien schmückt, alles, wirklich ALLES dafür tun sollte, Frauen zu schützen und NUN Prävention betreiben. Und Prävention bedeutet vor allem, dass verurteile "Disziplinartäter" keine Pflichtveranstaltungen geben sollten, denn ich verurteile die Frauen nicht, die gerne in seine Seminare gehen möchten (warum auch immer), aber ich würde mir wünschen, dass JEDE Frau selbst entscheiden kann, ob sie bei DIESEM Prof ins Seminar geht oder eben nicht, weil sie sich unwohl fühlt.

    Ich mache mir total Sorgen um die Frauen, die unwissend an ihn geraten, vielleicht aus dem Ausland kommen, denn sie sind unbefangen und werden vielleicht denselben Fehler machen wie ich: Vertrauen zu ihm aufbauen, glauben, dass es stimmt, wenn er sagt, dass er sie wissenschaftlich fördern möchte. Und dann - DANN - wird er sie an eine Grenze bringen, wo sie vielleicht NEIN sagen werden und DANN kann ich mir ausmalen, was DANN passiert....

    Und was ist DANN?

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  22. An die anonyme Leserin,

    meine größte Überraschung und Enttäuschung im Umgang mit den Strafverfolgungsbehörden ist diese Täterorientierung. Auf keinen Fall gibt es Neutralität und dies habe ich vor allem in den Zeugenvernehmungen gesehen.

    Wenn wir aufhören, an die Gerechtigkeit zu glauben, dann haben alle Täter freies Feld. Langfristig hat dies viel schlimmere Konsequenzen und der Teufelskreis wird aufrechterhalten. Im Rahmen der Hochschulen hätte dann eine betroffene Studentin nur diese Optionen: 1) Mittäterin zu werden und sich dem Professor zu verkaufen, 2) das Studium abzubrechen und die Konsequenzen zu tragen – bspw. Rückzahlung von Stipendien, schlechter akademischer Ruf, Aufgabe der gewünschten Berufsrichtung, oder 3) echte Täterin zu werden und die Justiz in die eigene Hand zu nehmen. Ist es nicht besser zu kämpfen, damit man durch das Rechtssystem Gerechtigkeit erleben kann?

    Warum denkst du, dass wir uns erst nach dem Strafverfahren zu einer politischen Initiative zusammenschließen sollten und nicht jetzt? Ehrlich gesagt bereure ich es, vor einem Jahr so schüchtern gewesen zu sein, mich versteckt zu haben und auf ein Wunder seitens der Hochschule oder Staatsanwaltschaft zu hoffen. Da wäre der richtige Moment gewesen, mehr zu unternehmen, bswp. die anderen Doktorandinnen und Studentinnen des Professors zu konfrontieren und genau zu ermitteln, ob es andere Betroffene gibt. Nach der Einstellung des Strafverfahrens sieht es so aus, als ob alles keinen Sinn hätte.

    Eine Professorin hat mir gesagt: „Wenn das Rechtssystem nichts gefunden hat, warum sollten wir ihn verurteilen?“ Es gibt den verbreiteten Glauben, dass Disziplinar- und Strafverfahren gleich sind. Wenn das Strafverfahren eingestellt wird, gibt es keinen Grund, disziplinarrechtlich weiter zu ermitteln und eventuell anzuklagen. Im Fall von Bielefeld finde ich sehr positiv, dass man diesen Unterschied merken konnte.

    Wenn jede von uns sich allein an ein Ministerium wendet, werden wir doch wie Einzelfälle behandelt. Aber ich finde viele Ähnlichkeiten zwischen unseren Fällen, weil es um ein allgemeines Problem des Machtmissbrauchs an Hochschulen geht. Deswegen bin ich der Meinung, dass wir uns als Gruppe an die Institutionen wenden sollten und dass wir unseren Unis zeigen, dass ihr Umgang mit sexueller Gewalt falsch ist.

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  23. Jetzt kommen wir zum Hauptproblem der Gleichstellungsbeauftragten:

    Wenn sie wissen, dass Studentinnen sich über sexuelle Belästigung oder Gewalt durch Hochschullehrer beschweren, wenn es so schwere Vorwürfe gegen Professoren gibt, wenn einer schon verurteilt wurde, warum machen sie nicht etwas für den Schutz der Betroffenen und die Prävention zukünftiger Taten? Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass eine weitere Ausländerin wie ich die tolle Webseite meines Doktorvaters sehen kann, ihn nach einer Betreuung fragen, sich um ein Stipendium bewerben und umziehen wird, um mit einem Täter zu arbeiten, ohne eine Ahnung der Gefahr zu haben. Im Institut haben sich viele Studentinnen über meinen Doktorvater wegen schlechter Betreuung beschwert. Ich war nicht die Einzige, die sich einen Betreuerwechsel wünschte und meine Erstgutachterin kennt dies sehr gut. Sind wir sicher, dass alle Probleme rein akademisch sind?

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  24. Ich meine mit meiner Anmerkung, dass ich nicht mehr an Gerechtigkeit glaube, nicht, dass Täter freie Hand haben sollen.

    Ich sehe den Kampf eher so, dass man das Rechtssystem ändern muss, und dass die Gesellschaft die Grenzen des Rechtssystems erkennt und auch nach alternativen menschlichen außergerichtlichen Lösungen.

    Letzendlich ist z.B. Dein größtes Problem momentan ja, dass die anderen Professorinnen an der Uni mit Dir nichts zu haben wollen. Das ist nicht wirklich ein juristisches Problem, sondern eher ein gesellschaftliches Problem. Dafür dass die Professorinnen feige sind, kann ja die Staatsanwaltschaft nichts.

    Das mit dem Zeipunkt der politischen Intitiativen, meine ich so, dass wenn Du jetzt noch im Strafverfahren steckst, dann solltest Du ja noch an Gesetze halten und dran glauben.

    Du kannst nicht gleichzeitig für eine Gesetzsänderung politisch kämpfen UND gleichzeitig juristisch argumentieren, dass Dein Fall auch unter derzeitiger Rechtslage strafbar wäre. Verstehst Du was ich meine?

    Das eine ist, zu akzeptieren, dass das derzeitge Rechtssystem keine andere Ergebnisse mehr her gibt - und deshalb kämpfen. Und das andere ist nicht zu azkeptieren, dass das Gesetz nichts anderes hergeben kann, und deshalb kämpfen.

    Wenn man beides gleichzeitig macht, ist es nur ein Aktivist, der nur kämpft, weil man frustriert ist - das bringt nichts.

    Nach meiner Erfahrung und nach Erfahrung meiner Anwälte kommt die letzte Einstellung auch ziemlich zügig. Und da ich nächste Woche viel zu tun habe, und ich jetzt erstmal auch noch auf eine politische Antwort wegen meines Anliegens warte, was auch in den nächsten Wochen kommen soll, kann das mit Ministerien wohl noch paar Wochen warten.

    Und ich weiß nicht, wie Deine Situation ist - aber ich möchste schon zugucken, dass ich keine Selbstmordaktion mache. Es nützt mir nichts, wenn ich meine seit dieser Tat mühsam wieder aufgebaute Existenzgrundlage hier erneut verliere und auswandern muss. Und es ntütz mir auch nichts, wenn ich Dinge mache, was mich so retraumatisiert, dass ich wieder schwer krank werde. Und ich habe auch Verantortung gegenüber so manchen Menschen, die mir vertrauen und bei denen meine Aktionen auch Einflüsse haben werden.

    Wegen Unterschied wegen Disziplinarverfahren und Strafverfahren habe ich ja schon woanders geschrieben. Solange es Richtlinien gibt, dass auch einvernehmliches Sex zwischen Abhängigen nicht erlaubt ist, kann man auch wegen "schönes Sex" disziplinarrechtlich vorgehen, auch wenn das strafrechtlich nicht strafbar ist. In Hamburg ist "schönes Sex" an Hochschulen wohl erlaubt. Ich weiß, dass es an einer Hochschule in Schleswig-Helstein vor paar Jahren geändert wurde. Und in Deutschland gibt es Föderalismus, d.h. diese Sache ist Ländersache.

    Was ist schon Gerechtigkeit? Jeder versteht was anderes damit. Und selsbt ein Begriff wie Vergewaltigung ist z.B. im Strafrecht und Sozialrecht underschiedlich definiert.

    Ich sehe den Kampf also nicht so an, dass man durch paar Aktionen über paar Monate Gerechtigkeit schaffen kann. Sondern so ein Kampf hat es schon seit 40 Jahren gegeben, und das wird auch die nächsten 40 Jahre so sein. Und man kommt so langsam an Gerechtigkeit heran. Und wir sind Teil dieses Prozesses. Und das kann auch sehr frustrierend sein, wenn man monatelang auf irgendeine Rückmeldung wartet.

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  25. Das Problem der Gleichstellungsbeauftragten, ist, dass das Thema Gewalt offiziell nicht zu ihrer Aufgabe gehört. Sie ist vielmehr für die Einhaltung von Frauenquoten und Gehaltsfragen da.

    Auch an der Hamburger Uni gibt es ja die Gleichstellungsbüro und die Kontaktstelle bei Gewalt. Das sind zwei Sachen, nur von einer Person ausgeführt.

    Die Gleichstellungsbeauftragte hat also auch nicht unbedingt ein Wissen über das Thema Gewalt. Letzendlich kann sie die Sache nur an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, weil sie nicht befugt ist, selbständig zu entscheiden, ob das Gewaltat war.

    Weil es so eine graviserende Tat ist, ist die Gleichstellungsbeauftrage machtlos. (Bei kleineren Dingen wie sexistische Bemerkungen kann man das eher mit einem "Konfliktgespräch" lösen).

    Wie man weitere Taten präventieren kann, darüber gibt es keine Erkenntnisse. Darum gibt es gerade der Runde Tisch Kindessmissbrauch.

    Vor allem kann es ja auch nicht sein, dass da nur einer zu kommen braucht und sagen, dass er vergewaltigt wurde oder Kinderporno besitzt oder so, und schon ist der Prof. weg (bei Missbrauch wäre das der Lehrer usw.). Dann würde es ja, gerade wo es viel schmutzige Konkurrenzkämpfe gibt, auch oft zu solchen Vorwürfen kommen (sowas gab es gerade bei der HSH Nordbank).

