Freitag, 25. November 2011

Grenzüberschreitung und ungeklärte Vorfälle: Ein Plädoyer für disziplinarische Maßnahmen

Ein paar weitere Verbotszeichen wären notwendig an Hochschulen

Als ich meiner damaligen Zweitgutachterin von meinem Besuch bei der Gleichstellungsbeauftragten der Uni Hamburg erzählt und ihr den Hintergrund des Problems mit meinem ehemaligen Doktorvater erläutert habe, sagte sie mir, ohne die genauen Vorwürfe und Details des Vorfalls zu kennen, dass ich nicht glaubwürdig sei. Der von ihr genannte Grund war der Folgende: In der Regel sei es häufiger, dass Studentinnen Professoren belästigen als umgekehrt. Professoren hätten es schwieriger, weil keine Stelle sie schütze. Für Studentinnen gebe es die Kontaktstelle bei sexueller Diskriminierung und Gewalt, an die ich mich Februar 2010 gewandt habe, aber die Professoren hätten niemanden, an den sie sich in solchen Fälle wenden können. Ohne mich sprechen zu lassen – wie dies fast immer mit meiner Zweit- und späteren Erstgutachterin der Fall war –, erzählte sie von einer Studentin, die einen Professor des Instituts ziemlich heftig belästigt habe. Dieser habe sich aber nicht verführen lassen, weil er homosexuell sei.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Warum wir nicht ernst genommen werden

Unsere Eichhörnchen-Arbeit wird so einfach überrollt...

Seit letzter Woche bin ich besonders deprimiert. Das Jahr ist bald zu Ende, ich habe es vor allem beim Warten auf Antworten (der Verfahren, der Jobbewerbungen usw.) verbracht, ich finde noch keinen Job und weiß nicht, was ich mit der Dissertation tun sollte, obwohl ihre Ablehnung bereits vom Widerspruchausschuss der Uni Hamburg aufgehoben wurde.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Eine Petition gegen sexuellen Missbrauch an Bildungseinrichtungen

Eine wichtige Petition ist jetzt im Portal des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages zu finden

Letzte Woche fand ich zufälligerweise eine öffentliche Petition im Deutschen Bundestag mit dem Titel: Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – Sexueller Missbrauch von volljährigen Schülerinnen und Studierenden durch Lehrende an Bildungseinrichtungen. Diese Petition – die ich völlig unterstütze – steht bis zum 11. November 2011 zum Mitzeichnen vor.

Montag, 26. September 2011

Der Zirkus um sexuelle Gewalt

Gefangene zur Neugierbefriedigung des Publikums? Wie stehen Beteiligte in Fällen sexueller Gewalt vor den Medien?

Mit dem Titel dieses Beitrages beziehe ich mich nicht auf das Disziplinarverfahren gegen meinen ehemaligen Doktorvater oder mein Promotionsverfahren an der Uni Hamburg, wo ich die Rolle des Clowns gespielt habe. Stattdessen denke ich im allgemeinen Sinne über die Behandlung von Fällen sexueller Gewalt durch die Medien nach.

Donnerstag, 25. August 2011

Die schwerste Folge der sexuellen Nötigung

Das Selbstvertrauen liegt zerstört am Boden  

Das Strafverfahren gegen meinen ehemaligen Doktorvater ist seit Monaten vorbei, vom aktuellen Stand des Disziplinarverfahrens habe ich keine Ahnung und ich warte auf die letzten Entscheidungen der Uni Hamburg bezüglich meines Promotionsverfahrens. In der Zwischenzeit kämpfe ich immer noch mit den zahlreichen Folgen der sexuellen Nötigung durch meinen Professor. Diese Woche musste ich mich bspw. um Probleme kümmern, die nichts damit zu tun haben, aber daduch entstanden sind, dass ich während meiner Depressionen aufgrund des ganzen Traumas viele Dinge vernachlässigt habe.

Montag, 8. August 2011

„Der Karpfenteich“ (von Carl-W. Voss)

Mein Exemplar des „Karpfenteichs“

Ich fahre mit meinen Kommentaren von Büchern über das Thema dieses Blogs fort und schreibe heute über den Roman Der Karpfenteich (2001). Der Roman wurde von einem Autor geschrieben, der das Pseudonym „Carl-W. Voss“ benutzt und gemäß Backcover des Buches ein Insider im Universitätsleben ist. Weitere Informationen des Verlages identifizieren den Autor als einen Juristen, der viele Jahre in leitenden Funktionen an verschiedenen deutschen Hochschulen gearbeitet hat.

