Samstag, 12. März 2011

Strafverfahren: Bielefeld (seit 2009) – Teil 1

Der Fall wurde 2009 öffentlich bekannt. Das entsprechende Strafverfahren läuft immer noch. Aufgrund der großen Aufmerksamkeit in der Presse und den Kontroversen, welche die Uni Bielefeld immer noch erschüttern, werde ich diesem Fall mehr als einen Post widmen. Hier präsentiere ich einen Überblick über die Ereignisse im Jahr 2009.

Fakten: Eine 27-jährige Doktorandin der Universität Bielefeld erstattete gegen ihren Doktorvater, den Dekan der Fakultät, Anzeige wegen mehrfacher Vergewaltigung und sexueller Nötigung, nachdem sie sich bereits zwei Monate vorher an die Universitätsleitung gewandt hatte. Der Professor wurde im Juli 2009 – als der Fall öffentlich wurde – vom Dienst suspendiert. Er stritt die Vorwürfe ab und zeigte die Doktorandin wegen Verleumdung und Vortäuschung einer Straftat an. Bereits seit Herbst 2008 gab es gegen diesen Professor Beschwerden wegen seinem sexistischen Verhalten. Die Leitung der Uni Bielefeld wurde aufgrund der Langsamkeit des uniinternen Prozesses kritisiert, wies aber die Vorwürfe zurück, indem sie erklärte, dass sie bestimmte Fristen einhalten musste. Der beschuldigte Professor hat der Doktorandin Schweigegeld angeboten, was er in einer Anhörung selbst zugegeben hat. Die Doktorandin, die auch Lehrveranstaltungen an der Uni Bielefeld erteilt hat, war gleichzeitig Opfer von Mobbing, indem sie nach den Vorwürfen gegen den Professor aus dem Lehrbetrieb gedrängt wurde. Trotz der staatsanwaltlichen Ladung von weiteren Zeugen wurde das Strafverfahren im November 2009 aus Mangel an Beweisen eingestellt. Der Anwalt der Doktorandin legte Beschwerde gegen die Einstellung ein.

Quellen:












Mehrere Presseartikel über den Fall können über die folgende Webseite gelesen werden: Negatives Image im 40. Jubiläumsjahr der Uni Bielefeld. OWL Vielfalt

Kommentar:
Der Leitung der Uni Bielefeld wurde vorgeworfen, die Sache unter den Teppich kehren zu wollen. Was kann ich dann über meinen Fall an der Uni Hamburg sagen? Seit mehr als einem Jahr ist der Uni die sexuelle Nötigung durch meinen Doktorvater bekannt und bis jetzt hat er keine Konsequenzen aus seiner Handlung ziehen müssen, wie ich bereits hier geschrieben habe. Zumindest wurde der Bielefelder Professor suspendiert und die Studenten der Fakultät haben über die Natur des Problems erfahren, was absolut notwendig ist, damit andere mögliche Opfer entdeckt und unterstützt werden können.

Von den von mir gesammelten Fällen sexueller Delikte an Hochschulen ist der Fall der Uni Bielefeld der Einzige, der während der Ermittlungsphase öffentlich bekannt wurde. Über die anderen wurde in der Presse erst nach der Anklage berichtet. Deswegen überlege ich mir, wie viele Fälle an deutschen Unis verdeckt bleiben, weil die Verfahren eingestellt werden. Selbstverständlich sind die bekannten Fälle nur die Spitze des Eisbergs und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele Fälle nie zu einer Anklage oder einer Strafanzeige gelangen und nur uniintern bleiben.

Wie wir in anderen Fällen sehen können, sind die Professoren, die ihre Macht missbrauchen, oft Wiederholungstäter. Wer schon ein Delikt verübt hat, kann auch mehrere ausüben. Belästigung, Bestechlichkeit, Mobbing, Bestechung, Nötigung und Vergewaltigung scheinen als mehrere Stufen einer Treppe, die nur unterbrochen werden kann, wenn das Schweigen gebrochen wird. Der Bielefelder Professor war bereits früher auffällig wegen seines Verhaltens an der Uni, aber im strafrechtlichen Sinne kam es wie so häufig bei solchen Delikten zu einer Situation „Aussage gegen Aussage“ und das Verfahren wurde eingestellt. Diese Verfahrenseinstellung war aber nicht das Ende der Geschichte, wie ich demnächst berichten werde.

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