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  26. Was bei Dir funktionieren könnte, wäre also die Uni wegen des Verhaltens der Kontaktstelle auf Schadensersatz zu verklagen, wenn Du beweisen kannst, dass die Strafanzeige gegen Deinen Willen gemacht wurde.

    Da müßtest Du dann aber argumentieren, dass die Situation durch den Verstoß gegen die Richtlinien (Verletzung der Vertragspflichten) eskaliert ist, und dass Du sonst die Promotion nach Konfliktklärung fertig gemacht hättest.

    Aber ob Du das moralisch willst?

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  27. ...das stimmt auch, aber für Fragen der Gleichberechtigung wäre sie verantwortlich und in meinem Fall hat sie mir nicht geholfen.
    Ich habe immer alle Diskriminierungen gemeldet, doch dann gleich bei der Hochschulleitung, weil sie nicht für mich da war.

    In der Regel hat man einfach gesagt, ich sei zu überempfindlich.
    Auch da bleibt mir anscheinend keine andere Möglichkeit, als juristisch vorzugehen.


    Und das ist vielleicht auch das Problem an solchen Verfahren, dass man an verschiedenen Schauplätzen kämpfen muss: gegen den Täter, gegen Vorurteile, die Justiz, Mobbing. Man kommt ins Rotieren und verschwendet einfach sehr viel Energie.
    Wenn man da keine Unterstützung hat, ist das wahrscheinlich emotional unmöglich.

    Ich bin aber auch der Meinung, dass man das als kollektive "Beschwerde" an zuständige Stellen schickt, denn sonst wird jeder Einzelfall als Einzelfall gewertet, das hat in der Kirche lange funktioniert.

    Jetzt weiß ich gar nicht, bei wem jetzt schnell eine Einstellung erfolgt?
    Also bei mir hat das genau 2,5 Monate gedauert.

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  28. An wen richtet sich der letzte Post: Hamburg oder Bielefeld?

    Also in Bielefeld hätte man da keine Möglichkeiten, denn die Uni hat ja entschieden, dass der Verdacht nicht ausgeräumt werden konnte, sodass sie eigentlich ja verpflichtet waren, ihn anzuzeigen.

    Ich glaube, das muss man auch, denn bevor das Ganze an die StA weitergeleitet wurde, war ich mal bei der Polizei, weil jemand in mein Auto eingebrochen war und mein Parfüm geklaut hatte, da lief das Verfahren schon in der Uni.

    Und damals war ich in Tränen aufgelöst und als mich die Polizei fragte, ob ich einen Täterverdacht hätte, bin ich fast zusammengebrochen. Und da habe ich gefragt, was passiert, wenn ich der Polizei was erzähle, ob ich dann selbst entscheiden kann, ob Anzeige erstattet wird. Und da sagten sie: Jein. Bei Mord und Vergewaltigung müssten sie ermitteln. Da habe ich gesagt, ich habe keine Ahnung, wer es gewesen sein.

    Wenn ich zum Rektor gehe und sage A hat B ermordert oder vergewaltigt, müssen sie das doch der StA melden....sagt mir zumindest mein Rechtsgefühl.

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  29. Gleichberechtigung hat aber mit Gewalt nicht viel zu tun. Die Frauenbeauftragte hat zu meiner Zeit an der Hochschule dafür gesorgt, dass ein Jahr lang nicht ordentlich gelehrt wurde - weil sie drauf bestand, dass mindestens eine Bewerberin fürs Berunfungsverfahren für eine hohe Professorstelle eingeladen wird (und das war eine Stelle, wo es weit und breit keine geeignete Bewerberin gibt, da männerdominiert, da konnte man sehr lange warten, bis sich eine bewirbt). An einer anderen Uni bekam ein Freund von mir eine Absage bei der Bewerbung um eine Juniorprofstelle, weil er ein Mann ist, und die Gleichstellungsbeauftragte gegen seine Berufung protestierte, obwohl alle ihn haben wollten, weil er der Beste war.

    Von daher bin ich ohnehin nicht wirklich überzeugt von der Arbeit einer Gleichstellungsbeauftragten.

    Was meinst Du konkret mit einer kollektiven Beschwerde? Gegen die juristische Bewertung solcher Fälle? Gegen Umgang der Hochschulen mit den Tätern? Gegen Umgang der Hochschulen mit Opfern? Gegen Umgang der Gesellschaft mit Opfern? Das sind wiederum verschiedene "Stellen", die zuständig sind.

    Ich bin schon der Meinung, dass man eine kollektive Beschwerde macht. Aber dann muss es eine generelle Beschwerde sein - losgelöst von den Einzelfällen. Und da muss man einen gemeinsamen Nenner finden, und eine gemeinsame Beschwerdestelle.

    Mit Einstellung meinte ich die Beschwerde von Lucrezia. Wir haben ja dieselbe Staatsanwaltschaft, und mein Verfahren ist vor einem halben Jahr zu Ende gegangen.

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  30. Zum Post von 19:32

    Die Polizei muss bei Offizialdelikt ermitteln (wobei sie hier Opfer nicht zu einer Aussage zwingt). Ich konnte damals eine Gewaltat im Krankenhaus nicht anzeigen, weil die Polizei dann meine Krankenakte beschlagnahmt hätte, und dann hätten sie auch meine Vorgeschichte gefunden und wegen der Vergewaltigung ermittelt....

    Bei anderen Personen ist es so eine Sache: eine Anzeigepflicht gibt es nicht, es sei denn man erwischt jemand direkt dabei, eine Tat zu verüben (sonst unterlassene Hilfestellung). Oder wenn jemand eine zukünftige Tat ankündigt.

    Bei Fürsorgepflicht (z.B. Schulleitung an öffentlichen Schulen bei Übergriffe durch Lehrer an minderjährige Schüler) ist die Frage nicht eindeutig geklärt. So weit ich es weiß, ist es aber bei erwachsenen Opfern ohnehin nicht der Fall.

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  31. Zu dem Thema, dass die Professorinnen sagten, dass sie sich nur sich selbst schützen wollen, und nicht für den Täter sind: in einer Organisation ist es tatsächlich heikel, selbst wenn man relativ viel Macht hat.

    Das hatte mich seinerzeit auch ziemlich betroffen gemacht:

    http://missbrauch-in-ahrensburg.de/images/pm/pm_2010-11-19_verabschiedung_bischoefin_jepsen.pdf

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  32. Es gibt einen Unterschied zwischen sich selbst zu schützen und einer Person zu schaden. Meine Erstgutachterin lässt mich in einer Sackgasse, wo ich verliere, egal was ich tue. Sie lehnte meine Dissertation ab, sie weigerte sich, über das fachliche Problem zu sprechen – weil das Hauptproblem eben nicht fachlich ist –, sie sagte, sie möchte mit mir in Zukunft nicht mehr zu tun haben und in meinem Lebenslauf nicht erwähnt werden. Unter diesen Bedingungen ist das Scheitern der Dissertation unvermeidbar. Auch wenn sie eine von mir überarbeitete Dissertation annehmen würde, dann wäre es kein Gewinn für mich. Wenn meine Erstgutachterin mir kein Empfehlungsschreiben geben möchte, hätte ich immer eine schlechte Referenz.

    Paradoxerweise hat sie sich mit diesem Verhalten mehr Probleme und Aufwand aufgeladen, als wenn sie mir von Anfang an gesagt hätte, was sie nach der Abgabe der Dissertation zeigte: dass ich mit ihr im wissenschaftlichen Sinn nie wieder rechnen könne und dass sie meine Arbeit schlecht finde. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich keinesfalls meine Dissertation unter diesen Umständen eingereicht. Wenn ich es aus der Sicht der Professorinnen betrachte, haben sie mit diesen Gutachten nur Zeit verloren. Sie können in ihren Lebensläufen nicht angeben, dass sie Gutachterinnen dieser Arbeit waren, da sie abgelehnt wurde.

    Bedenklich finde ich, dass meine Erstgutachterin sich mit meinem Doktorvater über unsere akademische und juristische Situation unterhalten hat und dass sie vor mir wusste, dass das Strafverfahren gegen ihn eingestellt wurde, wie sie mir im Laufe des Telefonats über die Tagung sagte.

    Andererseits und im allgemeinen Sinne finde ich schade, dass die Leute, die Macht haben und einen Unterschied in den Schicksalen dieser Prozesse machen könnten, nicht helfen wollen. So machen sie den Kampf der Betroffenen zu einer titanischen Aufgabe.

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  33. Vielleicht sehe ich das auch etwas abgeklärter, weil solches Verhalten bei uns zum "Alltag" gehört, mit oder ohne sexuelle Komponente, und man im Spitzenleistungsbreich von klein an mit solchen Klüngereien und Filz konfrontiert wird. Ich wollte Dir einen Text schicken, was ich an die Unabhängigen Beauftragte geschickt hatte - da ich das aber nur in Papierform habe, dauert es noch etwas.

    Aber Deine Wut ist verständlich. Sich schützen bedeutet in diesem Fall ja leider zwangsweise jemadem scahden. Ich bin auch immer noch wütend über eine Ärztin, die - um sich vor einer Aussage zu schützen - einen irreführenden Krankenbericht geschrieben hat und mich mit einer Falschaussage gedroht hat - und das, obwohl sie mir immer gesagt hatte, dass sie es ganz toll findet, dass ich den Täter angezeigt hatte. Es hat mir weh getan, dass selbst Menschen, die wollten, dass dieser Mann verurteilt wird, mir geschadet haben, um sich selbst zu schützen.

    Weißt Du, ich habe ja auf eine Hochschulekarriere verzichtet. Und bin nicht ganz unglücklich drüber, da ich dadurch Lebenserfahrungen für mich machen konnte, die ich sonst nicht machen hätte können, und Dinge gerlernt habe, die mich sonst gar nicht interessiert hätten. Auch wenn der Anlass sehr traurig ist. (und ich damit gewiss nicht den Täter oder Umfeld entschuldigen will).