Montag, 18. Juli 2011

Fehlentscheidungen und fehlende Information

Wie können Opfer sexueller Gewalt an Hochschulen richtige Entscheidungen treffen, wenn alle Wege schwierig und unbekannt sind?

Vielleicht bin ich nicht die geeignetste Person, um Ratschläge über “richtige Entscheidungen” zu geben, genau weil ich viele falsche getroffen habe. Aber ich weiß, weshalb dies geschehen ist. Meine Fehlentscheidungen – sowie viele bittere Momente während der Verfahren gegen meinen ehemaligen Doktorvater – schulde ich der fehlenden Information. Man kann keine richtige Entscheidung treffen, wenn man nicht die notwendige Information über die Handlungsmöglichkeiten hat.

Freitag, 8. Juli 2011

Die Belastung eines Widerspruchsverfahrens an der Uni

Es ist so schwierig, mit dieser Belastung der Verfahren vorwärts zu gehen

Jedes Mal, wenn ich eine Nachricht aus Hamburg erhalte, fühle ich mich als ob ich eine Briefbombe aufmachen würde. Im Laufe dieses Jahres habe ich schon viele Nachrichten bekommen, die mich aufgeregt haben (Verweigerung der Information über die Note meiner Arbeit, Ablehnung meiner Dissertation, Einstellung des Strafverfahrens gegen meinen ehemaligen Doktorvater, seine Teilnahme an einem Kongress am Tatort). Es wäre naiv von mir zu denken, dass keine weiteren kommen könnten.

Montag, 4. Juli 2011

Strafverfahren: Bielefeld (seit 2009) – Teil 4

Diese Teile der Berliner Mauer sehen aus wie eine Tür und besprühte Wände, wie der Eingang zum Büro des Bielefelder Professors nach der sogenannten „Sprüh-Aktion“

Wie versprochen, berichte ich weiter über den Fall der Universität Bielefeld, da es in den letzten Monaten ein paar Neuigkeiten gab. Während das Strafverfahren gegen den Bielefelder Professor, dem Vergewaltigung und sexuelle Nötigung einer Doktorandin und Universitätsmitarbeiterin vorgeworfen wird, auf Initiative der Doktorandin von einer höheren Instanz geprüft wird, gehen die Proteste und der Unmut an der Uni weiter.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Der Fall Kachelmann als Rahmen der Verfahren an der Universität Hamburg

Eine Zeitung auf einem Sitzplatz in einem Bus am Tag nach dem Freispruch Kachelmanns

Seit Beginn der Verfahren gegen meinen ehemaligen Doktorvater habe ich immer wieder Vergleiche zum Fall Kachelmann gehört. Im Februar 2010 habe ich mich an die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hamburg gewandt und da waren die Vorwürfe gegen Jörg Kachelmann ganz frisch.

Sonntag, 22. Mai 2011

Welche Hilfe brauchen Opfer an Hochschulen?

Wie kann man Opfer aus dem Sumpf von Problemen ziehen?

Vor einigen Tagen habe ich auf dem Facebook-Konto der Webseite „Weggeschaut – gegen sexuelle Gewalt“ eine Frage gesehen, welche an die Leser gerichtet war: Wie könnte Opfern besser geholfen werden? Dies ist eine wichtige Frage, die für viele Leute schwer zu beantworten ist, vielleicht auch für die Opfer selbst, deren Bedürfnisse sich im Laufe der Zeit ändern und je nach Situation unterschiedlich sind. Diese Frage kann nicht gleich beantworten, wer jahrelang über sexuellen Missbrauch stillgeschwiegen hat oder wer sich inmitten eines Strafverfahrens befindet oder wer vor kurzem sexualisierte Gewalt erlebt hat und sich überlegt, was zu tun.

Sonntag, 8. Mai 2011

„Schande“ (von J. M. Coetzee)

Englische und deutsche Ausgabe des Romans „Schande“ (Originaltitel: Disgrace) von J. M. Coetzee

Wie versprochen, fange ich hier mit einer Reihe von Kommentaren über Bücher und Filme an, die sich mit dem Thema „Sex zwischen Professoren und Studentinnen“ beschäftigen.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Sex zwischen Professoren und Studentinnen in der Fiktion

Es gibt nicht so viel Material über das Thema

In einem Strafverfahren sind die Wartezeiten lang, die Schritte für die Laien unbekannt, die Verzweiflung sowie das Bedürfnis, darüber zu reden, groß. Dennoch werden unsere Familienangehörigen und unser Freundeskreis bald müde von unserer ständigen Auseinandersetzung mit demselben Thema. In den Romanen und Filmen finden wir Antworten und Aspekte, die uns zur Reflektion bewegen; Partner, die uns stundenlang im Leiden begleiten und Vergleiche zu den Situationen, die wir erlebt haben.

