Donnerstag, 6. Januar 2011

Eine Strafanzeige ohne meine Zustimmung

Die Entscheidung, eine Strafanzeige zu erstatten, wurde nicht von mir getroffen. So wie mein Doktorvater mich zu unerwünschten sexuellen Handlungen gezwungen hat, hat die Universität Hamburg mich gezwungen, die Tortur eines Prozesses zu erleiden. Heutzutage denke ich, die Erstattung einer Strafanzeige ist der richtige Weg, aber damals war ich nicht sicher. Ich habe mich an die Kontaktstelle bei sexueller Diskriminierung und Gewalt der Universität Hamburg gewandt, um Hilfe zu suchen und mich beraten zu lassen, aber ich wurde den Löwen der rechtlichen Arena vorgeworfen.

Eine sehr nette Mitarbeiterin der Beratungsstelle Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen hat direkt mit der Gleichstellungsbeauftragten telefoniert, damit sie das Verfahren stoppt. Dies ist ihr nicht gelungen. Ohne meine Zustimmung wurde die Strafanzeige erstattet. Als ob das nicht schlimm genug für ein Opfer sexueller Gewalt wäre, kam später etwas noch Schlimmeres. Nach dem vorgesehenen Datum für die Erstattung der Strafanzeige habe ich die Ermittlungsführerin des Disziplinarverfahrens angerufen und erfahren, dass die Universität zurzeit keine Strafanzeige erstatten würde. Zuerst wurde ich gequält, indem die Uni eine Anzeige ohne meine Zustimmung erstatten wollte und nun plötzlich nicht mehr? Ich interpretierte das nicht als ein Zeichen, dass mein Wille endlich berücksichtigt wurde.

Einen Monat später sagte ich in der ersten Anhörung an der Uni aus und erst ein paar Tage nachher erfuhr ich, dass die Uni vor einigen Wochen doch eine Strafanzeige erstattet hatte. Warum wurde ich nicht darüber informiert? Gemäß der Ermittlungsführerin wurde das so gemacht, damit ich nicht erschrecke und der Anhörung fernbleibe. Ich wurde wie ein kleines Kind behandelt! Zunächst zählt mein Wille nichts und dann werde ich absichtlich nicht informiert, als die Strafanzeige erstattet wurde.

Auf der Homepage der Kontaktstelle bei sexueller Diskriminierung und Gewalt steht: „Sie können sicher sein, dass das Gespräch vertraulich bleibt und dass nichts ohne Ihre Zustimmung unternommen wird“. In der Richtlinie gegen geschlechtsbezogene Diskriminierung und sexuelle Gewalt an der Universität Hamburg steht: „Bei dem Verdacht von Offizialdelikten durch Beschäftigte der Universität soll bei Kenntnis über strafbewehrte Handlungen und im Einvernehmen mit der betroffenen Person die zuständige Polizeidienststelle oder die Staatsanwaltschaft Hamburg informiert werden“ (Hervorhebung durch mich). Meine Erfahrung hat gezeigt, dass diese Vorgaben in meinem Fall nicht eingehalten wurden. Aus diesem Grund rate ich anderen Opfern an, ganz vorsichtig zu sein. Wie die Universität Hamburg sich verhalten hat, kann ich auf keinen Fall loben.

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