    Und trotzdem war und ist es sehr hart. Ich denke im Nachhinein, dass es für mich besser gewesen wäre, wenn ich damals einfach alles abgebrochen hätte und neu mit einem ganz anderen Studium angefangen hätte, auch wenn ich dadurch die Arbeit der letzten 10 Jahre meines Lebens zunichte gemacht hätte. Damals wäre ich aus heutiger Sicht noch jung genug gewesen, um ein neues Leben aufzubauen, unabhängig von meinem Täterkreis.

    Nur damals hätte ich das nie und nimmer getraut, und das hätte ich auch nicht gewollt. Und ich hätte einfach nicht anders handeln können. Ich wollte mich behaupten und zeigen, dass ich es schaffe.

    Irgendwann mal habe ich gehört, dass Selbstbehauptung auch beinhaltet, dass man bewußt auf sein Recht verzichtet. Irgendwie hat mich das sehr angesprochen, ich habe mich sehr erleichtert gefühlt. Und denke, dass ich diesen Satz gerne vor 10 Jahren gehört hätte...

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  34. .... eine generelle Anmerkung, losgelöst von Deinem Fall.

    Gerade bei Missbrauch in Institutionen geht es weniger ums Sex an sich, sondern vielmehr um Machtdemonstration. Es geht auch weniger um individuelle Einzeltäter, sondern diese Täter sind vielmehr ein Symptom für tiefere, systembedingte Probleme innerhalb der Institution. An solchen Institutionen gibt es auch meist nicht nur einen Täter, sondern mehrere gleichzeitig.

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  35. Ich bin mit Deiner Anmerkung einverstanden. Wenn ein Opfer sich gegen Belästigung oder Missbrauch wehrt, merkt man durch das Verhalten der Anderen – auch diese, die die Taten vertuschen –, dass es mehr um Macht geht als um das Problem selbst, das gemeldet wird. Für andere Professoren, die auf diese Art und Weise ihre Macht missbrauchen, sind alle Studenten, die es wagen, etwas dagegen zu sagen eine Bedrohung. Dann könnte es passieren, dass andere Opfer sich outen und das wollen sie nicht. Andererseits werden die Professoren, die gar nichts damit zu tun haben, sich nicht hinter den Studenten stellen. Sie gewinnen viel mehr, wenn sie andere Kollegen unterstützen. Die Frage ist: Was können wir Betroffenen machen?

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  36. Ich denke noch über Deinen Kommentar vom 2. Mai (23:58) nach. Ich kann Dir jetzt Folgendes sagen:

    Es ist verzweifelnd für uns Betroffene, die wir nicht nur unter der Tat selbst – die schon sehr hart ist – leiden, sondern auch wegen dieser „schwankenden“ Unterstützung und falsch verstandenem Selbstschutz der Anderen. Was diese Ärztin Dir angetan hat, kann man weder nachvollziehen noch verzeihen.

    Ich glaube, ich bin noch zu sehr mitten drin im ganzen Problem an der Uni Hamburg, um genau zu wissen, was ich gelernt habe, was mir diese Erfahrung gebracht hat und was ich anders hätte machen sollen. Als 13-Jährige wurde ich von einem Lehrer sexuell missbraucht und ich habe ganz anders als jetzt gehandelt: Ich habe geschwiegen, meine Eltern haben nichts gemacht, als sie dies erfahren haben; ich habe versucht zu vergessen und darüber hinwegzukommen. Inzwischen wurde der Täter zum Hochschullehrer und er ist immer noch an einer Uni, wo er sich vielleicht wie mein ehemaliger Doktorvater verhält. Ich habe erfahren, dass er mehrere Schülerinnen missbraucht hat und aus diesem Grund von einer anderen Schule gefeuert wurde, bevor er in meiner Schule gelandet ist. Wenn die Eltern des anderen Mädchens ihn angezeigt hätten, hätte ich diesen Missbrauch nicht erlebt und mein Leben wäre jetzt ganz anders. Wenn ich gewagt hätte, etwas zu sagen, wäre vielleicht das Leben seiner späteren Opfer auch anders. Aber ich habe es nicht getan und jetzt trage ich diese Schuld mit mir.

    Als ich mich an die Gleichstellungsbeauftragte der Uni gewandt habe, war ich überzeugt, dass dies das Richtige für mich und für andere Opfer war. Ob ich wirklich anderen Studentinnen geholfen habe, weiß ich nicht...

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  37. Ich denke, dass Dein Verhalten gegenüber dem Prof. auch von Deinem früheren Erlebnis beeinflusst wurde und immer noch wird. im negativen und positiven Sinne. Bezeichnend ist es ja, dass Du gegnüber diesem Prof. wohl viel mehr Wut spürst gegenüber dem Lehrer damals. Überlegst Du, auch gegen den damaligen Lehrer vorzugehen?

    Und mit diesem Vorerlebnis hast Du natürlich im jetzigen Strafverfahren auch einen besonderen schweren Stand, zumal es bei Missbrauchsopfern auch vorkommt, dass eine normale Berührung als eine Grenzüberschreitung empfunden wird. Solche Prüfung - ob das Empfinden der Realität entspricht oder mit der Vergangenheit vermischt - kann wirklich schmutzig werden.

    Was besser für Dich damals gewesen wäre, ob schweigen oder anzeigen oder sonst was, das weißt Du nicht. Wenn Du damals was gesagt hättest, hättest Du vielleicht heute kein Abi. Vielleicht wäre der Täter ins Gefängnis gekommen, vielleicht ist er freigesprochen worden, vielleicht haben andere Opfer geredet, vielleicht auch nicht, das sind alles Spekulationen. Du hast geschwiegen, weil Du sonst nicht hättest überlebt hättest. Und die Leute, die heute schweigen, sie schweigen, um ihrerseits zu überleben.

    Auch wenn das andere Mädchen den Lehrer angezeigt hätte, heißt eslängst nicht, dass er nicht weiter gemacht hätte, oder dass er von der Schule geflogen wäre.

    Und meine Erfahrung ist - aus eigenen Erfahrungen und was ich von anderen gehört habe - ist dass die Opfer erst nach der Verjährungsfristanfangen zu reden oder nachdem der Täter in Pension gegagen ist oder tod ist. Also, wo man nicht mehr viel Konsequenzen fürchten muss. Deswegen dauert eine Aufarbeitung ja so lange.

    (Und ich kämpfe momentan auch in meiner Sache, weil ich von der Kirche und Schulämtern weiß, dass ihre Kinderschutzrichtlinien vorsehen, dass ein Kinderschänder disziplinarrechtlich von Ämtern mit Kinderkontakt suspendiert werden, und stattdesssen mit Erwachsenen oder im Bürodienst arbeiten sollen. Z.B. werden Realschulleher an Berufsschulen versetzt, oder ein Pastor soll Altenheimseelsorge machen statt Konfirmandenunttericht. Das finde ich nicht OK).

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  38. Zu Deinem Eintrag von 16:28.

    Ich bin ja sozusagen mittlerweile Berufskollegin meines Täter, wenn auch nicht an der gleichen Institution und auch nicht auf dem selben Niveau.

    Und aus dieser Sicht, denke ich, dass es ist nicht wirklich so die Angst ist, dass die anderen Opfer (in diesem Falle die Studenten) auch anfangen könnten zu reden. Wenn die anderen anfangen würden, so dass die Sache irgendwann mal gegen den Täter drehen würde, dann wäre es ja für die Prof.-Kolleginnen gegen den Täter zu stellen.

    Sondern es ist eher diese Überlegung, dass wenn eine Professorin sich gegen ihren Chef stellt (und das muss sie, wenn sie sich für die Studentin einsetzt), dass sie selbst Nachteile bekommt. Z.B. dass sie kein Sagen mehr hat im Gremium, dass sie keine gute Forschung mehr machen darf, dass sie keine interessanten Seminare mehr bekommt, dasss ihre Studenten/Doktoranden benachteiligt werden.

    Es ist einfacher, sich aus schwächeren Position (z.B. Studentin/Doktorandin gegen Prof.) zu wehren.

    Wenn ich jetzt irgendwo an einer guten Institution eine Stelle bekommen würde (nach all den Lebenskämpfen), und ich da von einer Schülern/Studentin hören würde, dass sie von einem Dozenten (der vielleicht beim Einstellungsgespräch für mich gesprochen hatte) vergewaltigt wurde, dann wäre ich auch erstmal hin und her gerissen, ob ich nochmal mein ganzes Leben aufs Spiel setzen möchte, für dieses Mädchen. Ich würde natürlich Hilfsangebote für sie finden, ich würde ihr auch Möglichkeiten aufzeigen. Aber in dem Moment, wo alles offiziell ist mit Anzeigen usw., könnte ich ihr wahrscheinlich auch nicht mehr helfen, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen. Und dann müßte ich für mich oder für das Mädchen entscheiden.

    Ich denke, dass es für Dich - ob es Dir bewußt war oder nicht - und vielleicht auch wegen Deiner anderen Vorerfahrung - in dem Moment am Wichtigsten gewesen, das Schweigen zu brechen. Das hatte Priorität über alles andere, ein schließlich Promotion. Und wenn es so war, dann war es so.

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  39. Als ich die Kontroverse und Kritiken über den Film Black Swan las, dann musste ich an Missbrauch denken. In allen Kritiken wurde hervorgehoben, dass es sich im Film um die "dunkle Seite" des Baletts handelte, aber da wurde eher der Leistungsdruck durch die ehrgezige Mutter und despotischen Direktor hervorgehoben (deshalb auch die Gegenwehr aus der Ballettszene, dass der Film die schönes Seite des Balletts vernachlässigt und dass die Täter in Wirklichkeit gerne tanzen und trainieren).

    Ich persönlich sah das eher so, dass das Hauptthema eher Sex ist. Da das Mädchen von klein auf so konditioniert wurde, dass Ballett für sie alles im Leben bedeutet, musste sie unbedingt ihre Traumrolle haben und hat ihre Grenzen überschritten, als sie erkennen musste, dass sie für die Rolle nicht nur technische Perfektion sondern Sexualität braucht.