Samstag, 30. April 2011

Das Strafverfahren wurde eingestellt!

Was von einem langen und schmerzhaften Verfahren übrig bleibt...

Die Nachricht über die Einstellung des Strafverfahrens gegen meinen Doktorvater erhielt ich einen Tag nachdem ich über die Ablehnung meiner Dissertation erfahren habe. Dies war definitiv nicht meine Woche: zuerst die Tagung, dann die Ablehnung und zum Schluss die Einstellung des Verfahrens... Die Teilnahme meines Doktorvaters an dieser Tagung war eine böse Überraschung, die mich besonders aufgeregt hat. Die Ablehnung war erst absehbar, nachdem ich mit meiner Erstgutachterin nach der Abgabe der Dissertation telefoniert habe. Die Verfahrenseinstellung konnte man aber vorhersagen, bevor das Strafverfahren angefangen hat.

Samstag, 23. April 2011

Zurück zum Tatort

Blick aus dem Fenster des Tatorts

In Krimis hört man oft: Der Täter kehrt immer zum Tatort zurück. Ich dachte nicht, dies könnte wahr sein, bis ich Folgendes erfahren habe: Bald findet eine Tagung über Täter und Opfer statt. Mein ehemaliger Doktorvater wird da einen Vortrag halten. Der Veranstaltungsort befindet sich in demjenigen Gebäude, wo es im Juli 2008 zum Vorfall kam.

Dienstag, 12. April 2011

Chronik eines angekündigten Todes oder wie ich bei meiner Dissertation durchgefallen bin

In demselben Aufzug aus meinem Profilfoto schaue ich den zurückgelegten Weg an.

Kurz nach der Abgabe meiner Dissertation war es für mich klar, dass ich durchfallen würde. Um genau zu erzählen, wie es zu diesem absehbaren Ende gekommen ist, mache ich hier eine nicht chronologische „Chronik“ dieses angekündigten Todes, ein Titel, den ich vom berühmten Roman von Gabriel García Márquez ausleihe.

Freitag, 1. April 2011

Strafverfahren: Bielefeld (seit 2009) – Teil 3

Dieser Post behandelt die Proteste bezüglich der Aufhebung der Suspendierung des ehemaligen Bielefelder Dekans, gegen den ein Strafverfahren wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung einer Doktorandin läuft. Vom Verwaltungsgericht Münster wurde er bereits zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt. Die Legitimität der Proteste – vor allem der studentischen Proteste – sind aktuell ein Thema an der Universität Bielefeld und haben deswegen Aufmerksamkeit verdient. Ich berücksichtige den aktuellen Stand und habe vor, über diesen Fall weiter zu berichten, wenn es Neuigkeiten gibt.

Mittwoch, 30. März 2011

Strafverfahren: Bielefeld (seit 2009) – Teil 2

In Fortsetzung des vorherigen Posts über diesen Fall, der noch nicht abgeschlossen ist, konzentriere ich mich im vorliegenden Text auf die Neuigkeiten bezüglich des Disziplinar- und Strafverfahrens gegen den Bielefelder Professor, dem mehrfache Vergewaltigung und sexuelle Nötigung einer Doktorandin vorgeworfen wird.

Samstag, 26. März 2011

Ein Jahr des Disziplinarverfahrens


Mein Hamburger Kalender vor einem Jahr

Heute vor einem Jahr hat das Disziplinarverfahren gegen meinen Doktorvater angefangen. Es freut mich nicht, an dieses Datum zu denken. Die Erinnerung an dieses Jahr, das vorbeigegangen ist, weckt unangenehme Gefühle in mir. Der 26. März 2010 war ein Freitag und diese Woche eine der schlechtesten, die ich in Hamburg erlebt habe.

Freitag, 25. März 2011

Zehn Mythen über sexuelle Belästigung und Gewalt an Hochschulen

Nicht alles ist schwarz oder weiß bezüglich sexueller Gewalt an Hochschulen

Die Fälle sexueller Gewalt an Hochschulen werfen viele Fragen auf, insbesondere inwieweit eine Studentin wirklich Opfer eines Universitätsprofessors sein kann und wie weit sie für ihr Problem Verantwortung trägt. Einige der nachfolgend erwähnten Mythen überlappen sich mit den sogenannten Vergewaltigungsmythen, wobei sie hier aber ausschließlich auf die Hochschulsituation angewandt werden.

