Donnerstag, 27. Januar 2011

Strafverfahren: Hannover (2004)

Die genannte Jahrzahl entspricht dem Jahr, in dem der Fall öffentlich bekannt wurde.

Fakten: Ein 60-jähriger Professor für Geisteswissenschaften an der Universität Hannover hat zwei Studentinnen akademische Hilfe gegen Sex angeboten. Eine war eine verheiratete Doktorandin, die Unterstützung bei ihrer Dissertation brauchte. Die andere hatte Probleme mit einer Klausur. Beide Studentinnen lehnten das Angebot ab und haben sich an die Frauenbeauftragte der Uni gewandt. Als Bestrafung wurde das Gehalt des Professors für ein Jahr um 10% gekürzt (insgesamt 5400 Euro), er blieb aber weiter im Amt. Strafrechtlich wurde er wegen Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Professor hat sich bereit erklärt, sich beobachten zu lassen und sich einer Therapie zu unterziehen.

Quellen:




Kommentar:
Hier zeigt sich das klassische Dilemma von Studentinnen, die Opfer sexueller Nötigung, sexueller Gewalt oder – wie in diesem Fall – sexueller Belästigung geworden sind. Man will den Machtmissbrauch des Professors stoppen, aber man fürchtet die akademischen und persönlichen Konsequenzen und geht nicht zur Polizei oder erstattet eine Anzeige. Deswegen scheint der logische erste Schritt zu sein, sich an die Uni zu wenden. Damit ist aber noch nicht klar, wie die Vorgehensweise der Uni aussehen wird.

In diesem Fall der Universität Hannover bestanden unterschiedliche Ansichten in Bezug auf die Strafe des Professors. Die Geldbuße von 5400 Euro in Form einer Gehaltskürzung anstatt einer Dienstentfernung wurde als „mild“ empfunden. Gleichzeitig wurde erklärt, dass man eine schärfere Strafe hätte anwenden können, jedoch darauf verzichtet wurde aufgrund der guten Absichten des Professors, sich zu bessern. Andererseits wird berichtet, das Wissenschaftsministerium habe kein „förmliches Disziplinarverfahren“ eingeleitet (Woher kam die Gehaltskürzung eigentlich?), „zunächst wurde die Sache Uni-intern geregelt“, aber dann gab es einen Strafbefehl (also ein Urteil ohne mündliche Verhandlung) von neun Monaten auf Bewährung. Auf jeden Fall finde ich eine „milde“ Strafe besser als gar keine, wie es oft bei schweren Delikten passiert. Die Straflosigkeit führt zur Wiederholung und Vermehrung solcher Taten.

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