    Für den weißen Swan sei sie perfekt, laut Direktor, aber den schwarzen Swan könne sie nur richtig tanzen, wenn sie nicht mehr Jungfrau wäre. Also ohne sexuelle Erfahrung, keine Traunrolle.

    In dem Film wird ihr Dilemma als Schizophrenie dargestellt, und es geht da nicht explizit um Vergewaltigung oder Missbrauch (in dem Film bekommt sie die Rolle, obwohl sie sich gegen die sexuelle Belästigung des Direktors gewehrt hat), sondern sie hat dann im Film Sex unter Drogeneinfluss in der Lesbensszene gehabt, aber das dargestellte seelische Dilemma ist bei vielen Missbrauchsopfern Realität. (Schade finde ich es, dass das als Schizophrenie dargestellt wurde, weil die Missbrauchsopfer tatsächlich oft diese Diagnose fälschlicherweise bekommen. Selbstverletzung kann es bei Missbrauchsopfern auch geben, auch ohne dass man an Schizophrenie erkrankt)

    Ich habe noch keine Filmkritik über den Film gesehen, wo das Thema sexueller Missbrauch in der Ballettszene (oder eben in jeder ähnlichen professionellen Abhängigkeitsverhältnissen) besprochen wurde. Aber für mich persönlich macht der Film so Sinn. (und nicht wie die gängigen Filmbeschreibungen, wo die Übergriffe des Direktors toleriert werden, weil dadurch das schüchterne und frigide Mädchen von der Macht ihrer überbehütenden Mutter befreit wird - wobei ich schon den Eindruck hatte, dass der Filmmacher die Belästigungen durch den Direktor schon als übergriffig darstellen wollte).

    Irgendwo fühlt man sich als Betroffene ja oft tatsächlich orientierungslos und hilflos, weil alles man macht, um sich aus der Situation zu befreien, falsch ist. In einem Film gibt es dann der Ausweg durch den Tod, aber in der Realität muss man ja weiter leben.

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  40. Apropos Film: kennst Du den Film "Der Campus"? Der lief ganz groß zu meiner Studienzeit.

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  41. ..ich (Bielefeld) kenne den Campus, aber das Buch finde ich total schlecht, denn da ist es ja irgdendwie nur ein Missverständnis und wirklich noch lange nicht so schlimm wie hier in Bielefeld z.B.
    Aber ich kann ein anderes Buch empfehlen: Der Karpfenteich:
    "Anhand einer Geschichte zwischen Mann und Frau, die so oder ähnlich auch außerhalb einer Universität stattfinden könnte, werden Tricks, Taktiken und Skandale geschildert, die nur allzu typisch sind für die Innenwelt mancher deutschen Hochschule. Einiges ist direkt, vieles nur indirekt mit der zentralen Handlung - einer Vergewaltigung und dem Versuch der Schadensbegrenzung - verbunden und kann daher weitgehend Allgemeingültigkeit beanspruchen.Ein Insider, subtiler Kenner der Hochschulszene und ihrer Repräsentanten - des sogenannten Karpfenteichs - wandelt Erfahrung in Fiktion und gibt doch authentisches Zeugnis einer Welt, die sich sonst nicht so einfach in die Karten blicken lässt. Seine eigentlichen Helden sind Frauen - keine davon in leitender Position, und keine im Professorenamt."

    Die Thematik der "intellektuellen" Liebe zwischen Prof und Studentin/Doktorandin kommt aber eigentlich in Philipp Roth' "Das sterbende Tier" gut raus, wobei ich das Buch so traurig finde. Aber Consuela wird von Penelope Cruz im Film super gespielt. Weltklasse.

    Man hat mir damals verboten, Schande von Coetzee zu lesen, das ist natürlich auch gut, vor allem, weil es zeigt, dass der Prof. für sein Handeln bestraft wird, indem seine eigene Tochter vergewaltigt wird, in Bezug auf die Studentin, mit der er "Sex" hat, heißt es:
    "Es ist keine Vergewaltigung, nicht ganz, aber doch unerwünscht, gänzlich unerwünscht. Als hätte sie sich entschlossen, ganz schlaff zu werden, sich tot zu stellen, solange es dauert, wie ein Kaninchen, wenn die Fänge des Fuchses sich in seinem Nacken verbeißen. [...]"

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  42. ....Buchtipps Teil 2.

    Im Karpfenteich heißt es, und das ist meine Lieblingsstelle:
    "Das Tribunal [Anmerkung von mir: die Gleichstellungskommission] nimmt mit Missbilligung zur Kenntnis, dass der Hecht seine dominante Stellung im Karpfenteich erneut, und zwar immer unkontrollierbarer missbraucht hat, um Jungkarpfen nachzustellen, sie zu jagen und zu versuchen, sie zu fressen. Das Tribunal ist der Auffassung, dass Versuche, an das Verantwortungsgefühl und die Ehre des Hechtes zu appellieren, erfolglos sein werden, weil Raubfische über solche Eigenschaften nicht verfügen. Es bleibt daher nur übrig, den Raubfisch vom Teichbesatz zu trennen, ihn umzuteichen und von der Möglichkeit, Jungfischen nachzustellen, endgültig auszuschließen. Der Oberkarpfen wird ermächtigt, alles weitere unter Wahrnehmung der erforderlichen Sicherheitsabstände und unter Vermeidung weiterer Risiken zu veranlassen."


    Sonst könnt ich auch "Brandung" von Martin Walser lesen, da gibt es die junge Fan, den alten Helmut als Prof und es wird bis zum Schluss nicht klar, was dort sexuell gelaufen ist. Aber das Buch selbst ist trotzdem ganz gut.

    Sonst, von Walser, wäre auch noch "Augenblick der Liebe" zu empfehlen, ich kenne die Bücher alle, weil ich ja selbst ein Roman geschrieben hab, ich warte noch auf das Ende, da es noch nicht absehbar ist und in meinem Roman gehe ich die einzelnen Bücher durch und vergleiche dies mit meinem Fall.

    Walser schreibt in "Augenblick der Liebe" über die Zuneigung einer Doktorandin zu ihrem Professor. Sie interessiert sich für seine Aufsätze über den französischen Philosophen La Mettrie und überreicht ihm zu seinem Erstaunen ein kleines Geschenk, eine Blume. Sie könnte seine Enkelin sein. Und doch vernimmt er sofort die Lust am Habenwollender hübschen Doktorandin wahr.

    Also, soweit meine Literaturtipps an alle Interessierte, ich muss jetzt fleißig an der Verfassungsbeschwerde schreiben, denn bis Freitagmittag muss meine Vorversion stehen ;).

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  43. Ich meine das ja nicht als Empfehlung - da geht es drum, dass eine Studentin und ein Prof. einvernehliche Beziehung und Sex hatten, und dass daraus wegen Intrigen eine Vergewaltigung gemacht wurde - zum Nachteil aller Beteiligten.

    Dies war aber die generelle Stimmung zum Thema damals. Und es ist durchaus wichtig zu wissen, dass es so war und vielleicht immer noch ist.

    Und interessant war es für mich (und vielleicht jetzt für Lucrezia), weil der Roman sich in Hamburg gespielt hat (der Autor ist auch ein Ex-Prof.), und der Film auch an der Uni Hamburg gedreht wurde (In der Schlussszene steht der Protagonist nach seiner Entlassung vor dem Hauptgebäude der Uni und lächelt).

    Vielleicht war es damals ein Novum, überhaupt das Thema Sex an der Uni großflächig zu thematisieren (früher hieß es ja, dass Professoren unverfehlbar wären und kein Interesse an triviale Dinge wie Sex und Affäre hätten). Und es war auch ein Novum, die Eifer so mancher Frauenbeauftragten zu kritisieren, welche das Thema für ihren eigenen Zweck zu sehr instrumentalisierten.

    In der Hamburger Uni-Szene wurde damals sehr viel über den Film geredet, eben weil der Film an der Uni gedreht wurde. Da wurde auch drüber gesprochen, ob der Roman völlig erfunden wäre oder ob einzelne Realpersonen an der Uni indirekt kritisiert werden sollten.

    Ich bekam aber durch den Film Gefühl, dass keiner mir glauben würde (und eben nicht einvehnehmliches Sex hatte und jetzt behaupten würde, dass ich vergewaltigt worden bin, um mich interessant zu machen).

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  44. Ja, aber lest erstmal den Karpfenteich!
    Als ich das Buch damals gelesen habe, da lief mein Verfahren schon lange, habe ich geglaubt, ich werd verrückt, das ist eine nette liebe Doktorandin, Silke, und nach einer Unifeier ist der Prof. betrunken, sie will ihm helfen, nimmt ihn mit zu sich nach Hause, dort vergewaltigt er sie, die Worte dabei:
    "Und wenn es mich Beruf und Familie kostet, das war es wert. Silke, Du bist mein Untergang. Aber das tut so gut..."

    http://books.google.de/books?id=7vt2XdAVFXIC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

    Dann gibt es da eine Metaphorik, er sei der böse Wolf und sie das Rotkäppchen. Da hab ich total Angst bekommen, als ich es las, denn ich habe auch mal eine "Drohung" bekommen, dass ich als Rotkäppchen aufpassen sollte, dass der böse Wolf nicht komme.

    Ich frage mich sowieso, was eigentlich das Rektorat und die Justiz dabei denkt, wenn sie solche Nachrichten an mich dann lesen.