Montag, 14. März 2011

Brief an die Leitung der Universität Hamburg



Am 15. November 2010 sendete ich per E-Mail einen Brief an die Leitung der Universität Hamburg bezüglich der Verfahren gegen meinen Doktorvater. Der Brief ging an den Präsidenten, die Universitätskanzlerin, die Leiterin der Abteilung Recht, Personal und Organisation, den Leiter des Rechtsreferats und die Gleichstellungsbeauftragte. Ich habe nie eine Antwort erhalten. Hier veröffentliche ich den Brief.

Samstag, 12. März 2011

Strafverfahren: Bielefeld (seit 2009) – Teil 1

Der Fall wurde 2009 öffentlich bekannt. Das entsprechende Strafverfahren läuft immer noch. Aufgrund der großen Aufmerksamkeit in der Presse und den Kontroversen, welche die Uni Bielefeld immer noch erschüttern, werde ich diesem Fall mehr als einen Post widmen. Hier präsentiere ich einen Überblick über die Ereignisse im Jahr 2009.

Donnerstag, 10. März 2011

Ein Pyrrhussieg


Anscheinend war die Abgabe meiner Dissertation kein Grund zum Feiern...

Nachdem ich vier Monate lang nicht gewusst habe, wie es mit meiner Dissertation an der Uni Hamburg weitergehen wird, habe ich mich sehr gefreut, als der Promotionsausschuss des Fachbereiches meine damalige Zweitgutachterin als Erstgutachterin meiner Dissertation einsetzte. Dies war nicht einfach zu schaffen und wenn ich nicht dafür gekämpft hätte, hätte ich meine Promotion verloren.

Dienstag, 1. März 2011

Über die fehlende Anonymität und andere Indiskretionen


              Ist die Anonymität für Hilfesuchende gewährleistet?

Überall bei Beratungsstellen für Opfer sexueller Gewalt habe ich gelesen, dass man sich „anonym“ an eine solche Hilfeeinrichtung wenden könnte. In meinem Fall sah ich jedoch von dieser Anonymität nichts. Als ich zum ersten Mal bei der Kontaktstelle bei sexueller Diskriminierung und Gewalt der Universität Hamburg angerufen habe, wurde mir mitgeteilt, die Gleichstellungsbeauftragte der Universität sei die einzige Ansprechpartnerin in solchen Fällen. Ich musste sie mehrmals anrufen, bevor ich sie erreichen konnte, da ich mich nicht getraut habe, meine Telefonnummer zu hinterlassen. Wenn ich nicht so überzeugt gewesen wäre, den Vorfall mit meinem Doktorvater zu melden, hätte ich nach dem ersten oder zweiten Versuch, sie zu erreichen, aufgehört.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Die Rostocker Doktoranden und die Promotionskrise


Die Abgabe der Dissertation: Ein Glückspiel für die Studenten?

Letztes Wochenende bin ich auf einen Artikel der Zeit gestoßen. Er handelt von sechs Doktoranden, deren Dissertationen durchgefallen sind, weil ihr Betreuer erkrankte und sie die Arbeiten einreichen mussten, ohne sie vorgängig mit den aktuellen Gutachtern zu besprechen. In der Webseite der Zeitung habe ich einen Kommentar zum Artikel geschrieben (Nr. 51).

Dienstag, 22. Februar 2011

Strafverfahren: Hannover (2007-2008)

Die genannten Jahrzahlen entsprechen dem Zeitraum zwischen der Erhebung der Anklage gegen den Professor und dessen Verurteilung.

Fakten: Dieser Fall ist nicht zu verwechseln mit dem der Uni Hannover im Jahr 2004, über den ich in einem anderen Post berichtet habe. Hier geht es um einen Juraprofessor, der sich wegen Bestechlichkeit vor Gericht verantworten musste. Eine Studentin war mitangeklagt, da sie im Gegenzug zu sexueller Zuwendung eine gute Note und eine Stelle als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl des Professors bekam, was sie gestanden hatte. Einer anderen Studentin hat der Professor bessere Noten gegen Sex gegeben und einer dritten hat er für dieselbe Gegenleistung einen Schein für ein von ihr nicht besuchtes Seminar angeboten.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Artikel: „Wenn Professoren herrschen“ (von Alex Reichmuth)

Machtmissbrauch durch Professoren passiert überall. Im Schweizer Wochenmagazin Weltwoche schreibt Alex Reichmuth über mehrere Fälle an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich). Wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden, die ein paar der von mir aufgezählten Rollen für ihre Professoren gespielt haben, berichten über das Unrecht, das ihnen geschehen ist und die Strafen in Bezug auf ihr berufliches Fortkommen, die sie von ihren Professoren bekommen haben, als sie sich gewehrt haben. Der Artikel porträtiert die Kette des Machtmissbrauchs an Hochschulen: Die Professoren nutzen die Studenten aus und die Leitung der Hochschule schaut weg oder stellt sich hinter die Professoren, während die Studenten ausgegrenzt werden. Eine lustige Illustration von Bianca Litscher stellt die ETH als König dar, unter dessen Umhang sich die Mitarbeiter verstecken.

Hier kann man den vollständigen Artikel lesen.

Sonntag, 13. Februar 2011

Machtmissbrauch an Hochschulen: Rollen, die wir für unsere Professoren spielen

In diesem Blog schildere ich die sexuelle Gewalt durch Universitätprofessoren als ultimativen Ausdruck des Machtmissbrauchs an Hochschulen. Es gibt jedoch verbreitete Praktiken innerhalb der Hochschule, die nicht zwingend etwas mit Sex zu tun haben, aber trotzdem auch Formen der Ausbeutung von Studenten – männlichen und weiblichen – darstellen. Aufgrund unserer Bereitschaft, unseres Strebens nach einer akademischen Laufbahn oder unseres Status als Doktoranden fällt es uns schwer, „Nein“ zu sagen und wir lassen uns von unseren Professoren ausnutzen, indem wir Rollen spielen, die nichts mit unserer Tätigkeit als Studenten zu tun haben. Hier präsentiere ich eine nicht abschließende Liste solcher Rollen:

Mittwoch, 9. Februar 2011

Das Phantom der Uni

Kurz vor der Eröffnung des Disziplinarverfahrens gegen meinen Doktorvater wurde mir empfohlen, nicht zur Uni zu gehen. Während ich auf die Stellungnahme des Professors wartete, verbrachte ich ein paar Wochen im Ausland, aber ich hatte den Kopf die ganze Zeit in Hamburg. Damals ahnte ich nicht, dass ich zu einem Phantom werden würde.

Montag, 7. Februar 2011

Strafverfahren: Paderborn (2007)

Die genannte Jahrzahl entspricht dem Jahr, in dem der Fall öffentlich bekannt wurde.

Fakten: Ein 59-jähriger Germanistikprofessor hat zwei Studentinnen gefilmt, während sie auf seine Aufforderung hin aufreizende Bewegungen und sexuelle Posen vor laufender Kamera vorführten. Die Teilnahme an diesem Video war eine Bedingung, damit sie eine Bescheinigung für eine von ihm geleitete Lehrveranstaltung bekommen. Nach der Videoaufnahme hat eine der Studentinnen Strafanzeige gegen den Professor erstattet. Er begründete, die Videos dienten einem Forschungsprojekt über nonverbale Kommunikation. Diese Begründung half ihm allerdings nicht. Der Professor wurde mit einem Strafbefehl zu einer Geldbusse von 9000 Euro verurteilt.

Montag, 31. Januar 2011

Opfer und Überlebende

In meinem Profil stelle ich mich vor als „Überlebende sexuellen Missbrauchs“, „Opfer sexueller Nötigung durch meinen Doktorvater“ sowie „Opfer des Strafverfahrens gegen ihn“ – nicht nur Opfer im Strafverfahren. In Diskussionen über Erwachsene, die als Kinder oder Jugendliche sexuellen Missbrauch erlebt haben, wird oft der Begriff „Überlebende“ verwendet (vgl. Warum sprechen wir von „Überlebenden“? von netzwerkB). Ich habe ihn zum ersten Mal im Buch The Courage to Heal: A Guide for Women Survivors of Child Sexual Abuse (deutscher Titel: Trotz allem: Wege zur Selbstheilung für Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren haben) von Ellen Bass und Laura Davis gelesen.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Strafverfahren: Hannover (2004)

Die genannte Jahrzahl entspricht dem Jahr, in dem der Fall öffentlich bekannt wurde.