    Genau deshalb finde ich den Campus nicht so gut, unabhängig davon, dass der Schauspieler die gleiche Stimme hat wie mein Ex-Prof, wird einfach ein falsches Bild erzeugt. Der Karpfenteich ist tausendmal besser und das Schlimme daran ist, dass die Geschichte wahr ist.
    Ich habe damals versucht, den Autor zu kontaktieren, das war sehr schwierig, doch ich habe es dann geschafft und der Autor selbst war lange Kanzler an einer Uni, und er kennt mehrere Geschichten von vergewaltigten Doktorandinnen, doch sie haben fast alle immer geschwiegen.
    Der Yale-Artikel ist krass, oder?
    http://www.welt.de/debatte/die-welt-in-worten/article13314920/Die-gut-geschuetzten-Sexualstraftaeter-von-Yale.html

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  45. ...zum Post von 10:52 Uhr: nein, ich denke nicht, dass man uns nicht glaubt, sondern das auch eine Frage von Macht ist, denn traut man sich denn wirklich, einen Professor ins Gefängnis zu stecken? In meinem Fall wurde ich mehrmals vergewaltigt, da käme man doch nach deutschem Recht mit einer Bewährungsstrafe nicht aus.

    Doch ist es nicht einfacher zu sagen: wir wissen nicht, ob es passiert ist oder sie lügt? Dann tut man doch in deren Augen keinem weh. Natürlich tut man dem Opfer weh, aber vielleicht ist es auch eine Frage der Verantwortung, die niemand im Falle einer Anklage übernehmen will.
    Ein Prof wird sich dann, siehe Kachelmann, mehrere Anwälte nehmen, Gutachter bestellen, die dann vielleicht auch befangen sind, wie bei Kachelmann, der wird alles in Bewegung setzen...
    Doch was ich mich immer frage: "Will ich überhaupt so einen Prozess wie bei Kachelmann?"

    Einerseits ja, um zu meinem Recht zu kommen, andererseits nein, weil das total belastend ist.

    Ich hoffe einfach mal, dass das Bundesverfassungsgericht den Beschluss der Einstellung als Fehlentscheidung bewertet und ich dann so einen Schritt weiterkomme!

    Was ich noch sagen wollte, ab Freitag findet dre Feministische Juristinnentag in Frankfurt statt, dort wird es eine Sektion zum Thema, was nun in Bielefeld zu tun ist, geben (diese wurde sehr kurzfristig eingerichtet!). Ich kann Euch dann berichten, was dort herausgekommen ist, welche Handlungsspielräume man noch hat!

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  46. Verstehst Du das bitte: es geht nicht drum, ob Campus gut ist oder nicht. Sondern es ist für die Hamburger Fälle wichtig, weil die Handlung sich in Hamburg abspielt, und der Film in dem Hinterkopf der Hamburger ist.

    Und ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass die Betroffenen damals auch ähnlich wie bei mir gedacht haben, dass keiner ihnen glauben wird. Vor 10-15 Jahren war die Stimmung ja noch ganz anders als heute. Erst in den letzten 5 Jahren hat sich die Gesellschaft sehr zu Gunsten der Opfer gewandert. Wenn ich den Täter damals angezeigt hätte, dann wäre ich bestimmt von den Strafverfolgungsbehörden noch viel schlechter behandelt worden.

    Es geht mir ja nicht drum, zu erklären, was in mir bei der Vergewaltigung vorging, wie es dazu kam, und was für ein Mann der Prof. war - das weiß ich schon alles.

    Es geht mir um den gesellschaftlichen Aspekt, und wie die Stimmung in Hamburg generell ist.

    Ich denke schon, dass man sich traut, einen Prof. ins Gefängnis zu stecken. Vor allem seine Konkurrenz würde das ja gerne tun.

    Das Problem ist: damit ist mir überhaupt nicht geholfen. Ja, der Prof. ist im Gefängnis, aber wenn ich vom Berufsfeld dann als böse Täterin gesehen werde, der ihn ins Gefängnis geschickt hatte. Der Nachteil muss ja nicht unbedingt juristischer Natur sein.

    Und das Problem ist wahrscheinlich auch, dass derjenige, der den Prof. ins Gefängnis steckt, auch Probleme bekommen wird.

    Ich will auf keinen Fall einen Prozess wie bei Kachelmann. das hat mit Justiz nichts mehr zu tun. Sondern wenn schon, will ich einen Prozess, wo es um die Sache geht.

    Dass es so stattgefunden hat, wie ich es beschrieben habe, weiß ich ja. Dazu brauche ich keine Bestätigung vom Gericht.

    Andere Möglichkeiten gibt es noch, z.B. ist das Sozialgericht oder das Zivilgericht zumindest theoretisch nicht an Urteile des Strafgerichts gebunden.

    Die große Frage ist, ob man ein Selbstmordattentat ausüben möchte. Also ob man bereit ist, für die Gerechtigkeit auch selbst zu sterben.

    Ich habe mich dazu noch nicht ganz entschlossen - zumal ich meinen Schülern auch helfen kann, indem ich ihnen selbst eine gute, gewaltfreie Ausbildung ermögliche.

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  47. Ja, das hab ich verstanden, das mit Hamburg.

    Auch den Aspekt mit dem Täter im Gefängnis kann ich total nachvollziehen, denn im Grunde genommen wünsche ich mir von der Justiz, dass sie sagt, der Mann darf keine Doktorandinnen mehr betreuen (was ja in meinem Fall anscheinend tatsächlich so ist), am besten wäre es aber, dass man ihm das Professorenamt entzieht.

    Es ist auch klar, dass man als Frau trotzdem NUR Nachteile hat, wenn man die Vergewaltigung meldet, unabhängig davon, was mit ihm selbst passiert.

    Und genau deshalb ist es das Schlimmste, dass die Justiz in solchen Fällen von einer Unwahrhypothese ausgeht, die Frau könne die Vorwürfe erfunden haben, um Vorteile in der Uni zu haben. Es ist ja schließlich genau andersherum.

    Zivilrechtlich wird es vermutlich schwierig sein, da Schadensersatz zu erlagen oder Ähnliches, zumindest dann nicht, wenn keine Verurteilung vom Strafgericht erfolgt ist. Versuchen kann man es, klar....

    Und wie wäre ein Prozess vor dem Sozialgericht? Da kenne ich mich nicht aus, würde dies aber gerne wissen.

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  48. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, das man Öffenlichkeitsarbeit macht, denn solange das Thema tabuisiert ist, ist es schwierig, Gehör und Verständnis zu erlangen.

    Erst wenn die Gesellschaft merkt, dass der Machtmissbrauch, und es geht ja letztendlich meistens nur um Machtdemonstration, täglich an vielen deutschen Akademien und Hochschulen stattfindet, werden sich mehr Frauen an die Öffentlichkeit wagen.

    Es ist ein ganz langer Kampf, der wahrscheinlich noch Jahrzehnte andauern wird, davon bin ich überzeugt. Die Frage ist dabei ja auch immer, wieviel Energie und Zeit man da investieren kann und will.

    Andererseits ist natürlich so, dass gerade Betroffene Vieles erklären können, da sie das Ganze erlebt haben.

    In Bielefeld findet gleich ein Vortrag zum Thema "Das Schweigen der Opfer" statt. Das gibt wieder eine Diskussionrunde unter Frauen. Vielleicht gibt es ja etwas Interessantes, was ich dann weitergeben kann.

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  49. Das mit dem Sozialgericht ist das Opferentschädigungsgesetz-Verfahren. Hierbei muss man als Antragssteller einen rechtswidrigen tätlichen Angriff nachweisen, man muss nachweisen, dass man nichts selber zu diesem Angriff beigetragen hat, und dass man dadurch gesundheitlich geschädigt wurde. Das Verfahren wird eigentlich erst dann interessant, wenn man aufgrund der Tat mindestens 45% behindert wurde. Der Haken ist, dass alles gleichzeitig geprüft wird.

    Man kann nicht lediglich den "tätlichen Angriff" prüfen lassen, sondern es wird gleich auch die gesundheitliche Schädigung geprüft, weil es hier ums Geld geht. Und da das Versorgungsamt natürlich nicht zahlen will, behauptet das Amt da erstmal generell, dass der Antargssteller schon vorher krank war, und dass die seelische Probleme vom Elternhaus oder von anderen Erlebnissen her kämen usw. Auch wird der Täter hier ggf. als Zeuge des Versorgungsamtes herangezogen gegen den Antragssteller. Und wenn das Ganze nach durchschnittlich 7 Jahre Verfahrensdauer erfolgreich ist, bekommt man vielleicht 170 Euro Opferrente monatlich (bei 45% Grad der Behinderung aufgrund der Straftat), solange man krank ist. Wobei man dann immer wieder prüfen lassen muss, dass man tatsächlich noch krank ist, und ob eine Umschulung in Frage kommt usw. Also ist es hier auch eine Frage, ob man sich das antun will, zumal die Erfolgsaussichten auch nicht sehr gut sind. Lohnen tut sich das Ganze eigentlich erst, wenn man von der Sache so krank geworden ist, dass man gar nicht mehr arbeiten kann.

    Aber zumindest rein theoretisch erfolgt die Prüfung des "rechtswidrigen tätlichen Angriffs" hier unabhängig vom Strafrecht (z.B. Opfer vom Kindesmissbrauch, bei denen die Tat schon verjährt ist, und es daher kein Strafverfahren gibt, können über dieses Verfahren trotzdem eine Opferanerkennung bekommen).

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  50. Ach, so, ja, das Problem ist, dass man die OEG-Entschädigung ja ähnlich wie bei Schadensersatz erst dann bekommt, wenn der Täter strafrechtlich verurteilt ist.

    Aber ich würde trotzdem jedes Opfer dazu ermutigen, alles zu versuchen, was möglich ist!

    Ich bin auch motiviert, selbst zu handeln und da ich selbst soviel Unterstützung aus Bielefeld bekomme, glaube ich auch, dass es funktioniert.

    Im Übrigen: dieses Blog hat mittlerweile viele Besucher, ich würde mich gar nicht wundern, wenn "unsere Täter" hier auch online sind. Nicht, dass ich als beunruhigend werte, aber ich habe von vielen Leuten aus Bielefeld gehört, dass das eine tolle Online-Plattform ist.

    Das wollte ich mal weitergeben an die "Herausgeberin"!

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  51. Kennt ihr eigentlich Hollaback?
    In Amerika kann man dazu sogar ein Foto des Täters hochladen!!!
    http://dortmund.ihollaback.org/

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  52. Zu Deinen Posts von 17:59 und 18:19

    Vielleicht ist "tabuisiert" nicht mal das passende Wort dazu. Ich denke, dass eigentlich alle wissen, dass es an Hochschulen viel Gewalt gibt. Und heute wird auch solche Verhalten als Gewalt gesehen, was früher als "rite of passage" toleriert wurde.