Fakten: Ein 60-jähriger Professor für Geisteswissenschaften an der Universität Hannover hat zwei Studentinnen akademische Hilfe gegen Sex angeboten. Eine war eine verheiratete Doktorandin, die Unterstützung bei ihrer Dissertation brauchte. Die andere hatte Probleme mit einer Klausur. Beide Studentinnen lehnten das Angebot ab und haben sich an die Frauenbeauftragte der Uni gewandt. Als Bestrafung wurde das Gehalt des Professors für ein Jahr um 10% gekürzt (insgesamt 5400 Euro), er blieb aber weiter im Amt. Strafrechtlich wurde er wegen Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Professor hat sich bereit erklärt, sich beobachten zu lassen und sich einer Therapie zu unterziehen.

Dienstag, 25. Januar 2011

FAQ über das Disziplinar- und Strafverfahren – Teil 2

6. Warum bist du nur „Zeugin“ in den Verfahren? Du bist das Opfer!

Das Opfer einer Straftat ist Zeuge bzw. Zeugin im Verfahren. Für uns Opfer gelten dieselben Rechte und Pflichten anderer Zeugen, die in einem Verfahren aussagen. In meinem Freundeskreis haben die meisten geglaubt, ein Zeuge sei eine Person, welche die Tat gesehen, etwas darüber gehört hat oder über für das Verfahren relevante Information verfügt, also kein Betroffener. Ich habe ihnen Folgendes erklärt: Ich bin in den Verfahren gegen meinen Professor Zeugin, da ich weiß, dass er eine Straftat begangen hat, weil ich es selbst erlebt habe.

Allerdings hat ein Opfer bestimmter Delikte, darunter sexueller Nötigung, einige Rechte, die nicht betroffene Zeugen nicht haben, wie etwa die Nebenklage. Dies ermöglicht bspw. die Akteneinsicht.

Sonntag, 23. Januar 2011

FAQ über das Disziplinar- und Strafverfahren – Teil 1

Seitdem die Verfahren gegen meinen Doktorvater angefangen haben, haben mir meine Freunde, Familienangehörigen und Bekannten viele Fragen in Bezug darauf gestellt. Niemand in meinem Familien- und Freundeskreis kannte bisher jemanden, der in ein Disziplinar- oder Strafverfahren verwickelt war. Hier liste ich die häufig gestellten Fragen auf:

Montag, 17. Januar 2011

Über meinen Namen

Das von mir ausgewählte Pseudonym ist eine Variante des Namens von Lucretia, einer verheirateten Frau aus der Zeit der römischen Monarchie, die von Sextus Tarquinius, Sohn des damaligen Königs, vergewaltigt wurde. Nachdem sie ihrem Ehemann und ihrem Vater davon erzählt hat, brachte Lucretia sich um.

Ich las über diese Frau zum ersten Mal in einer Kollektion von Biographien berühmter Frauen. Jahre später las ich das Versepos „Die Schändung der Lucretia“ von Shakespeare. Die Geschichte der Lucretia, die von der Antike bis in die Neuzeit immer wieder erzählt und dargestellt wurde, fügt die Macht in Verbindung mit sexueller Gewalt, den Seelenmord, die unheilbaren Wunden des Opfers und dessen Schuldgefühle zusammen, d.h. Elemente, die Opfer sexueller Gewalt gut verstehen können und in der aktuellen Diskussion über sexuelle Delikte öfters erwähnt werden. Dazu gehört auch die Möglichkeit, die Folgen einer Vergewaltigung nicht zu überleben. Die Figur der Lucretia stellt ein klassisches Beispiel für ein Drama dar, das sich immer wieder ereignet.

Sonntag, 16. Januar 2011

Über mein Foto


Das Bild meines Profils entspricht einem Teil eines Fotos von mir in einem Glasfahrstuhl. Ich habe es ausgewählt, weil es mich an meinen sich wiederholenden Albtraum erinnert: Ich bin in einem Fahrstuhl, der abwärts oder aufwärts fährt. Ich weiß nicht, wohin ich fahre und ich kann ihn nicht stoppen und natürlich auch nicht aussteigen.

Man fühlt sich in einem Strafverfahren ähnlich. Man ist in einem geschlossenen und kleinen Raum ohne großen Handlungsspielraum und fährt auf einem von Anderen bestimmten Weg ohne Ausgang. Die Sonne spiegelt sich auf dem Glas. So kann man nicht richtig sehen, was draußen ist und man kann das starke und störende Licht nicht abdecken. Das Glas ist zerkratzt und schmutzig und es ist nicht möglich, frische Luft zu atmen. Im aktuellen Stand des Disziplinar- und Strafverfahrens gegen meinen Doktorvater finde ich das Foto passend, um meine Lage zu illustrieren.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Zehn Gründe für eine Strafanzeige

Zunächst muss ich betonen, dass sexuelle Nötigung und Vergewaltigung Offizialdelikte sind und deshalb eine eingereichte Strafanzeige nicht zurückgezogen werden kann (diese Frage haben mir verschiedene Personen gestellt). Sobald die Polizei oder Staatsanwaltschaft Kenntnis dieser Delikte hat, muss sie auf jeden Fall ermitteln. Deswegen ist das Erstatten einer Strafanzeige eine Entscheidung, die sehr gut überlegt sein sollte und es ist unverzeihbar, was die Universität Hamburg mir angetan hat, als sie diese Strafanzeige gegen meinen Doktorvater ohne meine Zustimmung erstattet hat.

Wie ich in einem vorherigen Post geschrieben habe, denke ich heute, wir Hochschulstudentinnen sollten die Professoren anzeigen, die uns sexuell genötigt oder vergewaltigt haben oder es schon mal versucht haben. Mit zehn Punkten will ich dies begründen:

Montag, 10. Januar 2011

Strafverfahren: Hohenheim (1997)

Fakten: In demselben Jahr, in dem der Bundesgerichtshof die Verurteilung des Konstanzer Hochschullehrers bestätigte, wurde ein Professor für Tierökologie der Universität Hohenheim zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung und zu 20.000 DM Geldbuße verurteilt, weil er eine Diplomandin in einem Fall und eine Doktorandin in vier Fällen sexuell genötigt hat. 1994 hat der Professor die Diplomandin während Arbeiten im Gelände gezwungen, unerwünschte Berührungen an sich zu dulden und an ihm vorzunehmen. Obwohl der Professor die Diplomandin vorher bereits gegen ihren Willen umarmt und geküsst hatte, war nur dieser Vorfall Gegenstand des Verfahrens. Gegenüber der Doktorandin ist es zu sexuellen Handlungen gekommen, während sie ein Fahrzeug auf der Autobahn gesteuert hat. Andere Vorfälle fanden im Gelände statt, wo die Doktorandin für ihre Dissertation geforscht hat. Die Strafanzeige gegen den Professor wurde im November 1995 erstattet. Im März 1997 wurde er vom Landgericht Stuttgart verurteilt. Erst im April 2000 endete das Disziplinarverfahren, das als Folge die Dienstentfernung des Professors hatte.

Sonntag, 9. Januar 2011

Strafverfahren: Konstanz (1997)

Die genannte Jahrzahl entspricht dem Jahr, in dem das Strafverfahren abgeschlossen wurde, nicht dem Jahr der Delikte.

Fakten: Eine Doktorandin der Universität Konstanz wurde mehrmals von ihrem Doktorvater, einem Psychologieprofessor, zu einer Liebesbeziehung gedrängt. Sie hat ihn mehrmals zurückgewiesen. Da er seine Absichten nicht aufgegeben hat, hat die Doktorandin sich vom Arbeitsplatz im Schlaflabor entfernt und nur auf Drohung ihres Doktorvaters mit negativen Folgen für ihre Dissertation hin ist sie zurückgekehrt. Dort kam es zu einem Vorfall sexueller Nötigung, die der Professor unterbrochen hat, weil die Doktorandin angefangen hat zu weinen. Ein weiterer Vorfall geschah im Auto des Professors, wo er sie gegen ihren Willen fest umarmt und geküsst hat. Diese Vorfälle fanden zwischen August und November 1992 statt. Nach dem entsprechenden Strafverfahren (1995-1996) wurde der Professor zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Seine Revision gegen dieses Urteil wurde abgelehnt (1997).

Samstag, 8. Januar 2011

Artikel: „Missbrauch und die Folgen – unser Rechtssystem schützt die Täter“ (im netzwerkB)

Als Betroffene sexuellen Missbrauchs fühle ich mich mit dem Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt identifiziert und verfolge täglich ihre Webseite. Ich bewundere die Arbeit, die Norbert Denef – Sprecher des Netzwerks und selbst Missbrauchsopfer – geleistet hat, damit Opfer eine Stimme haben und für ihre Rechte kämpfen können, und wie er sich bemüht hat, das Schweigen über sexuelle Gewalt zu brechen. Ich mag seine Initiative „Coming-Out der Opfer“ und wenn ich nicht im Moment als Opfer in einem Strafverfahren involviert wäre, hätte ich schon mit meinem wahren Namen und meinem Foto als 13-Jährige mitgemacht.