    Nur ist man mit dem Umgang mit Gewalt unsicher.

    Früher hatten die Hochschulen eigene Gesetze und Selbstverwaltung - heute müssen sie sich an "weltlichen Gesetzen" halten, aber viele Hochschulangehörige können sich mit diesen Gedanken noch nicht ganz anfreunden. Das ist auch bei künstlerischen und sportlichen Leistungsbereichen ähnlich. Das führt dazu, dass hier quasi eine rechtsfreie Zone entsteht.

    Und in Deutschland haben Täter Recht auf Rehabilitation. Selbst wenn ein Prof. strafrechtlich verurteilt oder von der Hochschule entfernt wird, mag das zwar für den Prof. demütigend sein, aber er kann woanders weitermachen. Irgendwann kommt man ja aus dem Gefängnis.

    Und gerade die Emanzipation macht die Beurteilung manchmal schwierig. Bei meinem Prof. gab mindestens eine Studentin, die eine Beziehung mit ihm wollte und auch offen führte. Er hatte auch Geliebte - u.a. eine Professorin, die eine höhere Stelle hatte als er. Wo fängt Missbrauch an, und wer hat wen missbraucht? In meinem Fall denke ich, dass es eine Vergewaltigung war - unabhängig vom Abhängigkeitsverhältnis - aber die Grenze ist fließend.

    Und die Möglichkeit der Opfer sind begrenzt. Sie haben eigentlich nur die Möglichkeit zwischen: 1) weggehen und was eigenes aufbauen 2) mitschwimmen 3) da bleiben und Buhmann spielen. Jetzt verstehe ich sehr gut, was meine Anwälte mir mal gesagt hatten, nämlich, dass wenn man eine Anzeige nur dann erstatten sollte, wenn man breit ist, das Thema Missbrauch zum Beruf zu machen, erstens weil man es in dem ursprünglichen Beruf einen sehr schweren Stand haben wird, und weil das Thema Missbrauch notgedrungen zum Lebensinhalt wird.

    Es ist nicht die Angst vor dem Täter, was ein Opfer von einer Anzeige abhält. Es ist vielmehr die Angst vor Diskriminierung durch das Umfeld. und die negativen Konsequenzen fürs eigene Leben. Und die Angst ist nicht mal unberechtigt. Als Opfer hat man genug mit den gesundheitlichen Tatfolgen zu kämpfen, und sich trotzdem gegen den Gegenwind behaupten zu müssen - das ist hart.

    Eigentlich müssten die Hochschulen Selbstverteidigung und Kampfsport als Pflichtfach für alle Studenten anbieten, und den Studenten beibringen, dass sie auch gegenüber Professoren Nein sagen dürfen und dass sie notfalls auch auf Profs. einschlagen müssen. (Die heutigen Kinder beherrschen das schon viel besser als Studenten).

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  53. ...Ja, stimme ich voll zu! Das habe ich immer betont, hunderte von Malen.
    Ich habe das in Kauf genommen, aber das muss jeder selbst für sich entscheiden.

    Selbstverteidigung an sich finde ich gut, aber das Problem ist ja in vielen Fällen nicht nur die körperliche Überlegenheit, sondern der psychische Druck auf das Opfer, entlassen zu werden, in der Diss durchzufallen etc.

    Auch wenn man als Frau nur so liegenbleibt und nichts tut außer sich an einen anderen Ort zu denken, dann ist das für mich trotzdem Vergewaltigung/Nötigung/Missbrauch, denn der Wille steht der Aktion entgegen. Aber strafrechtlich wird es in solchen Fällen schwer, denn sie erwarten Widerstand in körperlicher Form.

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  54. "Selbstverteidigung an sich finde ich gut, aber das Problem ist ja in vielen Fällen nicht nur die körperliche Überlegenheit, sondern der psychische Druck auf das Opfer, entlassen zu werden, in der Diss durchzufallen etc.

    Auch wenn man als Frau nur so liegenbleibt und nichts tut außer sich an einen anderen Ort zu denken, dann ist das für mich trotzdem Vergewaltigung/Nötigung/Missbrauch, denn der Wille steht der Aktion entgegen. Aber strafrechtlich wird es in solchen Fällen schwer, denn sie erwarten Widerstand in körperlicher Form."

    Strafrechtlich ist es leider eben keine Vergewaltigung, wenn die Frau nur da liegt und nichts macht.

    Daher müssen die Frauen lernen, auch in solchen Situationen körperlich zu wehren. Und da muss Umdenken im Kopf stattfinden, eben, dass man sich wehrt, auch wenn man Angst hat, bei Abschlussprüfungen durchzufallen, gemobbt zu werden, usw. Das ist im Übrigen nicht nur bei Studentinnen so, sondern diese psychische Blockade ist ja immer die Haupthemmung.

    Wenn man gegen den Prof. in dem Moment körperlich wehrt, wird die Konsequenz nicht schlechter sein, als wenn man das Ganze über sich ergehen lässt und und ihn hinterher anzeigt. Von daher kann man sich gleich zur Wehr setzen.

    Solche Männer suchen sich gezielt nach Opfern, welche sich nicht wehren, eben weil sie - in dem Fall einer Studentin - ehrgeizig oder ängstlich sind, Angst vorm Durchfallen haben usw. und sich nicht wehren. In dem Moment, wo die Frau schwierig ist, wird nach einem anderen Opfer gesucht.

    Und die Frauen, die sich gewerht haben und deshalb durchgefallen sind, dürfen nicht diskriminiert werden. Also muss die Gesellschaft weg von diesem Aberglaube, dass Zeugnisse alles aussagen. Vielmehr müssen in allen Spalten mehr drauf geschaut werden, was die einzelne Kandidaten (oder Bewerber beim Arbeitgeber) wirklich können.

    Dann wird man auch nicht mehr so abhängig.

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  55. Zum Post von 22:50.

    Es stimmt nicht, dass man OEG bekommt, erst wenn der Täter strafrechtlich verurteilt worden ist, auch wenn das natürlich eher der Regel ist. Das ist ein Mythos, es gibt Opfer, insbesondere aus dem Bereich Kindessmissbrauch, welche eine Anerkennung bekommen haben, gänzlich ohne Strafverfahren (da verjährt). Blöd ist es natürlich, wenn es ein Strafverfahren gegeben hat, und das negativ war. Ich würde auch nicht jedem Opfer raten, diesen Weg zu gehen, das ist sehr demütigend, und es lohnt sich auch oft nicht (in Hamburg ist die medizinische Versorgung beim Versorgungsamt als anerkanntes Opfer schlechter als bei der Krankenkasse ohne Opfeanerkennung, d.h. das Verfahren lohnt sich wirklich nur wegen der symbolischen Anerkennung). Ich suche diesbezüglich immer noch Infos, wie so ein Verfahren praktisch aussieht, z.B. wie es mit Schweigepflicht der Ämter aussieht.

    Ich finde es wichtig, dass jedes Opfer für sich entscheidet, was es tut. Sonst ist es moralischer Missbrauch - auch wenn das Motiv lobenswert ist, darf man andere nicht unter Druck setzen, um sie zu Handlungen zu zwingen, die sie nicht wollen oder hinterher bereuen.

    Auch wenn es manchmal weh tut, wenn eines dagegen entscheidet, und mir dabei schadet.

    Und ich denke, dass ist das Hauptproblem bei Missbrauch usw. Ich habe schon Loyalitätskonflikt wegen anderer Mitopfer, und ziehe sie aus Gewissensgründen nicht ein.

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  56. http://www.voiceteacher.com/psychological_abuse.html

    Der Weg zum sexuellen Missbrauch ist nicht weit, gerade in einem Fach, wo die Auseinandersetung mit Erotik zum Studieninhalt gehört.

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  57. In meinem Heimatland herrscht die Meinung vor, dass man sich gegenüber Kriminellen nicht zur Wehr setzen sollte. Wenn man überfallen wird, muss man dem Täter ganz ruhig geben, was er will. Im Fall einer Vergewaltigung ist es auch so. Ansonsten kann der Täter noch „böser“ auf das Opfer werden und es umbrigen bzw. schwer verletzen.

    Nach diesem Konzept bedeutet dies, dass man nichts machen kann, wenn man inmitten der deliktischen Situation ist, abgesehen davon, die Tat über sich ergehen zu lassen. Deswegen geht bei uns der Fokus auf Prävention: Eine Frau darf nicht allein in dunkle Gassen gehen, sie darf sich nicht zu sexy anziehen, sie darf keinen Mann in die Wohnung reinlassen und auch nicht in Wohnungen von Männern gehen. Wenn sie diese Präventionsregel nicht beachtet, ist sie selber schuld, wenn sie Vergewaltigungsopfer wird.

    Nach den Kriterien meines Heimatlandes trage ich die Schuld am Delikt und auch die Schuld, diskriminiert zu werden und die akademischen Nachteile daraus ziehen zu müssen, weil ich das Delikt gemeldet habe. Mit anderen Wörtern erlebe ich die Konsequenzen meiner großen Fehler.

    Und dann kommt die Frage: Warum habe ich ihn in meine Wohnung reingelassen? Ich hatte Angst, als er unangemeldet erschien. Ich dachte, ich dürfte einen Professor nicht wegschicken, wenn er vor der Tür steht. Die Überraschung spielte dabei auch eine Rolle.

    Natürlich müssen die Frauen lernen, sich körperlich zu wehren, aber wie kann man eine jahrelange Erziehung und alle Botschaften einer Gesellschaft löschen? Wie kann man wagen, sich gegen Professoren zu wehren, wenn dies immer so viele Konsequenzen für uns hat?

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  58. Naja! Anderes Land, andere Sitten.

    In Deutschland muss man sich gegen einen Vergewaltiger wehren, sonst ist es keine Vergewlatigung. Weil Männer nur eins wollen. Und wenn der Vergewaltiger einen umbringt, dann gibt es eben ein Strafverfahren (wobei es hier neulich einen Fall gab, wo ein Täter in der U-Bahn jemanden totverprügelt hat, und er wurde nur wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt, weil das Opfer den Täter angeblich vorher provoziert hätte, und der Täter nur aus Notwehr verprügelt hätte).

    Ich habe mittlerweile Selbstverteidigungskurse besucht, und das hat mir ganz gut getan. Die Selbstverteidigung fängt im Kopf an - dass man merkt, dass man eben nicht alles mitmachen muss. Und sei es bei einem Professor, der ist ein Mensch wie jeder andere auch. Dann ist man nicht mehr so gehemmt und dann kann sich der Körper auch besser wehren.

    Natürlich hat man aber auch die Konsequenzen zu tragen.

    Ich habe z.B. dem WR gesagt, dass ich nicht möchte, dass ihre Mitarbeiterin (dessen Name, Wohnort und Telefonnummer ich nicht kenne) mich zum Kennelerngespräch zu mir kommt, ich lasse keine fremden Leute ins Haus. Das war es dann schon: "Ach, dann wollen Sie unsere Hilfe nicht", und dass ich zu misstraulisch wäre usw. usw.. Auf die Idee, dass man bei einer Beratungsstelle o.a. treffen könnte, ließ sie sich nicht ein.

    Ich wurde auch schon mal von einem Krankenhaus rausgeschmissen, weil ich "unkooperativ" gewesen sein soll, weil ich mich gegen Gewalt und Drohungen gewehrt habe.

    Ich habe auch schon einen Traumauftrag verloren, weil ich mich geweigert habe, mich mit dem Entscheidungsträger in seinem Hotelzimmer zu treffen.

    Man kann nicht alles haben. Auch wenn das traurig ist. Aber die eigene Würde ist manchmal wichtiger.

    Und dass ich das jetzt weiß, und dass ich weiß, dass ich die Priorität für mich selber bestimme, das war das wichtigste Erkenntnis im Selbstverteidugungskurs.

    Es ist schwer, eine jahrelange Erziehung und Botschaften einer Gesellschaften zu löschen. Deshalb muss die Botschaft der Gesellschaft eben lauten, dass man keinen falschen Respekt vor Autoritätspersonen haben muss, und man diese nicht anhimmeln braucht.

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  59. ..Ja, ich stimme voll zu.

    Bei mir war das auch so, mein Prof sagte zunächst nur, er wolle mit mir Kaffee trinken, ich traute mich nicht, das abzuschlagen, weil das ja nur nett gemeint war, dachte ich.

    Dann sagte er, sein W-Lan-Router sei kaputt, und da ich mir gerade einen gekauft und selbst installiert hatte, bin ich auch zu ihm nach Hause gefahren, um ihm zu helfen. Das fand ich auch in Ordnung.

    Da passierte noch nichts, außer, dass er meinen Fuß massieren wollte, ich nicht, und dann gingen wir spazieren, auch nicht schlimm.

    Und nahm das Elend seinen Lauf, denn er wollte immer mehr und mehr von mir, in die Stadt, spazieren etc. Ich muss zugeben, dass ich mich mit ihm anfreundete und WIRKLICH geglaubt habe, er wolle mich als Freundin auf platonische Weise.

    Ich fand es auch schön, dass ich mit ihm über wissenschaftliche Themen reden konnte, ich mochte ihn.

    Doch das war alles Taktik, denn er wollte gar keine Freundschaft, er wollte Sex. Er wollte sich groß fühlen, indem er Sex mit 30 Jahre jüngeren Frauen hat. Dabei müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen: jung, schön, eigentlich auch noch ein wenig intelligent, nicht zu sehr, denn er muss ja dominanter sein....

    Und hier fängt es an, kritisch zu werden, denn natürlich tragen beide die Verantwortung für das Arbeitsverhältnis, doch das Machtgefälle zwischen beiden ist enorm groß:
    die Unterlegene wird vielleicht auch Dinge tun, die gegen ihren Willen stattfinden, oder anders ausgedrückt: nicht auf ihren Wunsch hin. Doch Kaffeetrinken mag dann noch ok sein, man will ja schließlich seinen Professor nicht verärgern. Und wenn Sex dann nicht mehr zum freiwilligen Repertoire gehört und der Prof dann droht, er könne eine andere Doktorandin einstellen, die sich erkenntlicher zeigt, dann beginnt der Spießrutenlauf: die Doktorandin wird versuchen, das Arbeitsverhältnis zu retten und ALLES dafür tun, dass "er nicht mehr böse ist". Doch damit hat sie dann, und so war es bei mir, verloren, denn dann sagt die Justiz: aber Frau X, Sie haben doch den Kontakt zu ihm nicht abgebrochen und haben sogar noch Vorschläge gemacht, mit ihm was trinken zu gehen....

    Heute würde ich es vielleicht anders machen, vielleicht mal die verbalen Drohungen aufnehmen. Oder aber ich würde sofort zur Polizei mit dem Sperma. Aber gut, hinterher ist man immer schlauer.

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  60. ...Ich wollte noch etwas nachtragen: ich glaube, dass es sehr sinnvoll wäre, wenn sexuelle Beziehungen eines Professors zu einer Studentin/Doktorandin/Habilitandin generell verboten wären und diejenigen, die in der statushöhren Machtposition sind, die Verantwortung tragen müssten.

    Das bedeutet ja zwangsweise nicht, dass sich Professoren und Mitarbeiterinnen ineinander verlieben dürfen, doch, das dürfen sie, aber dann muss dafür gesorgt werden, dass das Arbeits- oder Betreuungsverhältnis so getrennt wird, dass die oder der Unterlegene eine faire Chance bekommt, ihre Existenz zu sichern, ihre Laufbahn weiterzuführen.

    Sie oder er kann ja nicht einfach für eine andere Stelle sorgen, das ist fast unmöglich. Demnach ist der Professor in der Verpflichtung, dass durch die Beziehung keine Nachteile entstehen, die den oder der Statusniedrigen zur Last fallen.

    Doch wie kann man dieses Problem lösen?

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  61. Gesetzesänderung. In USA ist es ja auch schon so, dass Sex zwischen Professoren und Studenten generell verboten ist, auch wenn beide es wollen, so weit ich weiß, auch strafrechtlich.

    In Deutschland müsste man das nicht unbedingt strafrechtlich verbieten (das ist wiedermal so eine Sache, weil man dann streiten würde, ob in dem konkreten Fall "Ausnutzung der Abhängigkeit oder sexueller Unerfahrenheit" zu bejahen wäre - wie man heute schon bei Minderjährigen streitet, häufig zu Ungunsten s des Opfers). Es würde reichen, wenn jede Hochschule sexuelle Beziehungen per Richtlinien zivilrechtlich regelt. Und auch eine Regelung z.B. per Hochschulgesetz oder Prüfungsordnung, dass ein Prof. Studenten/ Doktoranden in Verwandtschaft oder Beziehung nicht bewerten darf. Dass es im Berufsleben immer wieder zu Problemen kommt, wenn man Beziehungen in einer Firma führt, z.B. bei Scheidungen, neue Freundin in der Firma usw. lässt sich nicht gänzlich vermeiden.

    In Deinem Fall ist die platonische Freundschaft vor dem ersten Sex strafrechtlich Nebenkriegsschauplatz a la Kachelmann. Weil man sich auch verliebt sein hätte dürfen - sonst könnte es per Definition keine Vergewaltigungen durch Ehemänner oder Ex geben. Der Schwachpunkt bei Dir ist die Zeit nach dem ersten Sex. Dass man mit einem Vergewaltiger noch privat trifft, obwohl man weiß, dass er Sex will, das ist ziemlich erklärungsbedürftig.

    Deine Erklärung klingt so, dass Dir Dein Arbeitsverhältnis wichtiger war als alles andere, und da würde man auch logischerweise von formeller Freiwilligkeit (auch wenn unter eigenem Druck) ausgehen.

    Es ist z.B. keine Vergewaltigung nach §177, wenn der Chef einer Firma seiner Mitarbeiterin sagt, dass er sie entlässt, wenn sie sich nicht auf Sex mit ihm einlassen würde. Und sie sich dann schweres Herzens drauf einlässt, weil sie alleinerziehend ist und kleine Kinder zu versorgen hat. Das ist strafrchtlich höchstens Nötigung nach §240, wenn überhaupt. (Arbeitsrechtlich hat man mehr Möglichkeiten)

    Es gibt z.B. auch Fälle, wo ein Kindesmissbrauchsopfer so aufwächst, dass es glaubt, dass Männer nur eins wollen würden, und mit jedem Mann ins Bett geht, um ihm zu gefallen, weil es nicht allein sein will. Und jahrelang später merkt es, dass es eigentlich gar kein Sex wollte, sondern was anderes. Und das geht dann strafrechtlich natürlich nicht als Vergewaltigung durch. Obwohl das psychologisch total nachvollziehbar ist und tragisch.

    Meine Therapeuten meinten bei mir auch, dass ich in meiner Sexualität aufgrund meiner Jugendzeit unterentwickelt war, und dass ich ohnehin nicht gut wehren konnte, auch wegen der Erziehung (und nein, das reicht nicht, um § Missbrauch Widerstandsunfähiger anzuwenden). Was natürlich das Verhalten meines Täters nicht entschuldigt, zumal er meine Entwicklung und meine Persönlichkeit ja seit meiner Kindheit gut kannte. Aber unabhängig von Schuldfrage hätte ich mich in der Situation gewiß anders handeln können, wenn ich nicht so brav und gut erzogen worden wäre. Im Nachhinein hatte ich auch tatsächlich Studentinnen getroffen, welche mir sagten, dass sie den Prof. so weit es geht vermieden hätten, weil er ihnen komisch vorgekommen wäre. Also, es hat durchaus auch Studentinnen gegeben, welche sich schützen konnten.

    Und wenn es so ist, dass die Justiz von Frauen erwarten, dass sie sich wehren können müssen(weil man mit 18 diese Fähigkeit haben muss und für sich selbst verantwortlich ist), dann müßte jede Frau die Möglichkeit bekommen, diese Fähigkeit zu erlernen.