Im Zusammenhang mit meinem Post „Viel einfacher für den Täter als für das Opfer“ kopiere ich den Link zu einem Artikel, der mich angesprochen hat:


Freitag, 7. Januar 2011

Artikel: „Vergewaltigung – das straflose Verbrechen“ (von Chantal Louis)

In der Herbst-Ausgabe 2010 von EMMA ist der Artikel der Journalistin Chantal Louis mit dem Titel „Vergewaltigung – das straflose Verbrechen“ erschienen. Er handelt von der Problematik der faktischen Straflosigkeit dieses Delikts aufgrund der häufigen Einstellungen der Strafverfahren, der hohen Anzahl von Frauen, die die Tat nicht anzeigen wollen sowie der Mythen der Gesellschaft um die Definition von Vergewaltigung. Einer der berichteten Fälle betrifft eine Doktorandin, die von ihrem Doktorvater vergewaltigt wurde.

Den ganzen Artikel können Sie in der Webseite der Zeitschrift EMMA lesen:


Donnerstag, 6. Januar 2011

Viel einfacher für den Täter als für das Opfer

Im Laufe der Verfahren gegen meinen Doktorvater habe ich viel Überraschendes gesehen. Etwas was mich stark verwundert hat, ist die Behandlung des Täters in Vergleich zum Opfer. Betroffen von sexueller Gewalt zu sein, ist eine zerstörende Erfahrung. Im Zeitraum zwischen dem sexuellen Übergriff und meiner Entscheidung, mich an die Kontaktstelle bei sexueller Diskriminierung und Gewalt der Uni zu wenden, hatte ich Depressionen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Albträume u.a. persönliche Konsequenzen. Meine Leistungen wurden beeinträchtigt. In meinem Heimatland war ich daran gewöhnt, vieles zu machen. Ich arbeitete und studierte gleichzeitig, habe Artikel veröffentlicht, an Kongressen teilgenommen, daneben hatte ich auch Zeit, mich meinen Hobbies zu widmen. Nach dem Erlebnis konnte ich nur noch schwer an meiner Dissertation arbeiten und einen Lehrauftrag durchführen. Wenn ich nicht eine Therapie gesucht hätte, wäre die Situation für mich nicht auszuhalten gewesen. Außerdem war es für mich nicht das erste Mal, dass ich Opfer sexueller Gewalt war. Als 13-Jährige wurde ich in der Schule von einem Lehrer sexuell missbraucht. Nach der Erfahrung mit meinem Doktorvater fühlte ich mich praktisch zerstört. Ich konnte einen schweren Missbrauch überleben und fand Trost in meinem Studium, aber diesmal war mein Studium selbst betroffen, da alles was ich in Deutschland hatte, vom Mann, der mich sexuell genötigt hat, abhängig war.

Eine Strafanzeige ohne meine Zustimmung

Die Entscheidung, eine Strafanzeige zu erstatten, wurde nicht von mir getroffen. So wie mein Doktorvater mich zu unerwünschten sexuellen Handlungen gezwungen hat, hat die Universität Hamburg mich gezwungen, die Tortur eines Prozesses zu erleiden. Heutzutage denke ich, die Erstattung einer Strafanzeige ist der richtige Weg, aber damals war ich nicht sicher. Ich habe mich an die Kontaktstelle bei sexueller Diskriminierung und Gewalt der Universität Hamburg gewandt, um Hilfe zu suchen und mich beraten zu lassen, aber ich wurde den Löwen der rechtlichen Arena vorgeworfen.

Ein schwieriger, unbekannter Weg

Als ich im Büro der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Hamburg gehört habe, dass ein Disziplinarverfahren gegen meinen Doktorvater eröffnet und eine Strafanzeige gegen ihn erstattet werden soll, dachte ich, eine Katastrophe würde geschehen. Ich, Ausländerin, Stipendiatin, ohne Familie in Deutschland, ohne Freundinnen vor Ort, denen ich mich zu dieser Zeit anvertraut hatte und mit meinem Ehemann im Ausland, war in ein Strafverfahren verwickelt. Die jungen Juristinnen der Universität, mit denen ich gesprochen habe, haben alles so geschildert, als ob meine Aufgabe nur darin bestehen würde, zu erzählen, was mein Doktorvater mir angetan hatte. Die Gleichstellungsbeauftragte hat mir mehrmals versichert, ich würde mein Promotionsstudium erfolgreich absolvieren. War alles so einfach? Natürlich nicht. Seitdem ich von meinem Doktorvater im Juli 2008 sexuell genötigt wurde und mich im Februar 2010 an die Kontaktstelle bei sexueller Diskriminierung und Gewalt der Universität gewandt habe, habe ich die Hölle erlebt.