    Es ist wichtig, dass im Fall wie Deinem die Studentin in dem Moment dem Professor ins Gesicht sagen kann: dann stellen Sie bitte eine andere Doktorandin ein, ich mache das nicht mit.

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  62. Ja, richtig, wobei das Opfer selbst dann wieder die Nachteile hat, denn wenn sie sagt: Stellen Sie doch eine andere ein, dann wird ihre wissenschaftliche Laufbahn im Kein erstickt. Und er? Er macht weiter. Das ist ja das Ungerechte an der Lage.

    Wobei Ungerechtigkeit sicherlich überall herrscht.

    Ich bin auf jeden Fall dafür, dass gesetzlich geregelt wird, dass Sex zwischen Professor und Abhängige verboten ist. Auch wenn es dann sicherlich noch Leute gibt, die sich nicht dran halten, könnte es zumindest bei Leute mit einem Teilgewissen, angsteinjagend wirken.

    Bei mir lag das auch an der Erziehung und das hat er ausgenutzt. Nun ja, ich will mich mal nicht beklagen, denn noch habe ich ja Handlungsmöglichkeiten: juristisch durch die Verfassungsbeschwerde und politisch noch viel viel mehr. Allerdings glaube ich mittlerweile, dass dies eine meiner Lebensaufgaben sein wird. Über solche Themen habe ich, bevor es mir passiert ist, nie nachgedacht, da ich immer dachte, ach quatsch, vergewaltigt wird man doch nicht so schnell.

    Und ich wurde eines Besseren belehrt. Ich versuche mir immer zu sagen, dass man aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, Schönes bauen kann. Nur muss man es auch angehen, zusammen mit Unterstützerinnen!

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  63. "Ja, richtig, wobei das Opfer selbst dann wieder die Nachteile hat, denn wenn sie sagt: Stellen Sie doch eine andere ein, dann wird ihre wissenschaftliche Laufbahn im Kein erstickt. Und er? Er macht weiter. Das ist ja das Ungerechte an der Lage."

    Deswegen müssen Alternativen her. Und diese Hemmung passiert oft auch im Kopf des Opfers sttat (wegen der Erziehung, Konditionierung usw.), dass das Opfer denkt, dass es keine Alternativen gibt, und dass wenn es nicht mitmacht, dass sein Leben zu Ende ist, weil es ohne die Unikarriere nicht leben kann. Das ist dieses Scheuklappendenken.

    Man kann auch leben, auch wenn der Prof. eine andere einstellt. Mit diesem Vertrauen kann man anders auftreten.

    Und wenn alle Studentinnen es dem Prof. sagen, dann hat er auch keine Opfer mehr.

    Es ist auch die Konkurrenzangst, dass die Studentin sich Sorgen macht, dass der Prof. dann eine andere (die eben willig ist) bevorzugt. Und dass es sich eben diese Willige auch finden lässt.

    Und Deutschland ist eben ein Land, wo man sich sehr von Titeln beeindrucken lassen (wird nur von Österreich übertroffen) - und die Opfer wollen als Ziel eigentlich auch dort hin, wo die Täter sich bewegen. Und das ist ein Dilemma.

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  64. Und deshalb muss auch eine andere Erziehung her. Weil es soviele Faktoren zu so einem Vorfall führt. Klar, für die Vergewaltigung selbst ist der Täter schuld. Aber dass es überhaupt zu dieser Situation dazu kam, dazu gab es doch viele Ursachen. Ich sehe meinen Täter auch nicht als den einzigen Schuldigen an. Es sind z.B. auch andere Professoren, welche Machtkämpfe und Mobbing betrieben haben, so dass es mir schwer fiel, mich zu wehren, mir waren damals die Hände gebunden. es sind die Eltern, die sowas nicht hören wollen. Es sind die Kolleginnen, die schweigen. Es ist das Gesamtsystem.

    Es hilft nicht viel, dass ein Täter verurteilt wird, und alle zeigen auf ihn und sagen, "hier haben wir den Bösen zu fassen bekommen, er ist weg, jetzt ist alles wieder in Ordnung".

    Lachen tun dann die anderen Täter, die nicht so in Lampenlicht gestanden haben.

    So einfach ist das Ganze also nicht.

    Von daher müssen die jungen Leute wissen, was auf der Welt passiert. Dass solche Vorfälle zum alltäglichen Wahnsinn gehören, und dass sie sich selbst schützen müssen.

    So im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass viele Professoren an meiner Hochschule ziemlich wenig Lebenserfahrung oder Alltagswissen haben und dass sie ziemlich realitätsfremd sind. Sie waren mal gute und brave Studenten, sie hatten sich den Gunst von ihren Profs. erarbeitet, sie haben ihre Stelle bekommen, und so werden sie alt, bis sie pensioniert werden. Es ist ein Leben, was äußerlich bequem ist, und auch deshalb innerlich von Intrigen gefüllt ist, eben weil es eine kleine geschlossene Welt ist. Das ist ungesund.

    Und da man die Täter ja nicht ändern kann, muss man bei den Studenten mit der Aufklärung anfangen (und es hilft den Studenten in Bielefeld auch nicht wirklich, wenn sie glauben, dass sie sicher sind, wenn nur der Prof. weggehen würde). Wobei hier das Tragische ist, ist, dass gerade die potenziellen Opfer - nämlich die guten, braven, ehrgeizigen Studenten - drauf nicht hören werden, bis sie selbst Opfer werden.

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  65. Und spätestens ab Promotion ist auch schwierig zu berurteilen, wie man ein Abhängigheitsverhältnis im Konkreten definieren soll.

    Ich finde es z.B. (aus aktuellem Anlass) ziemlich merkwürdig, dass die Uni Bayreuth dem Guttenberg vorsätzliche Plagiate vorwirft (wahrscheinlich zu recht), aber dass die Prüfer/Gutachter/Doktorvater das gar nicht bemerkt haben wollen und dass sie sich als Opfer sehen. Es liegt ja auf der Hand, dass die Turbo-Promotion zum politischen Zweck abgesegnet worden war, und dass man nicht sonderlich auf die Qualität geachtet hatte. Gutachter, welche die ganzen Plagiate nicht gemerkt haben wollen, disqualifizieren sich ja damit selbst.

    Und auch wenn seine Entfernung aus den politischen Ämtern die richtige Konsequenz für diesen Fehltritt war, ist es trotzdem interessant, dass damit auch die Gorch-Fock-Affäre begraben wurde. Er hatte sich da sicherlich vorschnell gehandelt, auch hat er die notwendigen Dienstwege nicht eingehalten, und das war problematisch. Aber immerhin hatte er das gemacht, was in solchen Fällen immer von Opfern gefordert wird - nämlich die Verdächtigen vorsichtshalber sofort vom Dienst suspendieren und Ermittlungen einleiten.

    Er hatte sich nur politisch unglaubwürdig und untragbar gemacht, weil er einerseits seine Offiziere ohne Unersuchung suspendiert hatte, er aber selber aber am Amt klebte. Aber irgendwie denke ich, dass es einige Leute gibt, die froh sind, dass er weg ist - und das nicht wegen der Plagiataffäre.

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  66. ..da schließe ich mich an, ich war auch so eine brave Studentinnen mit den tollen Noten, habe auch immer den vollsten Respekt vor einem Professor gehabt.

    Die Unikarriere ist gewiss nicht alles, das ist richtig, wichtiger ist doch sowieso, dass man ein soziales Umfeld hat. Eine Familie, Freunde, Menschen, mit denen man lachen und LEBEN kann.

    Mir ist aufgefallen, dass die Doktorandinnen bei uns an der Uni nach ihrer Promotion vermännlichen, indem sie sich ihre Haare abschneiden, ihre Kleidung in grau wählen, weil sie dazugehören wollen zur männlichen Gesellschaft. Und das ist etwas, womit ich mich niemals würde anfreunden können.

    Ich glaube manchmal sogar, dass es mein Schicksal war, dass ich vergewaltigt werden musste, um aktiv zu werden, politisch agierend, jetzt habe ich nämlich noch so Vieles vor, das hätte ich früher nie gemacht.

    So eine Sache kann auch unheimlich stark machen, auch wenn der Preis hoch war.

    Hätte ich geschwiegen, hätte ich vielleicht eine tolle Stelle bekommen, doch glücklich wäre ich damit nicht geworden. Jetzt habe ich so tolle Menschen kennen gelernt, dafür bin ich dankbar und ich fühle mich sehr wohl in meiner Haut.

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  67. Da ist was Wahres dran. Gerade die schüchternen, braven Mädchen brauchen vielleicht diese krasse Erfahrung, um sich endlich mal aus dem Korsett heraus zu brechen.

    So nach dem Motto: ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich ungeniert.

    Gerade habe ich einen Artikel in den Nachrichten gelesen, wo es drum geht, dass die jugendlichen Straftäter in einem innovativen JVA lernen, ohne Schimpfwörter auszukommen und sich dran gewöhnen, von anderen bewertet zu werden - das sei ein teil des Sozialisierungsprogramms.

    Bei uns ist es eher so, dass das Sozialisierungsprogram so aussehen muss, dass man lernt, auch mal Schimpfwörter zu benutzen und auf die Bewertung von anderen zu pfeiffen.

    Schade ist es eigentlich, dass das goldene Mitte schwer zu erreichen ist.

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  68. Jetzt habe ich es!

    § 825 BGB Bestimmung zu sexuellen Handlungen

    Wer einen anderen durch Hinterlist, Drohung oder Missbrauch eines Abhängigkeitsverhältnisses zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen bestimmt, ist ihm zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

    Dafür braucht man keine Vergewaltigung oder Nötigung!

    Bei mir sind zivilrechtliche Ansprüche schon verjährt, also das bringt mir nichts mehr, aber bei Euch? (Verjährungsfrist 3 Jahre zum Jahresende, d.h. alles ab 2008 dürfte noch gehen)

    Kommentar: http://www.verlagdrkovac.de/3-8300-4470-4.htm

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